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Die Uni Halle muss sparen. Der am Mittwoch beschlossene Hochschulentwicklungsplan sieht tiefgreifende Personal- und Strukturveränderungen vor. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

SparmaßnahmenSenat der Uni Halle beschließt Kürzungen

Stand: 07. April 2022, 06:58 Uhr

Der Senat der Martin-Luther-Universität in Halle hat sich am Mittwoch auf tiefgreifende Personal- und Strukturveränderungen geeinigt. Ganze Fachbereiche drohen wegen chronischer Unterfinanzierung geschlossen zu werden.

Der Akademische Senat der Uni Halle hat in seiner Sitzung am Mittwoch dem Hochschulentwicklungsplan und damit weitreichenden Kürzungen zugestimmt. Insgesamt sollen bis 2030 knapp acht Millionen Euro gespart werden.

Es sollen etwa 4.000 von rund 21.000 Studienplätzen – also knapp jeder fünfte Platz – gestrichen werden. Auch 25 von rund 355 Professuren könnten wegfallen, ebenso ganze Studiengänge.

Bereits zum kommenden Wintersemester könnten sich die Kürzungen auswirken. Zunächst würde das Fächer mit geringen Einschreibezahlen betreffen, zum Beispiel Indologie und Südasienkunde. Gekürzt werden soll aber auch in den Rechts-, Sprach- und Naturwissenschaften.

Rektor: Finanziell wieder handlungsfähig werden

Der Senat stimmte mit 13 Ja- zu zehn Nein-Stimmen für eine Verkleinerung der Universität. Uni-Rektor Tietje bezeichnete den Beschluss als ersten wichtigen Schritt, um finanziell wieder handlungsfähig zu werden.

Für Uni-Rektor Christian Tietje sind die Sparmaßnahmen ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess. Bildrechte: dpa

Trotz des schwierigen und für die ganze Universität schmerzhaften Prozesses: Das ist der erste wichtige Schritt auf dem Weg, wieder finanziell handlungsfähig zu werden und perspektivisch Gestaltungräume für die Entwicklung von Forschung und Lehre zu gewinnen.

Christian Tietje | Rektor Uni Halle

Entwicklungsplan als Grundlage für Verhandlungen mit dem Land

Der beschlossene Hochschulentwicklungsplan benennt Professuren sowie weitere Stellen in der Verwaltung und den zentralen Einrichtungen, die nicht wiederbesetzt werden sollen. Das Ergebnis der Gespräche ist nun die Grundlage für Verhandlungen mit dem Land.

Jahrelange Geldprobleme

Die Uni – medizinische Fakultät ausgenommen – bekommt im Haushaltsjahr 2022 vom Land 166 Millionen Euro. Der Uni fehlen derzeit trotzdem 17 Millionen Euro für das Jahr. In den vergangenen Jahren fehlten meist etwa 10 Millionen.

Die Uni sagt, durch die Unterfinanzierung in all den Jahren, hätte man nicht sparen können. Das Land hingegen sieht den Ursprung der Probleme bei der Universität und pocht auf die Einhaltung des finanziellen Rahmens.

Das Wissenschaftsministerium sagte, man habe 2013 mit allen Hochschulen Verabredungen getroffen. Einzig die Martin-Luther-Universität habe die Anforderungen dazu bisher nicht umgesetzt. Ein Ministeriumssprecher sagte zudem: "Inwieweit die tatsächliche Zahl der Studierenden (...) absinken würde, lässt sich nicht vorhersagen."

Proteste von Studierenden und Politikern

Die Studierenden demonstrierten am Mittwoch erneut gegen die Sparpläne der Universität. Die Abstimmung des Senats musste digital stattfinden, da die anberaumte Präsenz-Sitzung wegen einer Blockade des Sitzungsraums nicht durchgeführt werden konnte.

Auch die Opposition im Landtag kritisierte die Einsparungen. Olaf Meister, hochschulpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen, bezeichnete die Pläne als "Katastrophe für den Forschungsstandort Sachsen-Anhalt und für das gesamte Bundesland." Die Regierungskoalition müsse die Grundfinanzierung aller Hochschulen um 22 Millionen Euro zu erhöhen, so Meister.

Hendrik Lange, der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion der Linken im Landtag, sagte, die Koalition schiebe die Debatte auf die lange Bank. Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit sei es wichtig, die naturwissenschaftlichen Bereiche auskömmlich zu finanzieren. Lange sprach auch davon, dass die Lehrerausbildung in einigen Bereichen auf der Kippe stehe, "was sich ein Bundesland mit grassierendem Lehrkräftemangel wie Sachsen-Anhalt einfach nicht leisten kann."

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MDR (lt,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 06. April 2022 | 21:00 Uhr

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