Deutschlandweites Forschungsprojekt Hallesche Forscher analysieren vergrabene Teebeutel

Drei Monate lang waren sie vergraben – jetzt buddeln Forscher aus Halle in ganz Deutschland Teebeutel aus. Untersucht wird, wie schnell sich Biomasse im Boden abbaut. Zahlreiche Freiwillige waren am Projekt beteiligt.

Mehrere Teebeutel
So sahen die Teebeutel noch vor drei Monaten aus - hier bei den freiwilligen Helfern der Familie Herzog aus Halle. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Deutschlandweit kommen verrottete Teebeutel aus dem Erdreich wieder ans Licht. In einem Berliner Kleingarten haben Wissenschaftler aus Halle am Mittwoch nach gut drei Monaten vergrabene Teebeutel ausgebuddelt. In der ganzen Republik sollen bis Ende Oktober Tausende Beutel folgen, unter anderem im großen Stil in Bad Lauchstädt.

Viele Freiwillige graben Teebeutel aus

Anhand ihres Zustands wollen die Forscher die Bodenaktivität analysieren. Zahlreiche freiwillige Teilnehmer – Bürgerwissenschaftler – aus ganz Deutschland beteiligen sich an dem Projekt. 

"Jetzt, da die Teebeutel nach und nach wieder ausgegraben und alle gesammelten Bodendaten an uns übermittelt werden, steigt in unserem Team die Spannung", erklärt Hans-Jörg Vogel, Leiter des Departments Bodensystemforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle (Saale). Seine Abteilung hatte das Projekt ins Leben gerufen.

Tea-Bag-Index als "Verrottungsnorm"

Eine wichtige Kennzahl ist der sogenannte Tea-Bag-Index. Er zeigt an, wie schnell Bodenorganismen Pflanzenreste abbauen. Dazu wird pflanzliches Material, in diesem Fall Grün- und Rooibos-Tee, gewogen, drei Monate lang im Boden vergraben und nach dem Ausgraben erneut gewogen. Aus dem Unterschied zwischen Start- und Endgewicht der Teebeutel lässt sich der Tea-Bag-Index berechnen. 

Teebeutel 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 29.07.2021 19:00Uhr 01:40 min

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Die Teebeutel aus dem Berliner Kleingarten zeigen laut Vogel eine hohe biologische Aktivität an. Die Grüntee-Beutel hätten die Hälfte ihres Gewichts verloren. "Beim Rooibos-Tee lag die Gewichtsabnahme bei einem Drittel", sagte Vogel. Der Rooibos-Tee sei wegen seiner Konsistenz schwerer abbaubar. 

Breite Unterstützung: 4.500 Teilnehmer-Sets verschickt

Deutschlandweit wurden laut Vogel 4.500 Aktions-Sets verschickt. "Die Resonanz war enorm", so der Wissenschaftler. Alle Sets waren bereits nach kurzer Zeit versendet. Ein Set enthielt zwölf Teebeutel, die die Teilnehmer an jeweils zwei Standorten vergraben sollten. Außerdem sollen die Bürgerwissenschaftler auch weitere Daten erheben, etwa zum pH-Wert, zur Nutzungsart oder zur Körnung des Bodens.  

In einigen Wochen wollen die Wissenschaftler erste Zwischenergebnisse präsentieren. Im Anschluss an die Auswertung sollen die Daten in nationale und internationale Forschungsprojekte zur nachhaltigen Bodennutzung einfließen. 

Teebeutel machen Ergebnisse vergleichbar

Auf die Idee mit den Teebeuteln kamen Niederländer bereits vor einigen Jahren. 2018 verbuddelten Forscher rund um den Globus etwa 35.000 Beutel Tee. An 570 Standorten auf sechs Kontinenten maßen sie, wie schnell die abgestorbenen Pflanzenteile im Wald abgebaut wurden. 

Wie schnell Biomasse verrottet, wurde zuvor schon öfter gemessen. Allerdings waren die Ergebnisse immer schwer vergleichbar, weil verschiedene Pflanzenarten in unterschiedlichen Säckchen vergraben wurden. In der Schweiz verschickte in diesem Jahr eine staatliche Forschungsstelle 2.000 Baumwollunterhosen an Gartenbesitzer und Bauern zur Untersuchung der Bodenqualität. Damit wird analysiert, wie stark diese zersetzt werden. 

Mehr zum Thema: Teebeutel für die Wissenschaft

MDR/Lukas Schliepkorte, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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