Studierende und Land verärgert Universität Halle könnte Studiengänge streichen

In einem 30-seitigen Dokument der Universität Halle ist zu lesen, dass wegen finanzieller Schwierigkeiten Fakultäten zusammengelegt und Studiengänge gestrichen werden könnten. Auf einer außerordentlichen Senatssitzung soll das Papier am Mittwoch besprochen werden. Studierende fühlen sich übergangen und haben zu Protesten aufgerufen. Das Land weist eine Unterfinanzierung der Universität Halle zurück.

Gebäude des Campus der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale.
Halles Martin-Luther-Universität hat finanzielle Probleme. Jedes Jahr fehlen laut Uni 15 Millionen Euro. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg überlegt wegen finanzieller Schwierigkeiten Stellen einzusparen, zudem könnten Fächer gestrichen und Fakultäten zusammengelegt werden. So steht es in einem 30-seitigen Dokument des Rektorats mit dem Titel: "Plan zur Profilschärfung und Haushaltskonsolidierung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg".

Grund für die Überlegungen ist, so heißt es in dem Papier, die "Diskrepanz zwischen den Aufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung auf der einen Seite, deren Erfüllung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft erwartet werden, und der hierfür vom Land Sachsen-Anhalt jährlich zugewiesenen finanziellen Mittel auf der anderen Seite". Die Uni sei jährlich mit rund 15 Millionen Euro unterfinanziert.

100 Vollzeitstellen einsparen

Deshalb müsse gespart werden – so müssten Stellen in der Größenordnung von 100 Vollzeitstellen eingespart werden, was durch die Neustrukturierung von befristetem und unbefristetem wissenschaftlichen Personal möglich sein soll. Neue Fakultäten könnten entstehen, dafür müssten jedoch bestehende zusammengelegt werden. Es heißt dann beispielsweise weiter: "Zum Teil werden bisherige Fächerangebote aus den beiden bisherigen Philosophischen Fakultäten I und II in Zukunft nicht mehr vorgehalten werden können." So solle perspektivisch die einzige Professur für Japanologie nicht wiederbesetzt werden – Japanologie sei an der Universität Leipzig vertreten. Das Institut für Sportwissenschaften solle aufgelöst und die Ausbildung anderweitig aufgefangen werden.

Ein dunkelhaariger Mann (Christian Tietje) mit Brille und Jacket
Der Rektor der Uni Halle, Christian Tietje, muss sparen. Bildrechte: Uni Halle/Michael Deutsch

Studierende wehren sich gegen "Kahlschlag"

Über die Pläne will die Uni Halle am Mittwoch auf einer außerordentlichen Senatssitzung sprechen. Studierende haben bereits Proteste für Mittwoch angekündigt, sie wehren sich gegen den "Kahlschlag" und haben auch eine Petition ins Leben gerufen – "Kahlschlag verhindern, Fakultäten retten" – die 8.600 digitale Unterzeichner hat (Stand 1.6. 12 Uhr).

Die Studierenden schreiben verärgert: "Ohne jede wissenschaftliche oder fachliche Begründung sollen die Studiengänge Gräzistik, Latinistik, Indologie, Japanologie, Sprache und Kultur Südasiens, Mittel- und Neulateinische Philologie, Archäologie des Vorderorients, Land- und Umwelttechnik und Landeskulturen und Kulturtechniken sowie das Institut für Altertumswissenschaft und das für Sportwissenschaft für immer geschlossen werden." 

Studierende sitzen in einem Hörsaal
Studierende im Audimax der Uni Halle (Archivbild). Vor dem Audimax auf dem Uniplatz soll es am Mittwoch Proteste geben. Bildrechte: dpa

Land sagt, Uni bekommt genug Geld

Das Land Sachsen-Anhalt widerspricht auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT der Darstellung der Universität, dass die hallesche Uni nicht genügend Geld erhalten würde. "Diese Aussage ist in keiner Weise nachvollziehbar und wird seitens des Ministeriums scharf zurückgewiesen", hieß es vom Wissenschaftsministerium. Vielmehr sei das Grundbudget der Uni in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – von 135,6 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 157,4 Millionen Euro im Jahr 2021. In diesen Zahlen seien die zusätzlichen Zuschüsse im Bereich der Lehrerbildung, für den Inflationsausgleich und für den Ausgleich der wegfallenden Langzeitstudiengebühren noch nicht einmal enthalten. Die Reform in der Strukturierung der Universität begrüße das Ministerium jedoch generell, sie stünde im Unterschied zu den sechs anderen staatlichen Hochschulen des Landes noch aus.

Diese Aussage ist in keiner Weise nachvollziehbar und wird seitens des Ministeriums scharf zurückgewiesen.

Wissenschaftsministerium Sachsen-Anhalt

Die Uni selbst wollte sich im Vorfeld der Senatssitzung zu den Plänen nicht äußern, da es sich um einen "dynamischen Prozess" handle. "Das ist der Beginn einer Diskussion und nicht ihr Ende", hieß es aus der Pressestelle.

MDR/Gero Hirschelmann, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. Juni 2021 | 06:10 Uhr

2 Kommentare

hansfriederleistner vor 7 Wochen

Warum wollen sie nicht auch noch Mathematik aussortieren? Da haben doch viele Studenten schon beim Abitur Schwierigkeiten. Mathematik als Königin aller Wissenschaften kann man auf dem Taschenrechner erledigen.

Erichs Rache vor 7 Wochen

Ich persönlich würde "die Studiengänge Gräzistik, Latinistik, Indologie, Japanologie, Sprache und Kultur Südasiens, Mittel- und Neulateinische Philologie, Archäologie des Vorderorients, Land- und Umwelttechnik und Landeskulturen und Kulturtechniken sowie das Institut für Altertumswissenschaft und das für Sportwissenschaft"
UNBEDINGT erhalten ...

... und dafür Theologie, BWL und Jura aus dem Leerplan rausschmeissen.
Theologie, BWL und Jura sind alles nur ideologisch aufgebauschte Fächerkombinationen, die es an jeder popligen anderen Universität auch gibt.

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt