Debatte um Kürzungen Minister Willingmann: Uni Halle hat zu zögerlich gespart

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Willingmann wirft der Universität Halle Versäumnisse beim Sparen vor. Sie erhalte hohe Zuschüssen vom Land, leiste sich aber rund 100 Studiengänge mit weniger als 15 Studierenden. In dieser Woche hatte der Senat der Uni beschlossen, zum Wintersemester in einigen Fächern keine neuen Studenten mehr aufzunehmen und Professuren zu streichen.

Ein großes Transparent mit der Aufschrift "Kürzer gehts nicht !" gegen die Sparmaßnahmen an der Universität Halle-Wittenberg. Demonstrierende waren zu einer Kundgebung gegen das geplante Sparpaket an der Universität Halle gekommen.
Studierende haben immer wieder gegen die Sparpläne an der Uni Halle protestiert. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zu langes Zögern bei den Sparplänen vorgeworfen. Willingmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe es verpasst, die Strukturen mit dem zur Verfügung stehenden Geld in Einklang zu bringen.

Minister: Zu viele Studiengänge mit zu wenig Studierenden

Die Universität erhalte jährlich 165 Millionen Euro Zuschüsse aus dem Landeshaushalt. Wenn jetzt signalisiert werde, dass sich die derzeitigen Strukturen damit nicht decken ließen, müsse er darauf verweisen, dass man sich an der Uni rund 100 Studiengänge mit jeweils weniger als 15 Studierenden leiste.

"Es gibt an der Martin-Luther-Universität einen hohen Anteil an Fächern, die eine sehr geringe Auslastung haben, mitunter sogar gar keine. Das ist natürlich dann auf den Prüfstand zu stellen." Zu diesen wenig nachgefragten Bereichen gehörten Indologie, Südasienkunde, Polonistik und Südslawien-Wissenschaften.

Minister bringt Bund bei Finanzierung ins Gespräch

Es gebe keine andere Hochschule im Land, die ähnlich viele schlecht besuchte Studiengänge anbiete. Willingmann sagte, man müsse sich fragen, ob sich das Land so etwas leisten wolle. Und wenn das Angebot etwas Einzigartiges in der Bundesrepublik sei, müsse man versuchen, den Bund bei der Finanzierung mit ins Boot zu holen.

Außerdem gebe es einen mitteldeutschen Universitätsverbund mit Leipzig und Jena. Hier müsse man prüfen, ob man bestimmte Angebote nur an einer dieser Universitäten vorhalte.

Hohe Investitionen an der Uni Halle geplant

Der Wissenschaftsminister betonte, wie wichtig dem Land der Wissenschaftsstandort Halle sei. Er sagte: "Allein laufend haben wir Bauprojekte für die Martin-Luther-Universität in Neubau und Sanierung von Gebäuden im Wert von rund 200 Millionen Euro. Und wenn wir die Universitätsmedizin noch dazunehmen, dann sind weitere 248 Millionen Euro bereits geplant."

Willingmann setze darauf, dass sich die Martin-Luther-Universität ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werde, um dann eine echte Profilierung auf den Weg bringen zu können.

Uni Halle will Studienplätze und Professuren streichen

In dieser Woche hatte der Senat der Universität in Halle beschlossen, zum Wintersemester in einigen Fächern keine neuen Studentinnen und Studenten zu immatrikulieren. Die Sparpläne sehen unter anderem vor, Studienplätze und Professuren zu streichen.

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MDR (Ronald Neuschulz, Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. April 2022 | 11:00 Uhr

4 Kommentare

astrodon vor 24 Wochen

Indologie, Südasienkunde, Polonistik, Gräzistik, Vorislamischer Orient und Südslawien-Wissenschaften sind aber auch eher nicht im (volkswirtschaftlichen) Allgemeininteresse.

Denkschnecke vor 24 Wochen

Ach so: Welche Forschungsfelder gefördert werden, soll sich danach richten, was die Bevölkerung will? Normalerweise (und auch für die Uni Halle) verhandeln das die Unis oder Forschungsinstitute mit dem Wissenschaftsministerium.
Wenn es nach Ihnen geht, ist vermutlich als nächstes klimabezogene Forschung dran. Bevor die noch mehr unangenehme Sachen herausfinden.

dieja vor 24 Wochen

Wir brauchen Lehrer, Ärzte u.a. Auf benötigte Fächer sollte man sich bei Geldmangel konzentrieren. Dabei darf es nicht nach Studentenzahlen, sondern nach Bedarf gehen.
Z.B. sind Richtungen, die sich mit Genderforschung beschäftigen überflüssig. Die Bevölkerung braucht und will sie nicht. Hier sollte gespart werden.

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