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70-jähriges Bestehen"Gullivers Reisen" – Puppentheater Halle eröffnet Festwoche mit Open-Air-Spektakel

17. Juni 2024, 11:03 Uhr

Seit Samstag feiert das Puppentheater Halle sein 70-jähriges Bestehen mit der Festwoche "Gulliver". Zur Eröffnung ist eine 18 Meter große Gulliver-Figur über den Marktplatz in Halle gelaufen. Die Bühne musste seit ihrer Gründung im Laufe der Zeit einige Hürden überwinden. Trotzdem hat sie sich als eine von wenigen gehalten. Früher zeigte die "Puppe" vor allem Marionettenstücke für Kinder. Heute ist sie Deutschlands einziges Figurentheater, das vorwiegend für Erwachsene spielt.

Das Puppentheater Halle feiert seinen 70. Geburtstag – gemeinsam mit den anderen Sparten der Bühnen Halle. Dazu startete am Samstag die Festwoche "Gulliver" mit einer großen Eröffnungsshow. Auf dem Marktplatz in Halle wurde eine 18 Meter große Gulliver-Figur mit Helium gefüllt. Im Laufe der Woche sind die vier Teile von "Gullivers Reisen" auf unterschiedlichen Open Air-Bühnen in der Stadt zu sehen.

Neben der Gulliver-Figur schwebte auch eine riesige Puppe in Form einer Fliege über den Marktplatz. Bildrechte: picture alliance/dpa | Heiko Rebsch

Ralf Meyer, Dramaturg am Puppentheater Halle, sagte MDR KULTUR, das Buch "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift habe viel mit dem Puppentheater zu tun. "Denn auch die Puppe bietet ja immer einen Perspektivwechsel an. Sie ist zum Beispiel ganz klein oder jetzt in dem Fall ganz groß und durch dieses veränderte Größenverhältnis kann man eben menschliche Gesellschaft anders angucken. Man guckt eben plötzlich drauf wie auf etwas Fremdes. Deshalb bietet sich der Gulliver an."

Gründung und Wandel des Puppentheaters Halle

Geschichten aus anderen Perspektiven zu erzählen, war von Anfang an Aufgabe des Puppentheaters Halle. Es wurde 1954 eröffnet – als eines von vielen in der DDR. Ein Gastspiel des sowjetischen Puppenspielers Sergei Obraszow sorgte Anfang der 50er-Jahre hier für eine Welle an Neueröffnungen.

Szene aus dem Stück "Ciao" in dem zwei Spielerinnen und ein Spieler (v.l. Claudia Luise Bose, Nils Dreschke und Louise Nowitzki) mit einer Puppe zu sehen sind. Bildrechte: Falk Wenzel

1971 dann der Schock: durch einen Brand verlor das Puppentheater in Halle nicht nur seine Spielstätte, sondern auch den Großteil seiner Puppen und Materialien. In den folgenden zehn Jahre spielte das Ensemble an wechselnden Orten bis es 1982 wieder einen festen Spielort in Halle bekam. Die Wende 1989 stellte das Haus dann vor neue Herausforderungen – insbesondere finanzielle. Dennoch konnte sich die Spielstätte halten, auch weil die Macher offen blieben für Veränderungen.

Das ist nicht zuletzt dem künstlerischen Leiter Christoph Werner zu verdanken, der seit 1995 in Halle ist. Zu dieser Zeit gab es einen Trend, der für die Puppentheaterszene laut Dramaturg Ralf Meyer einen "großen, unerprobten ästhetischen Reiz" gehabt habe: die sogenannten Vierfüßlerpuppen, die – annähernd lebensgroß – von zwei Spieler bewegt werden. Daran hätten sich damals auch andere Bühnen versucht, allerdings sei Halle diesen Weg konsequent weitergegangen.

Ralf Meyer ist seit 2000 Dramaturg am Puppentheater Halle. Bildrechte: Andreas Pohlmann

Für den "Halleschen Stil" berühmt

Seitdem stehen in Halle neben den Puppen immer auch die Spielerinnen und Spieler auf der Bühne. Für dieses Ensemblepuppenspiel in offener Spielweise – in der Szene auch "Hallescher Stil" genannt – ist das Puppentheater mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dafür sorgten unter anderem Gastspiele in der ganzen Welt.

Es gab eine Zeit da, hätten wir nur Gastspiele machen können.

Ralf Meyer, Dramaturg Puppentheater Halle

Ralf Meyer erzählt: "Wir sind ja zuerst mit den Kinderstücken, dann auch mit den Erwachsenenstücken tatsächlich einmal um die Welt gefahren. Also, wir waren in Japan, China, Indien, in Kanada. Es gab eine Zeit, da hätten wir nur Gastspiele machen können." Tatsächlich aber wollte das Ensemble in Halle spielen, um gemeinsam mit dem Publikum das Puppentheater weiter zu entwickeln.

Die Puppenspieler (v.l. Claudia Luise Bose, Louise Nowitzki, Sebastian Fortak) sind auf der Bühne mit ihren Puppen zu sehen. Hier eine Szene aus "Mord im Orientexpress" im Puppentheater Halle. Bildrechte: Anna Kolata

Nur einige Puppentheater überlebten

Darüber hinaus setzte die Bühne zeitig auf Kooperationen. Dabei suchte sie sich Künstler, Ensembles und Einrichtungen, die ähnliche Ansprüche und Interessen verfolgten. Mittlerweile setzen die Hallenser eine Gemeinschaftsproduktion pro Jahr um. Laut Meyer haben sie unter anderem mit den Wiener Festwochen, der Volksbühne Berlin und häufig auch mit französischen Truppen zusammengearbeitet.

"Plasticiens Volants" zu Gast bei der Festwoche

Auch für die Festwoche hat sich das Puppentheater Halle Gäste eingeladen. Die berühmteste und älteste Straßentheatergruppe Frankreichs "Plasticiens Volants" war am Eröffnungswochenende zu Gast. Sie reisten mit einer 18 Meter großen Gulliver-Figur an. Diese wurde am Samstag auf dem Markt in Halle mit Helium gefüllt. Mit ihr können die Gäste in die Welt des Puppenspiels eintauchen, so Meyer.

Weitere Infos zum 70. Jubiläum des Puppentheaters Halle

Die Festwoche "Gulliver" findet vom 15. bis 22. Juni 2024 statt.

Show von Plasticiens Volants
auf Markt und Hallmarkt
06108 Halle (Saale)

Termine:
15. Juni, ab 19:30 Uhr
16. Juni, ab 16 Uhr

Gulliver im Lande Liliput
im Hof des Saline-Museums
Mansfelder Straße 52
06108 Halle (Saale)

Gulliver im Land der Riesen
im Lindenhof der Franckeschen Stiftungen
Franckeplatz 1
06110 Halle

Gulliver und die Pferdemenschen
im Graben der Moritzburg
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)

Gulliver und die fliegenden Inseln
auf dem Salzgrafenplatz
06108 Halle (Saale)

Termine:
Alle vier Shows werden am 19., 20. und 21. Juni, jeweils 19 und 21 Uhr gespielt.

"Upside Down"
im Hof des Saline-Museums
Mansfelder Straße 52
06108 Halle (Saale)

Termine:
22. Juni, 21:30 Uhr

Quelle: MDR Kultur (Carolin Büscher), Puppentheater Halle
redaktionelle Bearbeitung: tmk

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