West-Nil-Virus Wie der Bergzoo Halle mit dem Virus-Fund umgeht

Erstmals in Deutschland ist das West-Nil-Virus in einem Tier nachgewiesen worden – betroffen ist ein Bartkauz aus dem Bergzoo Halle. Das Virus ist auch auf Menschen übertragbar. Zoo und Wissenschaftler warnen jedoch vor Panik – wichtiger sei Aufklärung.

Keine akute Gefahr für die Besucher: Nachdem bei einem toten Vogel im Zoo Halle das auch für Menschen gefährliche West-Nil-Virus nachgewiesen wurde, gehen sowohl Zoo als auch Forscher von keinem besonderen Risiko für die Besucher aus. Zoo-Direktor Dennis Müller sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es gibt derzeit keine Einschränkungen. Zusammen mit den Experten schätzen wir das Risiko als sehr gering ein." Es sei nicht größer als sonst in der Nähe von stehenden Gewässern.

Geringe Ansteckungsgefahr

Da das Virus nur durch Mücken wie die Culex-Mücke oder die Tiger-Mücke übertragen werden könne – und man jetzt die ersten kalten Nächte gehabt habe – sei die Ansteckungsgefahr als sehr gering zu bewerten, so Müller weiter. "Die Mückenpopulationen brechen zusammen und auch das Virus scheint eine hohe Temperatur zu brauchen, um sich in den Mücken überhaupt zu vermehren – über 20 Grad Tag und Nacht wird da genannt. Diese Situation haben wir ja nicht mehr."

Der Bartkauz wurde laut Zoo vor zwei Wochen infiziert. "Wir sind also jetzt ein gutes Stück hinter dieser Zeit und hatten auch schon einen weiteren Todesfall in der Voliere, wo das Virus schon nicht mehr nachgewiesen werden konnte", erklärt Müller.

Aufklären und Vorsichtsmaßnahmen verbessern

Auch die Mückenforscherin Doreen Walther mahnt zur Ruhe. Walther, die am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung über die Verbreitung von Viren durch blutsaugende Insekten forscht, sagte im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich bin weit davon entfernt, Panik schüren zu wollen." Zusätzliche Impfungen seien nicht nötig. Wichtiger sei es, die Bevölkerung aufzuklären und Vorsichtsmaßnahmen zu verbessern. Ein Zoo-Besuch stelle kein Problem dar.

Die Forscherin erklärte, der Fall in Halle sei das nördlichste Auftreten des Virus. Seit den 1960er-Jahren habe es immer wieder Einzelfälle gegeben, vor allem in Südeuropa. Dort sei es auch zu kleineren Epidemien gekommen.

Wenn Menschen infiziert würden, käme es zu "sommergrippeartigen Symptomen" wie Fieber. In weniger als einem Prozent der Fälle werde das zentrale Nervensystem angegriffen. Dann könne die Krankheit auch tödlich enden. Gesunde Erwachsene würden eher nicht befallen. Im Fokus stünden Kinder und Ältere, weil das Immunsystem dort nicht voll ausgeprägt sei.

In der Regel würden aber Pferde und Sperlingsvögel befallen. Müller ergänzte: "Wir können momentan keine Säugetierart und keine Vogelart ausschließen. Potentiell scheint das Virus auf sehr viele Arten zu gehen." Daher würden auch die Zebras des Zoos nun besonders beobachtet.

Tigermücke in Halle schon länger bekannt

Laut Zoo besteht aber kein Grund zur Panik. Das Veterinäramt sei informiert, Quarantäne sei nicht verhängt worden, auch bleibe der Zoo offen – es seien nicht einmal Teilabsperrungen nötig. Um sich ein Bild über die Mückenpopulation zu machen, werden demnach außerdem Mückenfallen aufgebaut. Die gesammelten Insekten werden dann eingefroren und an das Friedrich-Löffler-Institut geschickt.

Außerdem sei bei sämtlichen stillstehenden Gewässern das Wasser abgelassen und wieder mit Frischwasser befüllt worden, so Zoo-Direktor Dennis Müller, "um die Mückenpopulation stark zu senken."

Ein Maßnahme, die sicher in den kommenden Jahren wiederholt werden muss. Müller erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, das Wetter sei sicher ein ungünstiger Faktor für das Auftreten gewesen. "Seit Jahren beobachten wir den Vormarsch der Tigermücke. In Halle ist das schon länger bekannt, dass die hier ist." Er vermutet, dass man sich in Zukunft öfter damit auseinandersetzen muss, "dass Krankheiten, die eher in dem subtropischen Bereichen sind, gelegentlich auch in unseren Breiten nachgewiesen werden."

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. August 2018 | 19:00 Uhr

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