Mathe-App für Grundschüler entwickelt Gewinner von "Jugend gründet": Stefan Neuber aus Halle im Porträt

Der 17-jährige Stefan Neuber ist mit seiner Geschäftsidee für eine Mathe-App für Grundschüler beim bundesweiten Nachwuchswettbewerb "Jugend gründet" Erster geworden. Was treibt den Hallenser an? Welche Pläne hat er? Und was macht er, wenn er gerade nicht programmiert?

Ein junger Mann steht in einem Zimmer
Stefan Neuber aus Halle hat mit seiner App "Mathe X" für Furore gesorgt. Bildrechte: MDR/Jugend gründet

"Mein Leben besteht natürlich nicht nur aus App-Programmierung. Ich spiele Akkordeon, mache jeden Tag Sport und treffe mich auch regelmäßig mit Freunden", sagt Stefan Neuber – und lacht.

Und der 17-jährige Hallenser hat gut lachen, denn er hat den bundesweiten Nachwuchswettbewerb "Jugend gründet" gewonnen. Aus einem Feld von 3.726 Teilnehmenden ging er als Sieger hervor. Seine App "MatheX" überzeugte die Jury.

Jury: "Toll präsentiert, professionell aufgetreten, gut durchdacht"

"Hut ab", so das einhellige Lob für den Bundessieger Stefan Neuber, der mit "einer großartigen Leistung als Einzelkämpfer und mit viel Leidenschaft" überzeugt habe: "Er hat toll präsentiert, ist sehr professionell aufgetreten und hat seine Geschäftsidee sehr gut durchdacht."

Mit der App "MatheX" sollen Grundschüler Mathe-Basiskompetenzen trainieren können. Die App ist vollständig sprachbasiert. Doch Neuber hatte anfangs keine pädagogischen Gründe, das Programm zu entwickeln. Sein erstes Motiv war: Bequemlichkeit. Bei einer App zum Lernen von Vokabeln habe ihn "sehr genervt", dass er jedes Wort einzeln eintippen musste, erzählt er. Seine Frage war darum folgerichtig: "Kann man das nicht besser lösen?"

Ja, man kann, und zwar mit einer Sprachsteuerung, wie sie von Siri, Alexa und Co. geläufig ist. Vom Vokabeltraining übertrug er die Idee auf die Mathematik. Gerade für Vor- und Grundschüler, die "noch nicht so sicher mit dem Schreiben oder Tippen" sind, sei es "natürlicher und intuitiver", einfach zu sprechen.

So hilft die App "MatheX" beim Lernen

Die App stellt Matheaufgaben, beispielsweise: "Was ist 4 + 9?" Der Nutzer oder die Nutzerin spricht die Antwort in das Handy. Ist diese falsch, korrigiert "MatheX" sofort und sagt in diesem Fall: "Nein. 4 + 9 = 13." Die Oberfläche des Programms bietet dazu verschiedene Module wie "Plus", "Minus", "Schätzen" oder "Erfassen" an.

"Als ob die Nutzer mit einem richtigen Menschen interagieren würden" – so funktioniere die App, erklärt Neuber. Damit steige auch die Motivation der Lernenden. Außerdem passe "MatheX" die Aufgaben automatisch auf das Leistungsniveau der einzelnen Schüler an. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie notwendig zeitgerechte Bildungsmaterialien seien.

Das sagt Stefan Neuber zu MatheX

"In den letzten eineinhalb Jahren habe ich MatheX vollständig entwickelt und veröffentlicht. Die App wird bereits von mehr als 1.000 Schülern auf der ganzen Welt genutzt und hat in den App-Stores eine Bewertung von über 4,5 von 5 Sternen. Sie hat den 1. Platz beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" und bei "futurego 2020" erhalten, wurde von Lerninstitut.at zur "App der Woche" gekürt und ist Finalist beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland. Weitere Klassenstufen und Unterrichtsfächer sind geplant."

Preis: Reise ins Silicon Valley

Der Schüler am Georg-Cantor-Gymnasium in Halle hat noch viel vor. Zwar verdient er mit "MatheX" noch kein Geld. Aber natürlich solle die App weiterentwickelt werden. Mit dem Sieg bei "Jugend gründet" könne er nun gezielt an Schulen und Lehrkräfte herantreten, um sein Programm in den Unterricht zu integrieren. Zeit für Hobbys und Freizeit werde dennoch bleiben, ist Neuber überzeugt.

Der Hauptpreis von "Jugend gründet" ist in diesem Jahr eine geführte Reise ins Silicon Valley in den USA, unter anderem mit Besuchen bei verschiedenen Start-Ups und weltbekannten Unternehmen. Auch touristische Ziele stehen auf dem Reiseprogramm. Stefan Neuber kann sich dort sicherlich ein bisschen von der App-Programmierung erholen.

MDR/Kathrin Köcher, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 25. Juni 2021 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

DanielSBK vor 12 Wochen

Es gab mal eine "Vor-Corona" und "Vor-Hippster-App" Zeit, da konnte man noch Elektrotechnik nur Mithilfe eines Lehrbuches und Bleistiftes studieren... gut, Taschenrechner gabs da schon. Zb. HP 12c. Da gab es aber auf jeden Fall noch Männer (weniger Frauen) wie Zuse, Marconi, Newton oder Ulrich L. Rohde... ach was reg ich mich auch auf... TikTok, Smartphones, "Lern-Apps" und Gender-sprech sind für mich der Inbegriff der Verdoofung der Gesellschaft.

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