Stadtplanung Lösung für das Pipi-Problem: Stadt plant feste Toilettenanlage für die Ziegelwiese

Die fehlenden Toiletten auf der Ziegelwiese in Halle sind ein dauerhaftes Ärgernis. Die Stadt will daher im nächsten Jahr eine feste WC-Anlage bauen lassen. Bis dahin muss für den Sommer eine Übergangslösung reichen.

Anwohner genießen das Frühlingswetter auf der Ziegelwiese in Peißnitz Halle (Saale)
Fehlende Toiletten sind auf der Ziegelwiese in Halle für viele ein Ärgernis. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Wer die Wäldchen auf der Ziegelwiese in Halle beobachtet, der sieht in unregelmäßigen Abständen Menschen darin verschwinden – und ein paar Momente später wieder heraus kommen. Denn es geht allen Parkbesuchern ähnlich: Wenn die Blase drückt, braucht es ein stilles Örtchen. Doch eine feste Toilette gibt es c bislang nicht.

Das sogenannte Wildpinkeln ist eigentlich verboten: 55 Euro beträgt das Verwarngeld beim Erstverstoß. In diesem Jahr hat das Ordnungsamt damit laut Stadtverwaltung bisher 275 Euro eingenommen. Die meisten Gänge ins Gebüsch bleiben also ungestraft.

Die Peißnitzbrücke in Halle
Wenn das Peißnitzhaus in Halle geschlossen ist, dann findet sich auf großer Fläche keine öffentliche Toilette. Bildrechte: IMAGO/Steffen Schellhorn

Strafen weitgehend wirkungslos

Ein Mann sitzt auf einer Parkbank, trägt eine Sonnenbrille und schaut in Richtung Kamera, daneben steht ein Fahrrad.
Für Sascha Pabst sind die fehlenden Toiletten kein Problem. "Es gibt ja die Natur", sagt er. Bildrechte: MDR/Hanna Kazmirowski

Dementsprechend wenig lassen sich die meisten Leute davon abschrecken: "Das Ordnungsamt kann ich in dem Fall nicht ernst nehmen", sagt beispielsweise Sascha Pabst, der mit dem Fahrrad in den Park gekommen ist. "Falls ich wirklich erwischt werden würde, wäre ich mit dem Rad schnell weg."

Auch Milena Quiez macht sich keine Sorgen, wenn sie im Park mal muss: "Wenn man hier oft genug unterwegs ist, weiß man, welche Bäume groß genug sind, um nicht gesehen zu werden. Gerade wenn man schwanger ist oder Kinder hat, kann man es einfach nicht so gut aushalten."

Bedarf an stillen Orten ist groß

Zwischen Bäumen schlängeln sich Trampelpfade, an deren Seite benutzte Papiertaschentücher liegen.
Trampelpfade führen kreuz und quer durchs Gebüsch – dort sein Geschäft zu erledigen, ist längst kein Geheimversteck mehr. Bildrechte: MDR/Hanna Kazmirowski

Andere stimmen ihr zu: "Es stellt sich an einem gewissen Punkt nicht die Frage, ob man in die Büsche geht, sondern wo." Der Bedarf an öffentlichen Toiletten ist also da – davon zeugen nicht nur die festen Trampelpfade zwischen den Bäumen, sondern auch die unzähligen Papiertaschentücher, die zurückgelassen werden.

Daher hat die Stadtverwaltung nun eine grundsätzliche und dauerhafte Lösung in Aussicht gestellt: Im nächsten Jahr soll eine feste WC-Anlage entstehen. Die Fördermittel dafür hat die Stadt beim Land beantragt und rechnet mit ihnen im Herbst. Doch bis das Toilettenhäuschen 2023 fertig ist, steht noch der Sommer bevor, in dem sich besonders viele Menschen auf der Ziegelwiese aufhalten.

Übergangslösung soll Entlastung bringen

Um dem Wildpinkeln vorzubeugen, stellt die Stadt ab 4. Juni daher wieder einen WC-Container als Übergangslösung neben den Teich. Er soll laut Stadtverwaltung fünf Toiletten, drei Urinale und drei Waschbecken umfassen und täglich nutzbar sein; samstags zudem bis 1 Uhr nachts.

Zudem könnte es wie 2021 wieder einen Pop-Up-Biergarten inklusive WC-Anlage geben – dazu ist die Stadtverwaltung mit den Gastronomen derzeit im Gespräch. Den WC-Container richtet die Stadtverwaltung bereits seit 2017 für die Sommermonate ein.

