Festnahme auf Flughafen IS-Anhängerin aus Sachsen-Anhalt zurück in Deutschland

Die IS-Anhängerin Leonora M. aus Sangerhausen ist zurück in Deutschland. 2015 war sie als 15-Jährige nach Syrien gereist, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Sie wurde nun mit anderen IS-Frauen und Kindern aus Syrien nach Deutschland geflogen und auf dem Flughafen Frankfurt festgenommen. Sie soll dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Die IS-Anhängerin Leonora M. aus Sangerhausen ist am Sonntag bei der Einreise nach Deutschland am Frankfurter Flughafen von Ermittlerinnen und Ermittlern des LKA Sachsen-Anhalt festgenommen worden. Das teilte am Sonntag der Generalbundesanwalt mit. In den kommenden Stunden soll sie dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Er soll ihr den Haftbefehl eröffnen und entscheiden, ob sie in Untersuchungshaft kommt.

Die 21-Jährige war gemeinsam mit zwei anderen Frauen und zwölf Kindern aus einem Gefangenenlager in Nordsyrien nach Deutschland geflogen worden. Laut Recherchen des SWR sollen die Personen bereits am Samstag von Vertretern der kurdischen Selbstverwaltung an eine Delegation des Auswärtigen Amts übergeben worden sein.

Collage von Maik Messing und seiner Tochter Leonora 5 min
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Do 19.09.2019 19:00Uhr 04:48 min

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Rückführung hat sich wegen Corona-Pandemie verzögert

Bei den anderen beiden IS-Anhängerinnen handelt es sich um die 24-jährige Merve A. aus Hamburg sowie um Yasmin A. aus Bonn. Laut Behörden gibt es für die Rückführung humanitäre Gründe. Viele Kinder seien Waisen oder lebensbedrohlich geschwächt.

Lange hatte die Bundesregierung eine direkte Rückführung gefangener Deutscher unter Verweis auf die politische Lage in Syrien abgelehnt. Die aktuelle Rückführung war den Berichten zufolge schon lange geplant gewesen, habe sich aber wegen der Corona-Pandemie und Verhandlungen mit der kurdischen Seite verzögert. 

Vorwurf: Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Leonora M. war 2015 als 15-Jährige aus Sangerhausen nach Syrien gegangen und hatte sich dem Islamischen Staat angeschlossen. In der IS-Hochburg Rakka wurde sie demnach zur Drittfrau von Martin L., der als einer von wenigen Deutschen dem IS-Geheimdienst angehörte. Ihr wird außerdem vorgeworfen, in einem Krankenhaus des Islamischen Staat als Pflegekraft gearbeitet zu haben.

Zeitweise sollen sie in ihrer Wohnung eine jesidische Frau als Sklavin gehalten und diese schließlich weiterverkauft haben. Gegen Leonora M. wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt.

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Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Dezember 2020 | 11:00 Uhr

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