Hohe Kosten, aber kaum Einnahmen Die Crux mit der alten Burg Allstedt

Burg und Schloss Allstedt gehören zu verborgenen Schätzen Sachsen-Anhalts. Denn bei 500 bis 6.000 Besuchern pro Jahr ist das imposante Bauwerk alles andere als ein Besuchermagnet. Die Kosten allerdings scheren sich nicht um Statistiken. Und so kommt die Stadt Allstedt immer mehr unter finanziellen Druck, denn ihr gehört die Burg. Die Anlagen drohen zu einer Geldvernichtungsmaschine zu werden.

Baugerüst an einer Burg
Mit Hilfe von Fördermitteln wird in Allstedt zurzeit wieder einmal saniert. Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Höher als der Torturm des alten Schlosses ist derzeit in Allstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz nur ein Baukran. Der versorgt aktuell Dachdecker, die dem Dachstuhl der Burg zu Leibe rücken, mit Material – sehr zur Freude von Bürgermeister Jürgen Richter: "Wir haben aus Brüssel zwei Millionen Euro bekommen, um den Ostgiebel zu sichern. Nicht nur das Dach wird neu gedeckt, auch der Dachstuhl wird ertüchtigt." Das war bitter nötig, denn längst haben sich hier viele Balken bereits auf das Sterbebett gelegt. Zudem wird mit der EU-Förderung auch der Eingangsbereich barrierefrei umgebaut und so zumindest der Hofbereich auch für Rollstuhl und Rollator passierbar.

Bauarbeiten auf einem Dachboden
Der Dachstuhl der Burg Allstedt ist momentan eine Baustelle. Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Soweit die guten Nachrichten. Die schlechte ist, dass damit der Sanierungsbedarf noch lange nicht gedeckt ist. An allen Ecken und Enden schreit die mittelalterliche Burg- und Schlossanlage um Hilfe. Geschätzte 25 Millionen Euro werden gebraucht – Geld, das die Stadt Allstedt nicht hat. Bei allem verständlichen Stolz auf die Geschichte, ist die Burg vor allem eins: Eine Geldvernichtungsmaschine. In die werden seit 1992 Jahr für Jahr 200.000 Euro reingesteckt. Nur ein Viertel davon fließt als Einnahme wieder zurück.

Streit um Verkauf der Burg

Ein Mann steht vor einen Teich
Allstedts Bürgermeister, Jürgen Richter, ist gegen einen Privatisierung von Burg und Schloss. Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Manche Allstedter wollen sich das nicht mehr leisten. Ein Verkauf wurde bereits im Stadtrat diskutiert. Bei der Vorburg hätte das ja auch geklappt. Die wurde vor zwei Jahren an einen privaten Investor veräußert, der diesen Bereich bereits gastronomisch nutzt und weitere Pläne für Gästewohnungen schmiedet.

Eine Privatisierung von Burg und Schloss aber kommt für Bürgermeister Jürgen Richter nicht in Frage. Zumal in diesem Fall ja auch Fördermillionen wie die aktuellen EU-Gelder zurückgezahlt werden müssten. Er sieht die Lösung vielmehr schon länger in einer Übernahme durch die landeseigene Kulturstiftung. Die kümmert sich bereits um ein Dutzend Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt und wäre damit ein idealer Partner.

Das sieht im Prinzip auch deren Generaldirektor Christian Philipsen so. Gerade wurde das Kloster Jerichow in den Bestand der Stiftung aufgenommen. Bei Allstedt allerdings muss Philipsen immer wieder abwinken: "Mit dem jetzigen Betriebshaushalt der Stiftungen, mit dem was wir jetzt im Rahmen unserer Finanzierungsvereinbarung vom Land bekommen, sind zusätzliche Denkmale, zusätzliche Betriebe nicht möglich." Soll wohl heißen: Stockt unsere Stiftung finanziell auf, dann stehen wir auch zu Allstedt.   

Burg Allstedt im Koalitionsvertrag

Burg Allstedt
Der Erhalt der Burg Allstedt steht im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und FDP. Bildrechte: MDR/Theo M. Lies

Doch jetzt kommt wieder Schwung in die Verhandlungen. Allstedt gilt als ausgewiesener Thomas-Müntzer-Ort, hier lebte und predigte der Reformator. 2025 nun steht ein großes Bauernkriegs-Jubiläum an. Bis dahin sollte auch die Burg Allstedt herausgeputzt sein, meinen sogar die künftigen Regierungsparteien CDU, SPD und FDP und hoben die alten Mauern in den Entwurf ihres Koalitionsvertrages.

Für den 30. August ist ein Gipfeltreffen mit Land, Landkreis und Bürgermeister Jürgen Richter angesetzt. Diesmal hoffentlich friedlich, denn vor 500 Jahren hat Thomas Müntzer schon einmal den Landesfürsten auf dieser Burg die Leviten gelesen und einen Bauernkrieg entfacht.

MDR/Theo M. Lies, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. August 2021 | 15:13 Uhr

1 Kommentar

part vor 50 Wochen

Schon beim Bau der Burg und des Schlosses ächzten die Allstedter unter der Abgabenlast, die ihnen Adlige auferlegten, denn gebaut und finanziert wurde das ganze durch neue Abgabenlasten und Leibeigenschaften. So manche Burgruine ist besser anzusehen, nur wurden diese eben geschleift, damit dort nie wieder ein Ausbeuter einziehen konnte. Ich denke, man muss nicht Unsummen in die Sanierung alter Gemäuer stecken während in mancher Schule oder Kindergarten der Putz von der Decke fehlt und die Feuerwehr sich keine neue Ausrüstung leisten kann, egal aus welche Ecke das Ganze finanziert wird mit ständig der nötigen Selbstbeteiligung. Der Frondienst ist zwar heute abgeschafft aber die Abgabenlast ist weiterhin erdrückend zum Wohle und Erinnerung an Herrschaften.

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