Erste Bilanz Waffenverbotszone in Halle wirkt – Polizei stellt aber Verdrängungseffekt fest

Vor rund einem halben Jahr ist in Halle um den Riebeckplatz eine Waffenverbotszone eingeführt worden. Die Polizei hat nun eine erste Bilanz gezogen. Die Zahl der Straftaten in dem Bereich ist demnach deutlich gesunken. Es ist aber auch ein Verdrängungseffekt registriert worden.

Ein Schild deutet auf eine Waffenverbotszone am Hauptbahnhof hin.
Ein Schild deutet auf die Waffenverbotszone am Hauptbahnhof Halle hin. Bildrechte: dpa

Seit der Einrichtung der Waffenverbotszone im Zentrum von Halle um den Riebeckplatz vor rund einem halben Jahr sind dort weniger Straftaten erfasst worden. "Auch wenn nach so kurzer Zeit kein abschließendes Fazit möglich ist, so kann man zumindest eine erste Bilanz ziehen", teilte die Polizeiinspektion Halle auf Anfrage mit.

Registrierte die Polizei im Bereich der Waffenverbotszone in den ersten fünf Monaten im Jahr 2020 fast 100 Straftaten, so waren es im Vergleichszeitraum 2021 etwa 19 Prozent weniger.

Polizei: Waffenverbotszone hat sich bewährt

Die Einrichtung der Waffenverbotszone habe sich bisher bewährt, hieß es von der Polizei. Insbesondere seien weniger Körperverletzungsdelikte (minus 61,5 Prozent) und Diebstahlsdelikte (minus 73,4 Prozent) erfasst worden.

Von Januar bis Mai 2021 habe die Polizei im Bereich der Waffenverbotszone vier Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt und strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Darüber hinaus seien elf Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.

Geltungsbereich der Waffenverbotszone erweitert

Die Waffenverbotszone in Halle ist die erste in Sachsen-Anhalt. Sie wurde zum 16. Dezember 2020 im Bereich Riebeckplatz eingerichtet. Seitdem darf dort niemand Waffen oder Messer mit fester oder feststellbarer, mehr als vier Zentimeter langer Klinge dabei haben. In der Gegend gab es zwischen 2018 und 2020 laut Polizei mehr als 20 Straftaten mit Messern als Tatmittel.

Auch wenn es in der Waffenverbotszone weniger Straftaten gegeben hat: Die Polizei stellte auch einen Verdrängungseffekt fest. Deshalb habe die Polizeiinspektion Halle als zuständige Behörde mit Verordnung vom 3. Juni 2021 den räumlichen Geltungsbereich der Waffenverbotszone erweitert.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass es bei polizeilichen Maßnahmen der Kriminalitätsbekämpfung und -vorbeugung zu Verdrängungseffekten kommen kann. Dies ist auch hier zum Teil so.

Mitteilung der Polizeiinspektion Halle

Der Riebeckplatz sei aufgrund der räumlichen Nähe zum Hauptbahnhof sowie der Zentralen Omnibushaltestelle ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für die Stadtbevölkerung, für Touristen und auswärtige Geschäftsleute. Die Waffenverbotszone sollte für mehr öffentliche Sicherheit und Ordnung sorgen, mögliche Täter abschrecken und das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger stärken.

Das Waffenverbot in Halle gilt in diesem Bereich:

  • Riebeckplatz (Platz vor dem Gebäude Hausnummer 9),
  • Leipziger Straße (Bereich zwischen Riebeckplatz und Ende Haus Leipziger Straße Hausnummer 63 in Richtung Leipziger Turm),
  • Freifläche zwischen Dorotheenstraße, Magdeburger Straße und Riebeckplatz,
  • Freifläche zwischen Merseburger Straße, Riebeckplatz, Delitzscher Straße, Bahngelände und Ernst-Kamieth-Straße (einschließlich Platz des ZOB),
  • Südwestlicher Zugang vom Riebeckplatz zur Merseburger Straße sowie Unterführung des Riebeckplatzes bis Beginn des Hans-Dietrich-Genscher-Platzes,
  • Hans-Dietrich-Genscher-Platz (einschließlich der Brückenbauwerke der Bahn AG) bis Bordstein Delitzscher Straße im Norden, Außenkante Bahnsteig 13 im Osten, Ende Bahnsteig 7 im Süden,
  • westliche Außenbegrenzung des Hauptbahnhofes in Richtung Norden bis auf Höhe Einfahrt Ernst-Kamieth-Straße 2 b,
  • Ernst-Kamieth-Straße (einschließlich Fußweg) in nördliche Richtung bis Ecke Kirchnerstraße,
  • Westausgang Hauptbahnhof bis Ernst-Kamieth-Platz

Keine zweite Waffenverbotszone in Magdeburg

Während in Halle Schilder auf die Waffenverbotszone hinweisen, hängen in der Magdeburger Waffenverbotszone rund um den Hauptbahnhof keine. Noch liefen die Vorbereitungen, wenngleich die entsprechende Verordnung schon Anfang Februar in Kraft getreten sei, hieß es aus der Polizeiinspektion Magdeburg. "Nunmehr bedarf es einer Vertragsunterzeichnung mit der DB Sicherheit, welche aussteht, aber in Kürze erfolgen könnte."

Sobald die Schilder hängen, solle die Öffentlichkeit informiert werden. Bislang habe es mit Blick auf die Waffenverbotszone noch keine Kontrollen gegeben. Eine zweite Waffenverbotszone rund um den Hasselbachplatz hatte die Polizei Magdeburg kürzlich abgelehnt.

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Hat sich die Waffenverbotszone im Leipziger Osten gelohnt?

Exakt Mi 28.04.2021 20:15Uhr 30:12 min

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MDR/Gero Hirschelmann, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Juni 2021 | 12:30 Uhr

8 Kommentare

Trollo vor 22 Wochen

Die Waffenverbotszone in Halle zeigt Wirkung !!!
In ganz Deutschland sind die Straftaten im vergangenem Jahr spürbar zurückgegangen - die Waffenverbotszone in Halle wirkt !

Sharis vor 22 Wochen

Wäre auch möglich, dass der beobachtete Rückgang von Straftaten einfach mit den Lockdown-Maßnahmen zusammenhängt, besonders mit den Kontaktverboten, nächtlichen Ausgangssperren & vielen geschlossenen Geschäften.
Da wäre ein Vergleich mit der Entwicklung von Deliktzahlen aus Gebieten & Städten ohne WVZ sicher aufschlussreich für die Bewertung.

MDR-Team vor 22 Wochen

Unter bestimmten Vorrausetzungen können Waffen getragen werden. Wer beispielsweise einen kleinen Waffenschein besitzt, kann z.B. Schreckschusspistolen mit sich führen.

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