Stadtteil Silberhöhe Fliegerbombe in Halle erfolgreich gesprengt

Die auf einer Baustelle entdeckte Weltkriegs-Bombe im Stadtteil Halle-Silberhöhe ist am Freitagmittag erfolgreich gesprengt worden. Niemand wurde verletzt, Gebäude wurden nicht beschädigt. Die fast 3.000 evakuierten Einwohner können in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Bombe war auf der Baustelle für das Nachwuchsleistungszentrum des Halleschen FC entdeckt worden und hatte nicht entschärft werden können.

Ein großer Wagen der Einsatzleitung der Feuerwehr
Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst waren am Freitag in Halles Stadtteil Silberhöhe wieder einmal im Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Halle ist am Freitagmittag im Stadtteil Silberhöhe eine Weltkriegsbombe kontrolliert gesprengt worden. Nach Angaben der Stadt wurde niemand verletzt. Auch Gebäude seien nicht beschädigt worden. Rund um die Fundstelle waren vier mit Erde gefüllte Überseecontainer aufgestellt worden, die die Wucht der Detonation abgefangen und die Druckwelle nach oben gelenkt haben, teilte die Stadt mit.

Neunter Bombenfund – erste kontrollierte Sprengung

Es war bereits das neunte Mal, dass auf dem Baustellengelände des Fußball-Nachwuchsleistungszentrums in Halle eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Allerdings gab es nun zum ersten Mal anstatt einer Entschärfung eine kontrollierte Sprengung: Am Freitagmittag gegen 13 Uhr wurde die 75-Kilo-Bombe vor Ort gesprengt. Etwa 2.800 Einwohner hatten deshalb seit 10 Uhr ihre Wohnungen verlassen müssen. 90 Einsatzkräfte waren vor Ort.

Eine Rollstuhlfahrerin, Frauen mit Kinderwagen und weitere Personen
Sie mussten schon wieder ihre Wohnungen verlassen – die Gefühle der Menschen auf der Silberhöhe lagen zwischen Gelassenheit und Genervt-Sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einem Sicherheitsradius von 500 Metern um den Bombenfund hatten alle Anwohner ihre Wohnungen verlassen müssen. Betroffene konnten sich in der Turnhalle einer Grundschule aufhalten und wurden dort verpflegt, die Hallesche Verkehrs-AG (Havag) stellt Busse für die Evakuierung zur Verfügung. Auch eine Kaufhalle, drei Firmen und ein Bürohaus waren betroffen. Nun können alle in ihre Wohnungen und an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Drei Mal sind wir schon evakuiert worden.

Anwohnerin im Stadtteil Silberhöhe

Eine Anwohnerin sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Drei Mal sind wir schon evakuiert worden", und war routiniert. Eine andere fand das Timing ungünstig: "Es ist Freitag, Einkaufszeit, also das ist nicht sehr schön." Sie denkt, dass die Evakuierung übertrieben war. "Vorsichtsmaßnahme, gut. Aber wenn wirklich einmal etwas wäre, würden vielleicht die Scheiben etwas klirren, aber ich glaube nicht, dass da viel passiert."

Einsatz lief seit Freitagmorgen

Seit Freitagmorgen bereiteten nach Angaben der Stadt Halle Feuerwehr und Polizei die Sprengung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst vor. Daniel Schöppe, Einsatzleiter der Feuerwehr, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es läuft alles routiniert, wir haben mit dem Sprengdienst alles abgestimmt." Der Blindgänger war am Donnerstag entdeckt worden und hatte eigentlich am selben Tag entschärft werden sollen. Das war aber nicht gelungen, laut Einsatzleiter wegen "des verrotteten Zustands des Zünders".

Feuerwehrleute mit Maske stehen nebeneinander
Anweisungen an die Einsatzkräfte: Die Feuerwehr hat mittlerweile Routine. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem inzwischen neunten Bombenfund auf dem Gelände ergibt sich allerdings die Frage, warum im Vorfeld keine umfassende Sondierung erfolgt ist. Tobias Teschner, Fachbereichsleiter Sicherheit der Stadt, verwies auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT zum einen auf die Größe des Baugeländes, zum anderen darauf, dass die Blindgänger in unterschiedlicher Tiefe im Erdreich lägen, was eine Flächensondierung schwierig mache.  Es müsse jeweils einzeln sondiert werden; zudem müssten dann erst Erdschichten abgetragen werden, bevor die Suche fortgesetzt werden könne. Mit jeder gefundenen Bombe nähme aber die Wahrscheinlichkeit ab, dass weitere Sprengkörper gefunden werden, so Teschner.

Gelände war Flakstellung im Zweiten Weltkrieg

Allein Ende vergangenen Jahres hatte es drei Evakuierungen gegeben – eine kleinere Aktion bereits in diesem Jahr. In der Silberhöhe waren immer wieder Fliegerbomben auf dem Baustellengelände und in der näheren Umgebung gefunden worden. Das könnte laut Anwohnern daran liegen, dass sich auf dem Areal der Baustelle im Zweiten Weltkrieg eine Flakstellung befunden hat. Dafür spricht, dass Halle während des Krieges von einem Gürtel aus Flugabwehrkanonen gesichert wurde. Die US-amerikanische Luftwaffe bombardierte Halle laut dem Historiker und halleschen Oberarchivar Werner Piechocki sieben Mal. Dabei waren auch Flakstellungen Ziel der Angriffe.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UM 11 | 04. Juni 2021 | 11:00 Uhr

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