Untersuchungshaft in Halle Wie es für IS-Anhängerin Leonora M. jetzt weitergeht

Als damals 15-Jährige hat sich Leonora M. aus Sangerhausen 2015 dem IS angeschlossen. Nach ihrer Rückkehr aus Syrien sitzt sie nun in Halle in Untersuchungshaft. Während sie auf den Prozess wartet, müssen ihre Kinder versorgt werden. So geht es jetzt weiter.

Justizvollzugsanstalt Roter Ochse,  Halle
Leonora M. sitzt derzeit in der JVA Halle in Untersuchungshaft. Bildrechte: IMAGO

2015 ist die damals 15-jährige Leonora M. aus Sangerhausen nach Syrien gegangen, um sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Nachdem Leonora M. nun gemeinsam mit zwei weiteren Frauen sowie insgesamt zwölf Kindern aus einem Gefangenenlager in Nordsyrien zurückgebracht wurde, befindet sie sich die jetzt 21-Jährige in Untersuchungshaft in Halle. Ihr werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Fall.

Wer wurde aus Syrien geholt?

Neben Leonora M. und ihren beiden Kindern wurden auch die IS-Anhängerinnen Merve A. aus Hamburg  und Yasmin A. aus Bonn sowie deren insgesamt drei Kinder aus den Lagern Roj und Al Hol im Nordosten Syriens ausgeflogen. Hinzu kommen sieben Waisen. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte dazu: Es handelt sich dabei um humanitäre Fälle, vor allem um Waisen und Kinder mit Erkrankungen – Fälle, in denen die Ausreise besonders dringend erforderlich war."

In der Maschine, die von Bundespolizisten begleitet wurde, saßen zudem sechs Kinder und zwei Frauen aus Finnland, die anschließend dorthin gebracht wurden. Von Seiten des Generalbundesanwalts erging bislang nur gegen Leonora M. ein Haftbefehl. Für Haftanträge gegen die anderen beiden Frauen sind die Generalstaatsanwaltschaften in Hamburg und Düsseldorf zuständig.

Wie geht es für Leonora M. jetzt weiter?

Die 21-jährige Leonora M. wurde in die JVA Halle überführt und sitzt dort in Untersuchungshaft. Vertreten wird sie von einem Anwaltsbüro in Karlsruhe. Sie wartet jetzt darauf, dass Anklage erhoben wird. Dafür hat der Generalbundesanwalt maximal ein halbes Jahr Zeit. Folgendes wird der Frau vorgeworfen:

  • Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
  • Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit
  • Verstoß gegen das Waffengesetz

Die Taten liegen zum Teil schon einige Jahre zurück. Entsprechend laufen die Ermittlungen auch schon länger. Ob Leonora M. ihre Familie nach ihrer Ankunft in Deutschland schon gesehen hat – oder ob das zeitnah in der JVA passiert, blieb auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT unbeantwortet.

Welche Strafe droht Leonora M.?

Dazu wollte sich die Pressestelle des Generalbundesanwalts nicht äußern. Das mögliche Strafmaß hängt unter anderem davon ab, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet werden. M. war erst 15, als sie nach Syrien ausreiste.

Was passiert mit den Kindern?

Leonora M. hat zwei kleine Kinder. Wie es mit denen weitergeht, wurde zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte nicht mitgeteilt. Möglich wäre, dass die Eltern der Inhaftierten oder das Jugendamt die Betreuung übernehmen.

Vater hofft auf Normalität – irgendwann

Die Familie von Leonora M. hat sich nach ihrer Rückkehr bislang nicht öffentlich geäußert. Ihr Vater Maik erklärte bereits vor einiger Zeit, dass er hoffe, dass irgendwann ein Stück weit Normalität einkehren könne. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte er im Herbst 2019: "Im Moment, macht sie (Leonora – d. Red.) auf uns den Eindruck, dass es tatsächlich so ist, dass diese IS-Geschichte für sie erledigt ist. Man muss langfristig schauen, inwieweit sie als Muslima leben möchte? Oder sagt sie irgendwann, ich will gar nichts mehr mit der Sache zu tun haben? Aber das ist alles offen."

M. wünscht sich, dass es seine Tochter irgendwann schafft, Leben und Ausbildung selbstständig zu meistern. Und er hofft, "dass es möglich ist, dass die Menschen sie irgendwann als Mensch sehen und nicht mehr als ehemalige IS-Braut." Ihre Kinder sollen so normal wie möglich aufwachsen.

"Dass die Geschichte nie vorbei ist, ist uns völlig klar. Das wird bis ans Lebensende bleiben", sagte M. damals und ergänzte: "Ich selber möchte erleben, wie die Enkelkinder heranwachsen. Ich hoffe, wir finden einen Weg, die Sache mit den Kindern zu verarbeiten. Ich hoffe, wir finden alle zusammen eine Möglichkeit, miteinander zu leben."

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Dezember 2020 | 07:30 Uhr

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