Fahrradbauer aus Sangerhausen Was die neuen Mifa-Eigentümer planen

Der insolvente Mifa-Nachfolger Sachsenring Bike GmbH hat einen neuen Eigentümer. 75 der rund 120 Mitarbeiter sollen für die Fahrradproduktion in Sangerhausen übernommen werden. Einen Namen nannte der Insolvenzverwalter nicht. Es soll sich um eine Schweizer Firmengruppe handeln.

Mitarbeiter des Fahrradherstellers Sachsenring Bike Manufaktur GmbH montieren Fahhräder
Erst Mifa, später Sachsenring Bike Manufaktur GmbH (Archivbild), nun Zweirad Union. Der Fahrradhersteller aus Sangerhausen hatte schon viele Namen. Bildrechte: dpa

Der Mifa-Nachfolger Sachsenring Bike Manufaktur GmbH in Sangerhausen hat einen neuen Eigentümer. Wie der Insolvenzverwalter Philipp Hackländer am Mittwoch mitteilte, hat er sich mit einer Investorengruppe auf den Verkauf geeinigt. Die neuen Eigentümer des traditionsreichen Fahrradwerks seien sowohl deutsch als auch international und zum langfristigen Erhalt des Standorts bereit und in der Lage.

Fest steht laut Insolvenzverwalter Hackländer auch, dass 75 der rund 120 Mitarbeiter für die Fahrradproduktion im ehemaligen Mifa-Werk übernommen werden. Der Firmenname wird, wie MDR SACHSEN-ANHALT erfuhr, in Zweirad Union geändert. Wer genau sich hinter dieser neuen Firma verbirgt, wird derzeit noch verschwiegen – auch auf mehrfache Nachfrage hin.

Das Handelsblatt hatte am Dienstag berichtet, dass der Mifa-Nachfolger an das Unternehmen Zweirad Union AG aus der Schweiz geht. Der Investor stellt E-Bikes her und handelt mit ihnen.

Schwieriger Verkauf

Durch drei Pleiten in Folge war das traditionelle Grundstück, die Produktionshallen und die Maschinen in unterschiedlichen Händen. Der bisherige Besitzer, die Sachsenring Bike GmbH, hatte Mitte November 2020 Insolvenz angemeldet. Damit erlebte das Fahrradwerk die dritte Insolvenz in nur sechs Jahren.

Die neuen Eigner verfügen "über schnellen Zugang zu den Materialien für die Fahrrad- und E-Bike-Produktion", so Insolvenzverwalter Philipp Hackländer. Sie würden den Standort zudem weiterentwickeln wollen.

Matthias Herold (l) und Stefan Zubcic, Geschäftsführer der Sachsenring Bike Manufaktur GmbH, stehen mit zwei nagelneuen Rädern aus der Steppenwolf-Kollektion in der Werkhalle in Sangerhausen
Stefan Zubcic (r.) nannte Mifa in Sachsenring Bike Manufaktur GmbH um und war Geschäftsführer. Bildrechte: dpa

Hintergrund Für den Nachfolger des Unternehmens Mifa mit mehr als 110-jähriger Fahrradbau-Tradition war die Insolvenz bereits die dritte Pleite in sechs Jahren. Der Coburger Unternehmer Stefan Zubcic hatte die Fahrradfertigung im Süden Sachsen-Anhalts 2017 aus der Pleite heraus übernommen und den Namen Mifa durch den bekannten Herstellernamen des DDR-Autos Trabant, Sachsenring, ersetzt.

dpa, MDR/Theo M. Lies,Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Februar 2021 | 17:00 Uhr

4 Kommentare

Harka2 vor 31 Wochen

Fair bleiben. Auch im Fahrradsektor hat die Globalisierung eingesetzt. Welcher Hersteller verbaut keine Teile aus Fernost? Letztlich ist überall eine Shimano-Gangschaltung dran. Die gibt es halt auch in jeder Preisklasse. Das sich mittelfristig kein Massenhersteller für Fahrräder in Europa mehr durchsetzen wird, dürfte klar sein. Dazu ist Asien und inzwischen auch Afrika konkurrenzlos billig. Man braucht etwas besonderes, um noch am Markt zu bestehen. Nur so schafft es z.B. BMW noch immer Fahrräder zu verkaufen.

DanielSBK vor 31 Wochen

Keiner will diese Räder kaufen... Rahmen und Anbauteile alle aus China und schlechte Qualität (Schweißnähte usw.) - wird zwar dort "zusammengeschraubt" und trägt auch das Label "made in Germany" aber ist trotzdem Firnis und Kundenveräppelei. Was ist eigentlich mit den Millionen Steuergeldsubvention was Herr Nathusius Raffzahn aus Haldensleben abkassiert hat?! Und selbst wenn noch irgendwann der 12te Investor kommt - keiner will diese Räder kaufen und keiner kann solche ehemaligen IG-Metall exFacharbeiter mit 3.500€/Netto im Monat bezahlen... und das Rad kostet dann nach 2.000€ oder wie?!

Baldur von Ascanien vor 31 Wochen

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