Was fehlt: ganzjährige Lösung

Vier junge Frauen sitzen auf einer Wiese auf einer Decke und schauen in die Kamera.
Die vier Freundinnen haben gerade ihre Abiprüfungen absolviert – jetzt genießen sie ihre freie Zeit gern auf der Ziegelwiese. Bildrechte: MDR/Hanna Kazmirowski

Auch zu Veranstaltungen stellt sie mobile Toiletten bereit, wie zuletzt 14 Dixi-Toiletten zur Feier des letzten Schultags vom diesjährigen Abiturjahrgang. Eine ganzjährig zugängliche Sanitäranlage gibt es bisher allerdings nicht. Besonders im Winter, wenn das Peißnitzhaus geschlossen ist, ist fußläufig gar keine Toilette erreichbar.

Auch aktuell kommen die Spaziergänger auf der Ziegelwiese nicht dorthin, da die Peißnitzbrücke wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Die geplanten öffentlichen Toiletten für die Ziegelwiese begrüßen Jung und Alt: "Das ist schon mal ein Anfang!", meinen vier Abiturientinnen, die sich nach den Prüfungen beim Picknick auf der Wiese entspannen. "Vielleicht könnte man auch auf der anderen Seite Toiletten aufbauen? Die Fläche ist ja sehr groß", sagt eine von ihnen.

Sauberkeit muss sichergestellt werden

Solch ein Domino-Effekt ist nicht ausgeschlossen: Sobald an einer Stelle WCs eingerichtet sind, könnte die Forderung nach weiteren öffentlichen Toiletten auf Halles Grünflächen laut werden.

Erstmal bleibt aber abzuwarten, wie die temporäre WC-Anlage in den nächsten Monaten angenommen wird. "Nicht, dass die zerstört wird und nach zwei Wochen wieder zu ist. Da muss sich schon jemand drum kümmern", meint ein Seniorenpaar.

Und auch die regelmäßige Parkbesucherin Milena Quiez sagt: "Ich finde es wichtig, dass die Toiletten einigermaßen sauber sind – wenn die total verdreckt und eklig sind, dann gehe ich immer noch lieber in den Busch." Und damit wäre das Pipi-Problem doch wieder nicht gelöst.

MDR (Hanna Kazmirowski, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Juni 2022 | 12:30 Uhr

6 Kommentare

ElBuffo vor 10 Wochen

Prima, dann können auch wieder Moppi, Fiffi unf Co. entspannter ihre Geschäfte im Park erledigen. Ist für die sicher auch verstörend, wenn schon alles markiert ist.

Maria A. vor 10 Wochen

Wenn Stadtverwaltungen ehemals gepflegte Parks zur allgemeinen Nutzung frei geben, oder sonstige städtische Grünflächen, werden sie nicht nur mit Rasenschäden und Mehrkosten für das Reinigen dieser Anlagen konfrontiert, sondern mit weiteren, hier benannten, Folgen. Anstatt bei Verursachern von Müll und Fäkalien ein Änderungsverhalten einzufordern, wird das getan, was geradezu typisch für die Jetzt-Gesellschaft ist: Man scheut Problemklärung. Muss die Müllabfuhr sommers zusätzliche Fahrten leisten wegen dieser verunreinigten Flächen, erhöht man halt die Gebühren allgemein. Und wenn es wegen der von den zahlreichen Grill- und Chill-Aktionen verstärkten menschlichen Bedürfnisse in der Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkt, dann könnte eventuell bald die Grundsteuer erhöht werden, um einen Teil der Kosten "nötig gewordener" Toiletten abzufedern. Da jede Stadt knapp bei Kasse ist, wohl zusätzlich woanders Geld abgeknausert werden. Wahrscheinlich bei Kunst und Kultur...

steka vor 10 Wochen

Naja, mit öffentlichen Toiletten haben sich die Nachwende-Oberbürgermeiser*innen und Baudezernenten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es ist nicht nur die Ziegelwiese. Es waren Toiletten in beiden Widerlagern der Kröllwitzbrücke, auf der Würfelwiese, an der Würstchenbude Universitätsring, am Hallmarkt, am Spielplatz im Stadtpark(war sogar ziemlich neu) , ...., , und die vorhandenen sind in einem Zustand, daß man doch lieber "wildpinkeln" geht oder man muß Öffnungszeiten beachten und Kleingeld bereithalten. Ordnungswidrigkeiten müssen auch geahndet werden, sonst sind sie sinnlos, wie auch bei der Vermüllung. Aber die Ziegelwiese ist ja viel zu weit weg vom Ordnungsamt.

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt