Protest auch von Politikern Stadt Halle prüft rechtliche Schritte gegen Militaria-Messe in Bruckdorf

Die Stadt Halle appelliert an die Geschäftsführung der örtlichen Messegesellschaft, eine im Oktober geplante Militaria-Börse, auf der unter anderem auch Gegenstände aus der NS-Zeit gezeigt werden, nicht durchzuführen. Man behalte sich außerdem rechtliche Schritte vor, heißt es. Auch mehrere Politiker und Politikerinnen fordern ein Verbot der Veranstaltung.

Halle Messe GmbH
Die Stadt will gegen eine geplante Militaria-Messe in Halle-Bruckdorf vorgehen. Die umstrittene Messe war zuvor in Kassel wegen Verweis auf Corona-Bestimmungen verboten worden. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Die im Oktober geplante Waffen- und Militaria-Börse in der Halle-Messe in Bruckdorf beschäftigt nun auch die hallesche Stadtpolitik. Man habe gerade auch vor dem Hintergrund des Terroranschlags am 9. Oktober 2019 kein Verständnis für diese Art von Messe, sagte Bürgermeister Egbert Geier (SPD).

Deshalb habe die Stadt schriftlich an die Geschäftsführung der Halle-Messe appelliert, die Messe nicht durchzuführen. Zudem behalte man sich in Abstimmung mit der Polizei rechtliche Schritte über das Waffen- sowie das Gewerberecht vor. Die Veranstaltung, bei der auch Nazi-Devotionalien verkauft und getauscht werden, wurde jahrelang in Kassel ausgerichtet und dort wegen Hygiene-Auflagen inzwischen verboten. Zuvor hatte der Stadtrat von Kassel nach heftiger Kritik an der Messe versucht, "alle rechtlichen Möglichkeiten zur Untersagung" zu ergreifen.

Messegesellschaft verweist auf zuständige Ordnungsbehörde

Die Messegesellschaft sieht selber aber wenig Handlungsspielraum. "Solange keine rechtlichen Gründe gegen die Durchführung einer Veranstaltung sprechen, dürfen wir auch die Zulassung nicht verweigern", sagte eine Sprecherin. Das gelte aus politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen. Jeder Veranstalter habe das Recht, die Räumlichkeiten anzumieten. Wenn jemand das verbieten wolle, dann müsse das die zuständige Ordnungsbehörde machen.

Die Messe war offenbar ursprünglich für die Zeit vom 7. bis zum 10. Oktober geplant. So hätte sie zeitgleich zum zweiten Jahrestag des Terroranschlags in Halle stattgefunden. Nach Angaben der Messegesellschaft wurde sie auf den 14. bis 17. Oktober verschoben.

Linken-Politikerinnen fordern Absage der Messe

Unterdessen fordern die Bundestagsabgeordnete Petra Sitte und die Landtagsabgeordnete Henriette Quade (beide Linke) in einer gemeinsamen Erklärung die Absage der Messe.

Bei Facebook schreiben die beiden Politikerinnen unter anderem: "Dass in Halle eine Messe stattfinden soll, bei der Waffen, Militaria und auch Nazi-Devotionalien gezeigt und vertrieben werden, ist schlichtweg unerträglich. Der Halle Messe GmbH scheint die Brisanz ja durchaus bewusst zu sein. Das mit Verweis auf den Anschlag vom 9. Oktober 2019 dieses Event einfach um ein paar Tage verschoben werden soll, ist an Zynismus kaum zu überbieten und inakzeptabel."

Auch Grünen-Politiker spricht sich für Verbot aus

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt, Sebastian Striegel, setzt sich für ein Verbot der Messe ein. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter formuliert Striegel sein Ansinnen: "Kein Raum für #Nazi-Devotionalien. Mit Faschismus macht man keine Geschäfte. Nicht in #Halle, nicht anderswo. Stadt und Land müssen alle Möglichkeiten nutzen, solch eine Messe zu verbieten. Nicht nur aus Pietätsgründen."

Veranstalter wollen angeblich nichts mit Neonazis zu tun haben

Die Veranstalter der Messe weisen auf ihrer Homepage diese Kritik zurück. Dort heißt es unter anderem: "Die ISM (Internationale Sammlermess) ist kein Ort für Neo-Nazis! Wir distanzieren uns ausdrücklich von rechten Gewalttaten und fühlen mit deren Opfern und Hinterbliebenen. Wir leisten Erinnerungsarbeit, arbeiten NS-Geschichte auf und vermitteln Erkenntnis über diese unsägliche Zeit und das Nazi-Regime. Wir sind gegen Antisemitismus, Faschismus und Rassismus und für Demokratie und Menschenrechte. Auf dem Boden des Grundgesetzes. Ohne Gewalt. Das ist für uns alle selbstverständlich!" Dieser Hinweis erscheint aber erst seit kurzer Zeit auf der Seite.

In einer früheren Version des Textes wurde pauschal von einer Nazi-Messe berichtet. Wir haben die entsprechenden Passagen konkretisiert. Außerdem wurde ein Statement des Veranstalters von seiner Homepage eingefügt.

MDR/Paul Bartsch, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 20. August 2021 | 09:30 Uhr

15 Kommentare

Dan vor 39 Wochen

Jetzt mal ehrlich, das kann doch wohl langsam nicht mehr wahr sein! Demnächst verbieten wir eine Hundeschau weil dort deutsche Schäferhunde dabei sind? Stellt man jetzt jeden unter Generalverdacht und in die rechte Ecke wenn man dem grünen Gedanken und dem linken roten Geschwätz nicht folgt? Mein Gott, eine Diskussion darum diese Messe zu verbieten ist genauso Schwachsinnig wie der ganze Gender und Woke Mist!

Kiel_oben vor 39 Wochen

militaria-messe als honigtopf 😉
lustig wie deren beführworten hier wieder relativieren und verharmlosen damit staatliche sich einlullen lassen und staatsfeindliche aktivitäten verschleiert nicht erkennen sollen

Rotti vor 39 Wochen

Versucht man von links und grün nun auch noch Sammler zu ideologisieren? Den Sammlern geht es um Objekte und nicht um Politik. Was kommt als nächstes? Münzen? Briefmarken? Soldatengräber?

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