Kerzen und Grablichter brennen vor einem Döner-Imbiss
Für den Döner-Imbiss, in dem ein Mann erschossen wurde, gibt es viel Solidarität. Inzwischen auch vom Bundespräsidenten Steinmeier. Bildrechte: imago images / Felix Abraham

Nach Terroranschlag Bundespräsident Steinmeier drückt Dönerbesitzer in Halle sein Mitgefühl aus

15. Oktober 2019, 20:03 Uhr

Nach dem Anschlag in Halle monierten viele, dass zu viel über den Täter und den Angriff auf die Synagoge gesprochen wurde, aber zu wenig über die Opfer. Auch der Inhaber des Dönerladens beklagte sich öffentlich. Die Reaktion folgte prompt.

Nach dem Terroranschlag gab es sehr viel Anteilnahme in Halle. Aber auch Wut und Enttäuschung. Denn viele Menschen haben bei der Aufarbeitung der Ereignisse das Gefühl, dass es zu viel um den Täter geht. Und im Schwerpunkt auch um die Synagoge, die zwar Ziel des Anschlags war, die jedoch glücklicherweise verschont blieb.

Die Reden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und anderen Politikern am Tag nach der Tat drehten sich ebenfalls vor allem darum. Dagegen kamen vielen die Betrachtung der beiden Opfer und ihrer Angehörigen zu kurz. Manche sahen den Schwerpunkt der Berichte falsch gesetzt. Andere fühlten sich schlicht vergessen.

"Präsident ist auch uns verpflichtet"

So wie Izzet Cagac, der Inhaber des Dönerladens, in dem der junge Merseburger Kevin S. erschossen wurde. Bei Facebook beklagte Cagac am Sonntag: "Meine Mitarbeiter sind noch immer unter Schock. Der Bundespräsident hätte auch ihnen 1-2 Sätze sagen können. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass bei uns dieses Massaker war und der Präsident kein Wort an meine Mitarbeiter verloren hat. […] Auch uns ist er verpflichtet, zu beruhigen und zu trösten."

Steinmeier reagiert umgehend

Die Antworten kamen prompt. Der Beitrag wurde auf verschiedenen Plattformen tausendfach geteilt. Von den Nachbarn, aber auch aus ganz Deutschland gab es Solidaritätsbekundungen für Cagac und sein Team, sowie für die beiden Getöteten des Anschlags. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, erklärte in einem Schreiben ihre Anteilnahme.

Und auch der Bundespräsident reagierte. Am Montagnachmittag rief er bei Cagac an, beide sprachen lange miteinander. Und offenbar fand Steinmeier die richtigen Worte. Nach dem Telefonat schrieb Cagac bei Facebook: "Herr Präsident, ich danke Ihnen für diese schönen Sätze. Für Ihre weisen Worte. […] Es wird uns sehr gut tun, dass Sie uns persönlich angerufen haben."

Kein Besuch von Steinmeier geplant

Aus dem Bundespräsidialamt hieß es dazu, Steinmeier habe bei seinem Besuch in Halle am Donnerstag auch vor dem Döner-Imbiss mit Blumen des Opfers gedacht. Allerdings habe er nicht gewusst, dass auch Mitarbeiter des Imbisses vor Ort gewesen seien. Sonst wäre er selbstverständlich auf sie zugegangen, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten.

In dem Telefonat habe Steinmeier sein Mitgefühl ausgedrückt. Laut Bundespräsidialamt sagte Steinmeier in dem Gespräch auch, dass ihm klar sei, dass es sich bei dem Anschlag um einen gezielten Angriff auf Minderheiten und auf unsere freie Gesellschaft gehandelt habe.

Nicht bestätigen wollte das Bundespräsidialamt dagegen einen weiteren Besuch des Bundespräsidenten in Halle. Diesen hatte Cagac ebenfalls auf seinem Facebookprofil angekündigt. Doch offenbar wurde der Post vor dem Telefonat mit Steinmeier verfasst.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Oktober 2019 | 12:30 Uhr

6 Kommentare

Baldur von Ascanien am 16.10.2019

"Nie wieder dürfen wir es hinnehmen, dass eine politische Gruppe bestimmt, wer dazu gehört und wer nicht."

Völlig richtig! Nur tun sie genau Dieses, gerade. Wer nicht für den ganzen Öko - und Multikultiwahn ist wird doch schon ausgegrenzt. Wenn er Pech hat, wird er auch noch als Rechter oder gar Nazi tituliert. Also, wer bestimmt was?

Hotzenplotz am 16.10.2019

Nun, Herr "Präsident", genug Anteilnahme geheuchelt? Sie waren und sind, nebst der Frau Dr Merkel, daran beteiligt das Millionen Judenhasser nach Deutschland kamen und kommen. Jemand der im Hinterzimmer ausgekungelt wurde Präsident sein zu sollen, ist eh nicht mein Präsident! Nicht die AfD sondern alle Altparteien mit ihrer miserablen, deutschenverachtenden Politik sind schuld, das Deutschland nach rechts driftet! Allen voran die Linke, die Grünen, die FDP, die CDU/CSU und die "größte" aller Volksparteien, die SPD.

Maria A. am 15.10.2019

Da bekommt die Stadtreinigung gut zu tun. Ich habe noch nie verstanden, dass bei bekannt gewordenen Tötungsdelikten wildfremde Menschen an die Tatorte gehen, die sich anschauen und Kerzen hinstellen oder Sträuße hin bringen. Sogar, wenn es um Kinder als Opfer geht, die alten Spielsachen ihrer Kinder dort ablegen. Auf Treppen von Mietwohnungen, wo dann die anderen Mieter fast darüber gestürzt sind. Man kann doch auch so tief betroffen sein und mitfühlen, ohne irgendwo Zeug abzulegen. Wann das aufkam - keine Ahnung. Früher kondolierte man auf dem Friedhof. Oder ging ans Grab, zum Gedenken und um Blumen hin zu legen.

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