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Pfleger Mario Schneider bei Rosel Eike. Die 88-Jährige hat keine Angst vor den Ungeimpften. Sie selbst ist dreifach geimpft und wird zweimal die Woche getestet. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Corona-PandemieImpfpflicht in der Pflege: Wie ein Seniorenheim mit ungeimpften Mitarbeitern umgeht

von Alexander Kühne, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 30. Januar 2022, 14:55 Uhr

Ab 16. März soll im Gesundheitswesen eine allgemeine Impfpflicht gegen das Corona-Virus gelten. Wer dann nicht vollständig geimpft ist, darf seine Tätigkeit nicht mehr aufnehmen. Pfleger Mario Schneider aus Benndorf im Landkreis Mansfeld-Südharz will sich nicht impfen lassen und nimmt dafür sogar eine Entlassung in Kauf. Sein Chef zeigt Verständnis.

Mario Schneider hat wenig Zeit. Er läuft rasch zu der Tür mit der Aufschrift "Rosel Eike" und klopft an. Als er die Wohnung betritt, wird er ganz ruhig. "Guten Morgen, Frau Eike, wie geht's uns heute?" Die 88-Jährige strahlt, als der Pfleger eintritt. Ein kurzer Plausch, dann wird der Blutdruck gemessen. "Ein bisschen zu hoch, aber okay. Wir sehen uns dann beim Mittagessen, Frau Eike!"

Schneider hat doppelt zu tun, seit die Bereichsleiterin dieses Hauses krank geworden ist. "Sie hat Corona und das obwohl sie geimpft ist!", erzählt er MDR SACHSEN-ANHALT.

Seit vielen Jahren arbeitet Mario Schneider als Altenpfleger. Sollte er seinen Job verlieren, will er als Kraftfahrer arbeiten. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Seniorenheimen droht Pflegermangel

Das Seniorenheim Weißes Tal liegt am Rand des kleinen, ruhigen Örtchens Benndorf im Landkreis Mansfeld-Südharz. Doch Geschäftsführer Florian Wend ist unruhig. Er betreibt noch weitere Einrichtungen und darf in wenigen Wochen wohl 40 von seinen 180 Mitarbeitern nicht mehr zur Arbeit lassen.

Denn ab Mitte März gilt die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Ungeimpfte Pflegekräfte können dann vom Gesundheitsamt ein Zutrittsverbot zu den Einrichtungen bekommen. Aber 25 Prozent seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind noch ungeimpft. "Wir versuchen schon, die Mitarbeiter aufzuklären, aber alles ohne Druck. Und so mancher hat sich auch schon impfen lassen", berichtet Wend. Aber es sind noch viel zu wenige, die sich überzeugen lassen.

Nicht generell gegen das Impfen

Mario Schneider ist auch überzeugt – davon, dass er sich nicht impfen lässt. Dass die Impfung eine Kollegin nicht schützen konnte, hat ihn in seiner Überzeugung bestärkt.

Schneider ist nicht nur Pfleger, sondern auch Bereichsleiter eines ganzen Hauses mit mehreren Pflegekräften, die er anleitet, und vielen Senioren, für die er verantwortlich ist. "Ich habe Leute gesehen, die waren nach der Impfung von weiß bis grün im Gesicht", sagt Mario Schneider. Er sei nicht generell gegen das Impfen, habe alle Impfungen, die man als Kind so bekommen hat. Aber eben keine Corona-Impfung.

Altenpfleger Mario Schneider findet Verständnis bei seinem Chef Florian Wend. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Aus seiner jahrelangen Berufserfahrung kennt er den Nutzen und die Wirkung von Impfungen. Mit den Corona-Impfstoffen ist er unzufrieden: "Ich habe das einfach anders gelernt, in der Schule, in meiner Berufsausbildung, zum Beispiel solche Grundbegriffe wie Herdenimmunisierung. Ich glaube einfach, dass wir mit diesen Auffrischungen die Herdenimmunisierung vor uns herschieben", sagt Schneider. Sollte er sich selbst mit dem Virus anstecken, hofft er auf die Kraft seines Immunsystems.

Aufklären, um Verunsicherung abzubauen

Sein Chef Florian Wend kennt die unterschiedlichen Beweggründe seiner Mitarbeiter und kann sie auch nachvollziehen: "Die meisten haben Ängste. Diese vielen verschiedenen Aussagen, die es gibt, jeder hat eine Meinung dazu, es gibt ganz viele Nachrichten oder Druck aus dem sozialen Umfeld. So entsteht Unsicherheit." Mit seinen Aufklärungskampagnen versucht er, diese Unsicherheiten abzubauen.

In der Unternehmensgruppe Wend geht man nicht davon aus, dass es wirklich zu einem Berufsverbot kommen wird. "Ich habe Mitarbeiter, die seit vielen Jahren für mich tätig sind, die einen wunderbaren Job machen, die sich nie haben etwas zu Schulden kommen lassen. Und die soll ich freisetzen? Das können wir uns nicht leisten, das kann sich die Branche nicht leisten und das wird sich auch die Gesetzgebung so nicht leisten können", sagt Wend.

Florian Wend, Geschäftsführer Seniorenheim Weißes Tal, Benndorf Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Die Pflegebedürftigen sind die ersten, die einen Personalmangel in der Pflege zu spüren bekommen würden. Wend sagt: "Ich kann die Pflegebedürftigen nicht in den Betten liegen lassen, die kriegen Dekubiti, die liegen sich auf. Und da ist mir der Mensch am wichtigsten." Sollte es daher zum Äußersten kommen, sieht Wend sich gezwungen, sich dem Berufsverbot zu widersetzen.

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Januar 2022 | 19:00 Uhr