Zweiter Jahrestag Anschlag von Halle: Das ist zum Gedenken und zur Mahnung geplant

Am 9. Oktober jährt sich der rechtsextreme und antisemitische Anschlag in Halle zum zweiten Mal. Zum Gedenken an die Geschehnisse und an die Opfer sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Eine Übersicht.

Ein Banner, aufgehängt an einem Zaun
Das Bündnis "Halle gegen Rechts" hat schon im Vorfeld des 9. Oktobers Banner zur Mahnung und Erinnerung in Halle – hier am Landesmuseum für Vorgeschichte – aufgestellt. Bildrechte: MDR/Gero Hirschelmann

Auch am zweiten Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge in Halle soll mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen der Opfer, Hinterbliebenen und Betroffenen gedacht werden. Neben dem offiziellen Programm von Stadt und Land haben auch zahlreiche Initiativen zur Beteiligung an Aktionen aufgerufen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.  

Das offizielle Programm von Stadt und Land

Die Stadt Halle und das Land Sachsen-Anhalt werden am Sonnabend mit einer Gedenkzeremonie den Opfern der antisemitischen und rassistisch motivierten Tat gedenken und "zusammen mit Betroffenen und Hinterbliebenen Solidarität zeigen und trauern". Die Veranstaltung steht allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen.

Es werden Kränze an der Synagoge und am Kiez-Döner niedergelegt. Die Gedenkworte werden an der Synagoge gesprochen. Neben Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) werden der Beauftragte der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland, Prof. Dr. Edgar Franke, Landtagsvizepräsidentin Anne-Marie Keding (CDU) und der Bürgermeister von Halle, Egbert Geier, Gedenkworte sprechen. Teilnehmen werden auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde Halle.

  • 13 Uhr: Gedenkworte, Kranzniederlegung und Schweigeminute an der Synagoge, Humboldtstraße 52
  • 13.30 Uhr: Kranzniederlegung am Kiez-Döner, Ludwig-Wucherer-Straße 12

Die schreckliche Tat ... hat eine tiefe Wunde geschlagen. Diese Wunde hinterlässt eine dauerhafte Narbe. Eine Narbe, die wir nicht verstecken wollen. Eine Narbe, die uns mahnt. Und die uns daran erinnert, wie verletzlich wir sind.

Egbert Geier, Bürgermeister von Halle

Aktivitäten und Angebote von Stadt und zivilgesellschaftlichen Akteuren

  • Die Stadt und der Evangelische Kirchenkreis Halle rufen unter dem Leitmotiv „Halt mal still, Welt“ zum individuellen Innehalten auf. Die Glocken der Marktkirche läuten 12.04 Uhr – dem Zeitpunkt des Anschlages. Danach ist um 12.10 Uhr eine musikalische Andacht in der Marktkirche geplant. Gestaltet wird diese von Citypfarrerin Ulrike Scheller und Ilka Grießer (Cello).
  • Das hallesche Fußballfanprojekt, die Streetworker und zwei weitere Organisationen veranstalten mit Unterstützung der Stadt Halle am Sonnabend ein Fußballturnier unter dem Motto "Nie wieder – gemeinsam gegen das Vergessen" auf dem Rossi-Bolzplatz in der Roßlauer Straße im Stadtteil Silberhöhe. Insgesamt 16 Teams treten in zwei Altersgruppen gegeneinander an. Das Turnier beginnt um 12 Uhr.
  • Die Falken Halle laden von 11 bis 19 Uhr zu einer Mahnwache am Steintor ein. "Wir möchten einen Ort des Gedenkens, des Lernens, der Wut und der Solidarität mit den Betroffen schaffen", heißt es in einer Mitteilung.
  • Im Anschluss ruft die Initiative "9. Oktober Halle" zusammen mit dem Bündnis "Niemand wird vergessen" 19 Uhr unter dem Motto "Erinnern bedeutet Auseinandersetzung. Aufarbeitung verlangt Veränderung" zu einer Kundgebung am Steintor auf.
  • Die Omas gegen Rechts – Halle erinnern von 12 bis 13 Uhr am Roten Turm und am Universitätsring/Ecke Geiststraße "an das schreckliche Geschehen vor zwei Jahren und zeigen ihre Solidarität mit den Opfern". 
  • Das Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) macht mit "Ge_Denk_Mal" an fünf Orten Halles den Bürgern und Bürgerinnen Gesprächsangebote: Franckesche Stiftungen, Marktplatz, Steintor, August-Bebel-Platz und Leipziger Turm.
  • Eine Plakat-Aktion der "Koalition gegen Antisemitismus" am Steintor unter Verantwortung der Galerie "Blech - Raum für Kunst in Halle" konfrontiert mit Aussagen von Überlebenden des Anschlages aus der Synagoge. Weitere Plakate werden an Litfaßsäulen im Stadtgebiet geklebt.
  • An verschiedenen Orten im Stadtzentrum projizieren Freiwillige aus ihren privaten Wohnungen Videos, die sich mit dem Anschlag beschäftigen, auf Hauswände und andere Flächen.
  • Die Stadt und das Bündnis "Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage" hängen am Ausgang der Leipziger Straße zum Marktplatz ein großes Gedenk-Banner auf.
  • Mit Großflächenbannern macht außerdem das Bündnis "Halle gegen Rechts" im Stadtgebiet auf den Jahrestag des Attentates aufmerksam.

Das sind die Standorte der Großflächenbanner

  • Am Steintor (Brunnen)
  • Paracelsusstraße, Humboldtstraße (Synagoge, Wasserturm Nord)
  • Ludwig-Wucherer-Straße, Emil-Abderhalden-Straße
  • August-Bebel-Platz
  • Rosa-Luxemburg-Platz (Landesmuseum)
  • Magdeburger Straße, Straße der Opfer des Faschismus (Stadtpark)
  • Riebeckplatz (Grünfläche zur Franckestraße)
  • Rennbahnkreuz (An der Magistrale, Gimritzer Damm)
  • Neustädter Passage (Neustadt-Centrum)
  • Am Treff (Alchimistenbrunnen)
  • Straße der Republik, Kantstraße (Kurt-Wabbel-Stadion)
  • Vogelweide, Elsa-Brandström-Straße
  • Wilhelm-von-Klewiz-Straße 11 (vor dem Gesundheitszentrum Silberhöhe)
  • Markt (Westseite, Marktkirche)
  • Hubertusplatz

Weitere Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen

  • Schon am 7. Oktober wurde im Künstlerhaus 188 die audiovisuelle Schau von Talya Feldman "Die Gewalt, die wir erlebt haben, belastet unsere Herzen" eröffnet. Die Schau beleuchtet anhand der Sprachaufnahmen von Überlebenden, Familien der Opfer und Initiativen aus 18 Städten die "Kontinuitäten rechten Terrors in Deutschland von 1979 bis heute". Die Ausstellung läuft bis zum 21. Oktober.
  • Die Stadt veröffentlicht zwei Publikationen zu Orten jüdischer Geschichte und Gegenwart in Halle. Der Kulturstadtplan "Von Kaufhäusern, Synagogen und 'guten Orten'" und die Broschüre "Jüdisches Leben in Halle" stehen ab 9. Oktober zur Verfügung.
  • Am Montag, dem 11. Oktober, wird im Literaturhaus (Bernburger Straße 8) 19 Uhr das MDR-Feature "Halle, 9. Oktober – das Jahr danach" von Duska Roth in Anwesenheit der Autorin aufgeführt. Es schließt sich eine Podiumsdiskussion an.
  • Im Stadtmuseum Halle (Große Märkerstraße 10) ist bis 30. Januar die Ausstellung "Bilder gegen den Hass" zu sehen. Gezeigt werden 50 Plakate von Schülerinnen und Schüler, die sich in ihren Motiven mit dem Anschlag auseinandergesetzt haben. Die Schau korrespondiert mit dem Teil der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung "Entdecke Halle!", der sich dem Leben von Einwohnern jüdischen Glaubens in Halle seit dem Mittelalter bis heute widmet.
  • Bereits zum 8. Mal organisieren Stadt und Leopold-Zunz-Zentrum mit zahlreichen weiteren Partnern vom 18. Oktober bis 22. November die Jüdischen Kulturtage. Eine Fortsetzung ist für das Frühjahr 2022 geplant.

Am 9. Oktober 2019 hatte der inzwischen wegen Mordes verurteilte Stephan B. versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, um ein Massaker anzurichten. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er die 40 Jahre alte Passantin Jana L. und im Kiez-Döner den 20-jährigen Kevin S. Im Dezember 2020 wurde er unter anderem wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehr als 55 Fällen zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

MDR/Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Haller vor 8 Wochen

"An verschiedenen Orten im Stadtzentrum projizieren Freiwillige aus ihren privaten Wohnungen Videos, die sich mit dem Anschlag beschäftigen, auf Hauswände und andere Flächen"

Wäre es nicht sinnvoll dieses der Öffentlichkeit bislang unzugängliche Material auf MDR und oder online im Netz zu veröffentlichen?

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