Nationales Hochwasserschutzprogramm Riesige Stauanlage an Weißer Elster geplant

Sachsen-Anhalt und Sachsen wollen beim Hochwasserschutz an der Weißen Elster zusammenarbeiten. An der Landesgrenze soll zum Hochwasserschutz ein Flutpolder entstehen. Das Rückhaltebecken kann bei Hochwasser den Wasserstand der Weißen Elster um bis zu 33 Zentimeter senken. Das soll auch Halle bei Hochwasser helfen, da im Süden der Stadt die Weiße Elster in die Saale mündet.

Hochwasser entlang der Weißen Elster nördlich von Zeitz.
Mit dem geplanten Hochwasser-Rückhaltebecken sollen Überflutungen der Weißen Elster wie im Jahr 2013 - hier nördlich von Zeitz – verhindert werden. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Stefan Noebel-Heise
Die Weiße Elster, im Wasser spiegeln sich Bäume und Himmel.
Der Wasserstand der Weißen Elster (Bild) hat auch Auswirkungen auf den Wasserstand der Saale. Bildrechte: Umweltministerium Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt und Sachsen planen die Errichtung eines Hochwasser-Rückhaltebeckens an der Landesgrenze, wie das Umweltministerium in Magdeburg am Mittwoch mitgeteilt hat. Der Flutpolder Elster-Luppe-Aue soll an der Weißen Elster entstehen und laut Ministerium rund 550 Hektar groß sein – so groß wie rund 770 Fußballfelder. Bis zu 12,3 Millionen Kubikmeter Wasser soll das Becken fassen. Die Planungen dafür hatten Anfang 2021 begonnen.

Was ist ein Flutpolder? Flutpolder sind "eingedeichte" Rückhaltebecken, die im Fall eines drohenden Hochwassers geflutet werden und so erhebliche Wassermassen aus den Flüssen aufnehmen.

Ein Mann und eine Frau stehen auf einer Hochwasser-Schutzanlage.
Sachsen-Anhalts Umwelt-Staatssekretär Steffen Eichner und seine sächsische Amtskollegin Gisela Reetz an der Weißen Elster Bildrechte: Umweltministerium Sachsen-Anhalt

Im Fall eines starken Hochwassers könnte der Wasserstand der Weißen Elster so um bis zu 33 Zentimeter gesenkt werden. Davon würden laut Ministerium auch die Anlieger der Saale profitieren. "Aufgrund dieser herausragenden überregionalen Bedeutung – gerade auch für die Hochwassersicherheit der Stadt Halle – ist der Flutpolder im Nationalen Hochwasserschutzprogramm enthalten", so das Umweltministerium.

Da Sachsen-Anhalt und Sachsen für den Hochwasserschutz an der Weißen Elster zusammenarbeiten wollen, haben die Umwelt-Staatssekretäre beider Länder am Mittwoch in Leipzig eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen zum Erhalt des Leipziger Auwaldes sowie die Errichtung des Flutpolders Elster-Luppe-Aue.

Die Weiße Elster Die Weiße Elster entspringt in Tschechien und fließt auf gut 245 Kilometern durch Deutschland. Sie wechselt in ihrem Verlauf mehrmals zwischen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. In Sachsen-Anhalt liegt u.a. Zeitz an der Weißen Elster. In Halle mündet der Fluss in die Saale.

Gezielte Flutungen bei Trockenheit geplant

Der Flutpolder Elster-Luppe-Aue wird den Angaben zufolge als erster ökologisch flutbarer Polder in Sachsen-Anhalt geplant. Durch regelmäßige Flutungen ausgewählter Polderbereiche mit "kleineren" Hochwassern könnten die Lebensbedingungen für auentypische Tiere und Pflanzen erheblich verbessert werden – und sich wieder typische Auenstrukturen entwickeln.

"Aufgrund des Klimawandels rechnen wir auch künftig mit starken Hochwassern, zugleich aber auch vermehrt mit Trockenperioden", sagte Sachsen-Anhalts Umwelt-Staatssekretär Steffen Eichner. Da weder Hochwasser noch Dürren an Ländergrenzen halt machten, würde Sachsen-Anhalt gemeinsam mit den jeweiligen Nachbarn nach Lösungen suchen.

dpa, MDR (Michael Rosebrock, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Juni 2022 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

Nordharzer vor 5 Wochen

Leider kann ich die Skepsis verstehen. Im Bereich der Selke gab es 1994 ein verheerendes Hochwasser, seitdem ist baulich NICHTS passiert. Mögen diejenigen, die das bisher aus unterschiedlichsten Gründen blockiert haben nicht in die Situation kommen, dass wieder ein Hochwasser die Selke runter fließt und eventl. Opfer fordert.

steka vor 5 Wochen

Solange die Genehmigungsverfahren nicht geändert werden, wir es sicher noch Jahrzehnte bis zum Baubeginn mit Plangenehmigung, Planfeststellung, Gutachten, Widersrüche und Gerichtsverfahren dauern . Der schnöde Ginritzer Damm, an dem eigentlich nichts Besonderes ist als die Wiederherstellung des Hochwasserschutzes hat allein fast 10 Jahre gedauert. 9 Jahre Planung und Rechtsstreitigkeiten, 1 Jahr Bauzeit Glück gehabt, daß es kein weiters Hochwasser gab.

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