Disco und Veranstaltungsort "Schorre" in Halle muss schließen

Die "Schorre" in Halle muss schließen. Ein neuer Besitzer will das Gebäude abreißen lassen, um eine Seniorenresidenz zu errichten. Der Betreiber will weitermachen, sagt aber, es ist nicht einfach, einen geeigneten Ort zu finden.

Menschen feiern in der Disko Schorre in Halle
Die "Schorre" in Halle ist Kult – den Standort gibt es schon seit 150 Jahren. (Archivbild) Bildrechte: Schorre Halle

In Halle wird das Veranstaltungshaus Schorre geschlossen. Das teilten die Betreiber am Montagabend mit. Grund für die Schließung ist ein Wechsel des Immobilien- und Grundstücksbesitzers.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wollen die neuen Eigentümer die Schorre abreißen und an derselben Stelle eine Seniorenwohnresidenz errichten. Den Betreibern der Schorre ist zu Ende März 2022 der Mietvertrag gekündigt worden. Zuvor hatten die Mitteldeutsche Zeitung und das Internetportal Du bist Halle darüber berichtet.

Die Abriss-Pläne sind nicht neu. Bereits 2018 hatte es geheißen, dass ein Investor das Gebäude abreißen wolle, um auf dem Grundstück Wohnungen für betreutes Wohnen zu bauen. Damals hatte es wegen unvollständiger Unterlagen keine Genehmigung für den Abriss gegeben.

Betreiber äußert Unverständnis

Die Schorre-Betreiber reagieren mit Unverständnis darauf, dass die Stadt Halle dem neuen Eigentümer eine Umnutzung genehmigt hat – immerhin handele es sich bei der Schorre um einen traditionsreichen Kulturstandort, den es seit 150 Jahren gibt. Dort war während der Corona-Zeit sogar noch Geld für Innen-Verschönerungen investiert worden.

"Schorre"-Eventmanager Uwe Helm sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er wolle weitermachen, aber es sei nicht einfach, einen geeigneten Ort zu finden.

Weltstars Nirvana und Rammstein spielten in der Schorre

In der Schorre stand schon Kurt Cobain auf der Bühne. 1991 war die weltbekannte Band Nirvana als Vorband für "Sonic Youth" in Halle. Damals war Nirvana relativ unbekannt. Das änderte sich als einen Monat nach dem Auftritt das Album "Nevermind" erschien. Auch Die Ärzte und Rammstein waren schon in der Schorre zu Gast.

Die Schorre hieß früher mal Bellevue und war schon im 19. Jahrhundert ein Veranstaltungsort. 1890 hieß das Lokal "Zum Hofjäger". In dem Jahr fand ein SPD-Parteitag mit August Bebel in der Location statt, bei dem sich die Partei ihren heutigen Namen gab. Zu DDR-Zeiten war die "Schorre" als "Jugendklubhaus Philipp Müller" bekannt.

Wie im Netz und in Halle die Nachricht aufgenommen wird

MDR/Hanno Bauer, Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Oktober 2021 | 07:30 Uhr

6 Kommentare

Alex B.-Harounian vor 5 Wochen

Aus kunsthistorischer und Stadt geschichtlicher Sicht absolut unverständlich, dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht! Bei einem Alter von 150 Jahren ist das Stadt-politisch geradezu ein Verbrechen! Ganz davon abgesehen, dass ich irgendwie Zweifel hege, dass das neue Pflege Wohnstift bei der Zielgruppe sonderlich gut ankommen wird, eben aus sentimentalen Gründen, denn immerhin sind die heutigen hallenser Senioren die Jugendlichen von damals, die selbst an diesem Ort Tanzveranstaltungen besucht haben und mit Sicherheit viele Erinnerungen mit dem Gebäude verbinden… davon abgesehen, gibt es im Ϟ Halle mehr als genug besser geeignete Baustandorte für solche Anlagen!

Wer auch immer der neue Grundstückseigentümer ist, ist mit Sicherheit kein Hallenser! Es ist schade dass auch die Stadt Halle sich korrumpiert hat und dass vom alten Stolz der Stadt nichts mehr geblieben ist, wenn man Hallunken die Möglichkeit gibt, Orte der Stadtgeschichte einfach platt zu machen.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen

Nun folgt also auch hier in Sachsen-Anhalt (endlich) das,
was in der Thüringer Provinz schon längst Tagesordnung
von Stadträten und ihren Sitzungen in den 1990ern war:

das ersatzlose Plattmachen von Kulturzweckbauten
mit historischer (ungeliebter ?) Vergangenheit
zugunsten einer (wie auch immer gearteten)
neuen Wohnbebauung.

Willkommen im Neuen Deutschland !
Leb also denn wohl, allseits geliebte Schorre,
Du kulturelle Sternstunde meiner einstigen
und glücklich(er)en Leipziger Studententage !

Ich bin sehr gespannt darauf, wann das Volkshaus in Weimar auch platt gemacht wird zugunsten einer . . . ( herzliche Grüße an die werten Genossinnen und Genossen ) .


Den Betreibern herzlichen Dank für alles Mühen über die Jahre hinweg, diesen Traditionsstandort zu bewahren und mit Leben zu erfüllen !
Mögen sie bald eine neue Schorre finden, die an die „guten alten“
Clubhaus-Zeiten anknüpft und neue Zielgruppen erreichen kann !

( Warum nicht auch „Seniorendisko“ ?! )



😤 😖 😢

Thommi Tulpe vor 5 Wochen

Es ist leider so, dass man in Zukunft sehr viel mehr Platz für alte Leutchen benötigt als für junge.
Ob sich jedoch die heutige Jugend später noch den Platz in einer Seniorenresidenz leisten wird können, erscheint mir sehr fraglich.
Vielleicht reißt man in ferner Zukunft diese Seniorenresidenz ab und baut an deren Stelle wieder einen Jugendtreff? (Sarkasmus aus!)

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Steinwurf auf Tram
Ein Unbekannter bewarf am Freitagnachmittag eine Tram an der Ratzeltstraße mit Steinen, die mehrere Scheiben an der Straßenbahn zerbersten ließen. Bildrechte: LausitzNews/Erik-Holm Langhof

Mehr aus Sachsen-Anhalt