Archäologie Kirche auf der einstigen Königspfalz Helfta wird ausgegraben

Oberhalb von Helfta bei Eisleben mitten in einem Maisfeld haben Archäologen jetzt das Mittelalter freigelegt. Vor mehr als 1.000 Jahren stand auf dem Hügel mit dem herrlichen Blick über das Mansfelder Land eine Kirche, von der jetzt die Grundmauern freigelegt worden sind. Sie gehörte zu einer Kaiser- oder Königspfalz der Ottonen, von der nur noch in alten Urkunden berichtet wurde.

Ausgrabung Königspfalz Helfta bei Eisleben
Auf dem Gelände der lange verschollenen Königspfalz Helfta bei Eisleben wird derzeit geforscht. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE

Die wiederentdeckte Königspfalz Helfta wird derzeit mit einer Forschungsgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt erkundet. Archäologinnen und Archäologen haben Anfang Mai begonnen, die Grundmauern der Kirche Kaiser Ottos des Großen freizulegen.

Kathedrale im Kleinformat

"Das ist eine prächtige, außergewöhnlich große Kirche, die den Rang dieses Ortes in der Ottonen Zeit belegt", sagte Projektleiter und Archäologe Felix Biermann. Das Gebäude ist für ein eine Pfalzkirche größer als erwartet, meint Biermann. "Mit 30 Meter Länge und etwa 20 Meter Breite hat Otto eine Kathedrale in Kleinformat bauen lassen", ergänzt er.

Auch Friedhof entdeckt

Auch einen Friedhof haben die Forschenden bei ihrer Arbeit gefunden. "Bei der Kirche sind bislang 70 Gräber und etliche steinerne Grüfte aus dem zehnten bis 15. Jahrhundert freigelegt worden", sagte Biermann. Offensichtlich seien hier hochrangige Würdenträger, Erwachsene und Kinder bestattet worden. "Es war der Begräbnisplatz für die Adelsgeschlechter der Region", so der Ausgrabungsleiter.

Ausgrabung Königspfalz Helfta bei Eisleben
70 Gräber haben die Forschenden auf dem Gelände entdeckt. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE

Von der Pfalz- zur Wallfahrtskirche

Die Kirche wurde vor 968 gegründet und ist, so berichtet der zeitgenössische Chronist Thietmar von Merseburg, der heiligen Radegundis, Prinzessin in Thüringen, geweiht. Das Gotteshaus existierte etwa 500 Jahre und wurde in der Reformationszeit abgetragen. In der Spätzeit hatte sich die Bedeutung von einer Pfalzkirche zu einer lokalen Wallfahrtskirche gewandelt. "Wir haben aus dem 14. und 15. Jahrhundert etliche Münzen und einen Kachelofen, ferner das Fragment einer Kirchenglocke gefunden", sagte Biermann.

Außer der Kirche gehörten zur Pfalz eine Wohn- und Wirtschaftsbebauung mit Grubenhäusern, außerdem herrschaftliche Wohngebäude und wohl eine Aula, in der Versammlungen stattfanden. "Das Pfalzgelände soll schrittweise freigelegt werden", sagte Biermann.

Ministerpräsident Haseloff: "Wichtige landesgeschichtliche Lücke geschlossen"

Die Grabungen sollen bis September dauern, aber in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Ministerpräsident Reiner Haseloff freute sich über die neuesten Erkenntnisse. "Mit der Identifizierung der Lage der Kirche und der Pfalz wird eine wichtige landesgeschichtliche Lücke geschlossen", erklärte er. Wiederentdeckt wurde das Gelände im Jahr 2009.

Quelle: MDR/Moritz Arand/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. Juni 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt