Busse ohne Fahrer In Stolberg wird ein automatisiertes Shuttle getestet

Wissenschafler der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg wollen mit automatisierten Bussen den öffentlichen Nahverkehr auf dem Land verbessern. Ein Testprojekt wird am Sonnabend in Stolberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Schon Ende Juni soll der Pilotbetrieb starten.

Busshuttle Stolberg wird angeliefert
Der automatisierte Shuttlebus wird in Stolberg angeliefert. Bildrechte: MDR/Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum ist – je nach Sichtweise – eine Herausforderung oder ein Trauerspiel. Besonders der demografische Wandel macht den Verkehrsbetrieben und ihren Kunden erheblich zu schaffen. Die Einwohnerzahlen sinken, der Linienbetrieb wird immer unrentabler und deswegen ausgedünnt. Das macht natürlich die ländlichen Regionen weniger attraktiv – weshalb wiederum die Einwohner wegziehen. Ein Teufelskreis.

Wissenschafler der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg kamen deswegen vor einiger Zeit auf die Idee, dass man künftig auf automatisierten Verkehr setzen müsse, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Bisher gibt es in Sachsen-Anhalt noch keine Busse ohne Fahrer. Doch das soll sich jetzt ändern. Am Sonnabend wird in Stolberg (Landkreis Mansfeld-Südharz) ein entsprechendes Pilotvorhaben vorgestellt.

Professor Hartmut Zadek, Leiter des Lehrstuhls Logistik an der Magdeburger Uni
Hartmut Zadek Bildrechte: MDR/Maximilian Fürstenberg

Professor Hartmut Zadek, Leiter des Lehrstuhls Logistik an der Magdeburger Uni, hatte schon vor einiger Zeit einen entsprechenden Antrag eingereicht, der im Mai 2019 bewilligt wurde. Bearbeitet durch seinen Lehrstuhl und finanziert vom Fond für regionale Entwicklung der Europäschen Union, wurde AS-NaSA ins Leben gerufen. Das Projekt "Automatisierte Shuttlebusse – Nutzenanalyse Sachsen-Anhalt" soll die mögliche Bedeutung des Einsatzes von fahrerlosen Bussen im ÖPNV in Sachsen-Anhalt ermitteln.

Sönke Beckmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Magdeburg.
Sönke Beckmann Bildrechte: MDR/Maximilian Fürstenberg

Mit der Gemeinde Südharz und der Stadt Stolberg seien ideale Partner dafür gefunden worden, sagt Projektmitarbeiter Sönke Beckmann. Das Engagement sei dort direkt zu spüren gewesen, erinnert er sich. Stolberg habe außerdem gute Voraussetzungen für den Einsatz eines autonomen Fahrzeuges geboten. Für Stolberg spreche, dass es viele Tempo-30-Zone gebe, es "relativ verkehrsberuhigt" und die Strecke nicht zu lang sei. Darüber hinaus gebe es einige Herausforderungen "wie Steigungen, enge Straßen und Kopfsteinpflaster".

Wie die Technik der autonomen Busse funktioniert

Als Fahrzeug wird der automatisierte Shuttlebus EZ 10 Gen 2 von der Firma EasyMile eingesetzt. Die genaue Strecke wird beim "Einmessen" im Fahrzeug einprogrammiert. Im Pilotbetrieb fährt der Bus auf virtuellen Linien durch die Stadt. Dabei lokalisiert er sich mit Differential GPS und sogenannten Lidar-Sensoren. Diese werden auch zur Hinderniserkennung verwendet. Das funktioniert wie eine Art Wolke, die mit den Sensoren rund um das Fahrzeug erzeugt wird. Wenn in diesem Bereich ein Gegenstand oder eine Person erkannt wird, reagiert das System in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit.

Im Februar dieses Jahres wurde die Strecke festgelegt. Und am Sonnabend präsentieren die Wissenschaftler das Fahrzeug der Öffentlichkeit. Von 10 bis 17 Uhr können sich Interessierte auf dem Stolberger Markt ansehen, wie ein Bus ohne Fahrer aussieht und funktioniert.

Darauf folge dann die Schulung der Operatoren, so Beckmann. Dies sind Personen, die ständig im Bus mitfahren werden und bei Bedarf eingreifen sollen. Ende des Monats soll der offizielle Pilotbetrieb starten.

Vielleicht kann damit der Teufelskreis durchbrochen werden.

MDR/Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. Juni 2021 | 07:30 Uhr

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