Vorgezogene Corona-Impfungen Impfaffäre in Halle: Oberbürgermeister Wiegand will sich vorerst nicht weiter äußern

Halles Oberbürgermeister Wiegand äußert sich vorerst nicht mehr zu seiner vorgezogenenen Corona-Impfung. Zuerst solle der Stadtrat informiert werden. Bei einer Pressekonferenz am Montag beantwortete er dazu keine Frage.

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos)
Das Diakoniewerk Halle hat einer Darstellung von Oberbürgermeister Bernd Wiegand widersprochen, was die Entscheidung über Restimpfdosen angeht. Der wollte am Montag dazu keine Stellung nehmen (Archivbild). Bildrechte: dpa

Bei der Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage der Stadt Halle am Montag hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) keine weiteren Fragen zu seiner vorgezogenen Corona-Impfung beantwortet. Zur Begründung hieß es von einem Sprecher, dass auf politischer Ebene weiterhin Fragen offen seien. Sie würden bis zur Stadtratssitzung am Mittwoch beantwortet.

Laut Wiegand liegen zwei Anfragen von CDU und SPD vor. Die Information des Stadtrats erfolge über die Beantwortung dieser Anfragen, erklärte der Oberbürgermeister. Solange der Stadtrat sich nicht umfassend informiert fühle, werde das Thema Ad-hoc-Impfungen nicht in der Pressekonferenz behandelt. Wiegand kommentierte auch eine Stellungnahme des Diakoniewerks nicht.

Hier können Sie die Corona-Pressekonferenz der Stadt Halle vom 15. Februar 2021 mit den unbeantworteten Fragen an Oberbürgermeister Wiegand ansehen (die Pressekonferenz beginnt ab Minute 5:15).

Diakoniewerk widerspricht Wiegands Darstellung zur Vergabe der Restimpfdosen

Das Diakoniewerk Halle hatte dem Oberbürgermeister in dem Punkt widersprochen, wer für Wiegands Impfung verantwortlich sei. Das berichteten die Mitteldeutsche Zeitung (€) sowie das Nachrichtenportal "Du bist Halle" am Sonntag mit Verweis auf eine "Gegendarstellung" des Diakoniekrankenhauses. Das Diakoniewerk besitze keine Übersicht von Personen, die mit Hilfe eines Zufallsgenerators angerufen werden könnten, hieß es in der Stellungnahme des Diakoniewerks, die auch MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Die Entscheidung, Oberbürgermeister Wiegand zu kontaktieren, habe das Impfteam getroffen.

Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag hatte Wiegand dagegen gesagt: Das Krankenhaus, in dem die Impfungen stattgefunden haben, sei verantwortlich für die Verteilung der übriggebliebenen Impfdosen. Wiegand hatte erklärt, weil man im Diakoniekrankenhaus in Halle keinen mehr von der Prioritätenliste hatte erreichen können, sei er angerufen und zur Corona-Impfung eingeladen worden.

Der Sprecher des Diakoniewerks Halle hatte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT schon vor einigen Tagen gesagt, dass die Stadt mit ihren mobilen Impfteams für das Impfen verantwortlich sei – und damit auch dafür, wer die übrig gebliebenen Spritzen bekäme.

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Landesverwaltungsamt ermittelt gegen Wiegand

Inzwischen ermittelt das Landesverwaltungsamt als kommunale Aufsicht gegen Wiegand – dabei gehe es um kommunal- und disziplinarrechtliche Konsequenzen. Allerdings müssten dafür noch mehr Unterlagen angefordert werden. Für eine vorläufige Suspendierung Wiegands gebe es aber keinen ausreichenden Grund.

Wiegand hatte eingeräumt, dass er selbst und mehrere Stadträte eine Corona-Impfung bekommen haben, obwohl sie laut Impfverordnung noch nicht an der Reihe waren. Später hatte der Oberbürgermeister auch zugegeben, dass Mitglieder des Katastrophenschutz-Stabes ebenfalls schon geimpft wurden. Wiegand zufolge wurden alle mit übrig gebliebenen Dosen geimpft. Der Katastrophenschutz-Stab hatte die Impfungen verteidigt.

MDR, André Seifert, Maria Hendrischke

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Februar 2021 | 05:30 Uhr

11 Kommentare

W.Merseburger vor 7 Wochen

ElBuffo,
über Russland wird seit geraumer Zeit nur negativ berichtet; auch über den Sputnik V Impfstoff. Deswegen können wir nicht wissen, was und wie es dort wirklich funktioniert. Und zum Versagen der EU unter Führung der Frau Von der Leyhen ist nichts zu beschönigen. Da hat damals Merkel eine ihr unliebsame Person nach Brüssel weg gelobt.

Der Matthias vor 7 Wochen

@ Der Lange

Ich empfehle mal den "Faktenfinder" auf den "tagesschau"-Seiten zur Corona-Impfquote, das relativiert so manchen Falschbehauptung, die auch Sie hier wieder ungeprüft verbreiten! Aber, solche Fakten sind ja nur lästige Details, die beim großen Vereinfachen und populistischen Daherreden nur stören! Übrigens hat die Impfstoffbeschaffung rein gar nichts mit dem Fall in Halle zu tun. Selbst, wenn man in Halle ein Vielfaches an Impfdosen zur Verfügung gehabt hätte . . . OB Wiegand wäre dennoch nicht impfberechtigt gewesen! Völlig unabhängig von der Frage, wieviel Impfdosen zur Verfügung standen (und im Falle einer Nicht-Impfung von Wiegend hätten sonst sogar überzählige Impfdosen angeblich weggeworfen werden müssen, ein Mangel scheint also gar nicht vorgelegen zu haben), bleibt es ein individuelles, nicht zu tolerierendes Fehlverhalten des Oberbürgermeisters!

ElBuffo vor 7 Wochen

Hm, ich sehe da keinen Widerspruch. Das Diakonissenkrankenhaus hatte niemanden mehr von seiner Prioritätenliste gefunden. Stimmt. Also wurde der OB angerufen. Stimmt auch. Die Diakonie stellte klar, dass er nicht auf ihrer Liste stand, auf der für solche Fälle eigene Mitarbeiter standen und auch nicht vom Krankenhaus angerufen wurde, sondern vom Impfteam. Geht natürlich unter, wenn man sich künstlich aufregen will.

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