Corona-Infektionen nachgewiesen Notstand in Südharzer Pflegeheim: Zwei Drittel der Mitarbeiter ausgefallen

In einem Pflegeheim im Landkreis Mansfeld-Südharz hat sich ein Großteil der Mitarbeiter und Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Derzeit kann laut Heimleitung nur eine Notversorgung gewährleistet werden. Ob angekündigte Hilfen ausreichen, ist unklar.

Im Flur eines Pflegeheims steht hinten eine Mitarbeiterin in Schutzkleidung
Im Pflegeheim im Ortsteil Roßla in Südharz sind derzeit nur 18 Mitarbeiter von normalerweise 52 einsatzbereit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Wohnbereiche, Drei-Schicht-System und nur etwa ein Drittel des Personals: Im Pflegeheim Marienstift Roßla in Südharz herrscht Notstand. Von 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind laut Einrichtung 34 wegen einer Corona-Infektion ausgefallen. Viele hätten Symptome, drei seien in stationärer Behandlung. Das verbleibende 18-köpfige Team könne die Versorgung der knapp 70 Heimbewohnerinnen und -bewohner kaum noch aufrechterhalten.

Versorgung nur im Notprogramm

Heimleiter Markus Gormanns sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Lage ist so, dass es uns eigentlich völlig die Beine weggezogen hat."

Mittelalter Mann mit grauer Jacke und Schal
Markus Gormanns leitet das Pflegeheim in Roßla. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gewohnte Abläufe im Heimalltag könnten nicht mehr gewährleistet werden. Auch von den 68 Bewohnerinnen und Bewohnern wurden 50 positiv auf das Coronavirus getestet, viele zeigen Symptome.

Die Versorgung, die es derzeit gebe, sei ein Notprogramm, aber auch das sei fragil, so Gormanns. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Dienst sind, seien völlig überfordert. Der Heimleiter sagt: "Die leisten Übermenschliches, was nicht genug anerkannt und geschätzt werden kann."

Sorgen trotz vieler Hilfsangebote

Es gebe verschiedenste Hilfsangebote, darunter Zusagen von Pflegeschulen in der Region, dass Azubis aushelfen kommen sowie Unterstützung von einem ambulanten Pflegedienst in Hettstedt und vom Marthahaus in Halle.

Heimleiter Gormanns sagte aber, er dachte, es gebe eine Breitbandmöglichkeit für die Hilfe, wie bei anderen Krisen. Er habe an den Sanitätszug der Bundeswehr gedacht, oder ein Kriseninterventionsteam. Einzelne Heime seien für solche Hilfen jedoch nicht anspruchsberechtigt, sondern nur Kommunen oder Kreise. Der Landkreis Mansfeld-Südharz habe inzwischen Hilfe beantragt.

Die aktuelle Krise im Haus sei eine "existenzielle Bedrohung". Was passieren wird, falls die Hilfen nicht ausreichen oder nicht rechtzeitig kommen, "das möchte man lieber nicht aussprechen", so Gormanns.

Rotes Backsteingebäude
Das Pflegeheim Marienstift Roßla. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Lothar Thomas vor 22 Wochen

H U T A B,

BEI SOVIEL EINSATZBEREITSCHAFT
VON DIESEM TEAM ! !

Die Leute dort leisten wirklich etwas Besonderes.

Hoffentlich bekommen sie bald Unterstützung.

Immer diese kleinkarierte Behördliche Krümelkackerei.

Daran sieht man aber auch, dass sich unter den Bewohnern bestimmt keine Verwandtschaft zu einem "Entscheider" in einer Behörde besteht, sonst wäre schon etwas auf den Weg gebracht worden.

Der Heimleiter sollte froh sein über solch ein tolles Team.

Hier sollte man für die Leute zur Unterstützung Gelder bereitstellen, wenn die Politik schon keine Leute hat.


Lothar Thomas vor 22 Wochen

@ Simone

ÄÄÄHH meinen sie mit "Regierungsverweigerer" Lindner den Herren Lindner von der FDP ???

Oder wen meinen sie damit?

Außerdem geht es hier in diesem Artikel doch, wenn ich Richtig gelesen habe um das Pflegeheim in Rossla, in Sachsen-Anhalt und nicht um die AfD.

Sie sollten dann auch darauf eingehen und die Arbeit des verbliebenen Pflegepersonals würdigen.

Ihre Parteipolitische Haltung ist ALLEN hinlänglich bekannt, aber es geht hier um den Notstand in diesem Heim.

Mich wundert es sowieso, dass ihr Beitrag mit so wenig Bezug zum eigentlichen Thema freigeschaltet wurde.

ElBuffo vor 22 Wochen

Mal gut, dass die Regierung die AfD hat. Man müsste sich sonst glatt Gedanken machen, was man seit Januar falsch gemacht hat.
Neben Linder haben auch die Justizministerin und die Patientenbeauftragten Kontrapositionen.
Welche Maßnahmen waren im Spätsommer/Herbst angedacht, um die Risikogruppe zu schützen und gleichzeitig möglichst wenig Schaden anzurichten. Kann da bis zum heutigen Tage nichts effizientes in dieser Richtung erkennen. Aktuelle Erkenntnisse: kaum Infektionsgeschehen in Kitas und an Schulen, dafür infiziert sich die Risikogruppe vor allem untereinander.
Und bei allem Bohei muss man sich immer noch fragen, warum es soviel schlimmer ist an oder mit Corona statt an oder mit Grippe, Pneumokokken oder all den anderen Viren und Bakterien zu versterben, die noch so rumfliegen, weil der Mensch am Ende des Lebens eben immer schwächer wird. Das hat die Natur so eingebaut. Schon vor Corona sind in einem Altenheim mit 60 Bewohnern im Durchschnitt 80 Leute im Jahr verstorben.

Mehr aus Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt