Sangerhausen Mehr als nur ein "Hamsterstreit"

Sangerhausen ist eine Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit. Umso wichtiger ist es, wenn sich dort Unternehmen ansiedeln. Doch nun verhindert ein Streit um Feldhamster genau das. Weil die geschützten Nager derzeit ihren Winterschlaf halten, können die Bauarbeiten in einem Gewerbegebiet nicht beginnen. In Sangerhausen sorgt das für viel Frust. Inzwischen beschäftigten sich zwei Landesminister und der Landesverwaltungsamtschef mit dem Thema. MDR-Reporter Theo M. Lies erklärt es genauer.

Ein Feldhamster
Bildrechte: imago stock&people

MDR SACHSEN-ANHALT: Auf der einen Seite steht die Wirtschaft, auf der anderen die Ökologie. Das klingt nach einem handfesten Streit. Gab es den beim Krisentreffen am Montagabend?

Theo M. Lies: Überraschenderweise sagen alle Beteiligten: Nein. Man habe vielmehr von Anfang an gemeinsam um eine Lösung gerungen und hätte auch eine Kompromisslinie gefunden. Wie die aussieht, wurde nicht verraten. Ich denke, dass es vor allem um die ausstehenden Genehmigungen geht. Die Anträge dafür müssten von vornherein mögliche juristische Gegenattacken ausschließen. Deshalb war wohl auch der Landesverwaltungschef dabei. Unter seinem Dach arbeitet sowohl die Genehmigungsbehörde als auch die Widerspruchsbehörde.

Eigentlich ein ganz normaler Verwaltungsvorgang. Was ist in Sangerhausen anders, dass es die Minister auf den Plan rief?

Bürgermeister Gustav Voigt (links)  wird vor dem Lutherbrunnen interviewt.
MDR-Reporter Theo M. Lies (rechts im Bild) Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Die Landesregierung macht zu wenig für diese gebeutelte Region. Das sehen viele so und sie sehen sich auf der Verliererseite. Erst Mifa und nun drohen Feldhamster eine mögliche Investition mit wahrscheinlich hunderten Arbeitsplätzen zu stoppen. Damit gewinnt das Ganze eine politische Dimension. Das schwarz-rot-grüne Regierungsbündnis will nicht kampflos das Terrain an die AfD abgeben und reißt sich deshalb das Futter aus der Jacke. Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) will nicht als Verhinderungsministerin an den Pranger gestellt werden und Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) nicht als kraftloser Sprücheklopfer.

Wäre man am Montagabend ohne Aussicht auf eine Lösung auseinandergegangen, wäre heute ein Stück Demokratie in den Köpfen der Mansfeld-Südharzer zusammengebrochen. Ob es schon zu spät ist, wird die Demonstration zur Unterstützung der Mifa-Mitarbeiter am Dienstagabend in Sangerhausen zeigen. 

Wie geht es weiter?

Da kann man nur spekulieren. Zunächst das Thema Mifa: Wenn der Insolvenzrichter zustimmt, fließt frisches Geld in das Unternehmen. Dann können die Zulieferer bezahlt und der Umzug in die Neue Halle vollendet werden. Nicht vom Tisch sind die Schulden in Millionenhöhe. Fraglich ist auch die künftige Personalstärke, die wohl kaum bei den derzeit 520 Mitarbeitern bleiben wird.

Für das Feldhamster-Areal gibt es Ende Februar das nächste Ministertreffen. Bis dahin sollte die Stadt Sangerhausen ihre Hausaufgaben gemacht haben, hoffen alle Beteiligten, so dass der Ansiedlung eines holländischen Bio-Gemüse-Großbauern-Konsortiums dann nichts mehr im Wege steht, aber alle beteiligten auch noch den niedlichen Feldhamstern ins Auge blicken können.

Dieses Thema im Programm: • MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31.01.2017 | 17:00 Uhr

Mehr aus der Region Halle (Saale)

Fischerstechen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
E-Surfer 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt