Mansfeld-Südharz Landrats-Stichwahl zwischen CDU-Kandidat und AfD-Kandidatin

Bisher ist Angelika Klein Landrätin für den Landkreis Mansfeld-Südharz. Bei der Stichwahl am Sonntag entscheiden die Bürger nun, ob Sachsen-Anhalts ehemaliger Finanzminister André Schröder (CDU) oder Unternehmerin Cathèrine Kayser (AfD) das Amt übernehmen soll.

Zweigeteiltes Bild, Links blonder Mann mit blauer Krawatte, rechts schwarzhaarige Frau in schwarzem Blazer
Landratswahl in Mansfeld-Südharz: André Schröder (CDU) oder Cathèrine Kayser (AfD)? Bildrechte: MDR/André Schröder/Corvuz Media:Kai Straubing

Im Landkreis Mansfeld-Südharz entscheidet sich am Sonntag, wer künftig die Geschicke des Landkreises lenkt. Zur Wahl stehen Cathèrine Kayser (AfD) und André Schröder (CDU). Die Stichwahl ist nötig, weil Sachsen-Anhalts früherer Finanzminister André Schröder bei der Wahl am 6. Juni zwar mit 33 Prozent die meisten Stimmen bekam. Der 52-Jährige verpasste aber die für den Wahlsieg nötige absolute Mehrheit. 

Die 42-jährige Unternehmerin Cathèrine Kayser erreichte mit knapp 22 Prozent den zweiten Platz. 2016 hatte sie für Die Linke als Bürgermeisterin der Gemeinde Seegebiet Mansfelder Land kandidiert, sich aber nicht durchsetzen können.

Wie man um die Gunst der Wähler zu Corona-Zeiten wirbt

Mundschutz und Abstand halten – das gilt auch für Cathèrine Kayser und André Schröder. Sie hat 30.000 Flyer drucken lassen und viele selbst verteilt. "Ich bin sehr viel unterwegs gewesen, auch zu Corona-Zeiten, und habe mit den Menschen vor Ort gesprochen, dort wo sie wohnen, wenn sie Rasen gemäht oder Sachen ins Auto eingeladen haben", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT.

Auch André Schröder war mit Flyern unterwegs, aber der Wahlkampf unterschied sich dann doch zu früheren, wie er sagt: "Wir haben sehr viel in den sozialen Medien gemacht, sehr vieles virtuell, es gab Veranstaltungen in den Gemeinderäten und Ortschaftsräten, die man besucht hat. Es war schon ein besonderer Wahlkampf."

Die letzten Tage bis zur Wahl sehen bei beiden sehr ähnlich aus. Cathèrine Kayser trifft noch verschiedene Vereine und Verbände. "Also der Tag könnte auch 48 Stunden haben", erzählt sie. Mittwochabend fand auf dem Sangerhäuser Marktplatz ihre Abschlusskundgebung statt. André Schröder besucht noch Heimatvereine, Sportvereine und Feuerwehren. Die sonst übliche Abschlusskundgebung lässt er ausfallen.

Wer ist Cathèrine Kayser?

Die 42-Jährige lebt in einem 300-Einwohner Ort im Seegebiet Mansfelder Land, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Unternehmerin zog vor knapp zehn Jahren aus Sachsen nach Sachsen-Anhalt. Nach eigenen Angaben ist sie selbstständig im Bereich Senioren-Service und hat einen Onlineshop mit Buchverkäufen.

Dem Landkreis möchte sie eine Zukunft geben, sagt sie. "Gerade die alten Menschen darf man nicht vergessen, die Bargeldversorgung auf dem Land ist ganz schwierig, der Ärztemangel", so Cathèrine Kayser. Sie möchte zudem den Tourismus voranbringen, die Bereiche Luther und Rosarium würden nicht ausreichen. Gegen die Unterfinanzierung des Landkreises wolle sie mit einer Verwaltungsreform und Druck auf das Land angehen.

Eine Frau mit langem dunklen Haar blickt in die Kamera.
Kommunikation, auch miteinander, ist Cathèrine Kayser sehr wichtig. Bildrechte: Corvuz Media/Kai Straubing

Zudem möchte sie die Digitalisierung voranbringen, da wurde einiges verpasst, wie sie MDR SACHSEN-ANHALT sagte. "Wir müssen modern denken, auch für unsere Jungen", wobei sie beispielsweise an freies Wlan denkt. Doch der wichtigste Punkt für sie: "Ich möchte die Abwanderung stoppen, möchte, dass die Menschen hier bleiben, hier wohnen, hier arbeiten, hier glücklich sind."

Ich möchte, dass die Menschen hier bleiben, hier wohnen, hier arbeiten, hier glücklich sind.

Cathèrine Kayser

Als Ortsbürgermeisterin hat sie in ihrem Ort erste politische Erfahrungen sammeln können, allerdings noch als Mitglied der Linken. 2019 hat sie die Partei verlassen, um in die AfD einzutreten. "Ich sehe das so, dass ich mich jetzt in einer Partei wiedergefunden habe, die sich für den kleinen Bürger einsetzt und auch wirklich das umsetzt, was sie in ihr Wahlprogramm geschrieben hat." In jeder Partei gebe es Strömungen, aber es liege an jeder Person selbst, wo sich derjenige in der Partei wiederfindet. Ihr ist wichtig: "Es ist eine Personenwahl" – und nicht die Wahl einer Partei.

Persönlich engagiert sich Cathèrine Kayser nach eigenen Angaben als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und im Feuerwehrförderverein. Seit 2019 ist sie sachkundige Bürgerin für Gesundheit und Soziales im Kreistag Mansfeld-Südharz und arbeitet in einer Bürgerinitiative mit.

Die Wahl am 6. Juni 2021 Wahlberechtigt waren 116.005 Menschen, davon gaben 66.116 ihre Stimme ab. André Schröder bekam 21.460 Stimmen, Cathèrine Kayser 14.135. Da niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhielt, findet am 20. Juni die Stichwahl statt. Die bisherige Landrätin Klein war nicht zur Wahl angetreten.

Wer ist André Schröder?

Der 52-jährige André Schröder lebt in Sangerhausen, wo er auch geboren wurde, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und seit 2020 arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion.

Schröder betont immer wieder, dass er ein Politik-Profi ist: 20 Jahre Erfahrung im Landtag für die CDU, Staatssekretär, Fraktionsvorsitzender und schließlich Finanzminister. Als Minister verantwortete er das Gesetz, das den Landkreisen eigentlich mehr finanziellen Spielraum einräumen sollte. "Das Finanzausgleichsgesetz 2016 war gut, es hat mehr Geld für den Landkreis gebracht, aber es kann natürlich nicht stehen bleiben", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

André Schröder wisse, wie eine Landesverwaltung tickt, hat zu vielen Politikern in Magdeburg noch beste Beziehungen. "Dass man in der Vergangenheit viele Funktionen hatte, dass man viele Erfahrungen einbringen kann in das Amt, dass man mit so viel Kompetenzvorsprung antritt" – das würden andere nicht gern sehen. "Also sucht man das Haar in der Suppe", so Schröder.

Ein Mann mit Krawatte lächelt in die Kamera.
André Schröder möchte seine Erfahrung für seine Heimat nutzen. Bildrechte: André Schröder

Und dieses sprichwörtliche Haar ist das Ende seiner Magdeburger Karriere, als er vor zwei Jahren den Ministerposten aufgab. Damals hatte ihm seine Landtagsfraktion das Vertrauen entzogen. Anlass waren neu entdeckte Risiken bei der Rettung der angeschlagenen Nord/LB, der Landesbank von Sachsen-Anhalt. Das Scheitern damals sieht er jetzt eher als positive Erfahrung. "So ein Politikerprofil mit Ecken und Kanten und nicht nur positiven Erfahrungen passt vielleicht ganz gut zu diesem Landkreis", sagt Schröder, und das würden auch viele Wähler so sehen.

Ich möchte meine Erfahrungen und Beziehungen gerne für meine Heimat einbringen.

André Schröder

Inhaltlich geht es ihm um drei große Punkte: die Wirtschaft voranbringen, Teilhabe für alle ermöglichen und solide Finanzen für den Landkreis erreichen. Bei der Wirtschaft sind ihm Bereiche wie schnelles Internet für alle, die weitere Erschließung von Industrie- und Gewerbeflächen und die Stärkung des Tourismus wichtig.

Teilhabe bedeutet für André Schröder eine flächendeckende medizinische Versorgung zu erhalten, keine Ausweisung zusätzlicher Windparks gegen den Willen der Bürger vornehmen zu lassen und eine bürgernahe, serviceorientierte Kreisverwaltung zu bekommen.

Solide Finanzen will er unter anderem durch eine ausreichende Finanzierung durch das Land anstreben und Kosten durch eine effektivere Verwaltung einsparen. "Ich möchte meine Erfahrungen und Beziehungen gerne für meine Heimat einbringen", so André Schröder.

Er engagiert sich nach eigenen Angaben für die Musikschule, hilft bei der Tafel, liest in Schulen Kindern vor und fördert beispielsweise das Europa-Rosarium in Sangerhausen.

MDR/Theo M. Lies, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Juni 2021 | 12:30 Uhr

10 Kommentare

Der Matthias vor 6 Wochen

@ aus Elbflorenz

"die sich für den kleinen Bürger einsetzt"

Was für eine Heuchelei! Ich erinnere nur an Überlegungen des sächsischen AFD-Fraktionschefs Urban, Menschen, die staatliche Transferleistungen erhalten (Hartz IV, BaFöG, Subventionen für Kleinunternehmen etc.) das Wahlrecht entziehen zu wollen. Diese neoliberale AFD tut nur dem Anschein nach so, als würde sie etwas für den kleinen Mann tun wollen, weil sie vor allem die Stimmen aus dem linken Protestwählerlager einsacken will. Das ist pure Augenwischerei! Nicht vergessen sollte auch, dass die AFD z.B. gegen eine Vermögenssteuer ist und sich ihren Wahlkampf in Teilen von Milliardären finanzieren lässt, die ihr Vermögen aus steuerrechtlichen Gründen lieber im Ausland 'geparkt' haben. Darunter Familien des Großkapitals (z.B. die von Fincks), deren Ahnen schon vor 80 Jahren den Wahlkampf eines gewissen A.H. und seiner Partei finanziert haben.

Caramba vor 6 Wochen

@J Mueller:
Wenn sie schon bei Konzepten sind:
Welche Konzepte hat denn die Dame von der AfD? Was ich von ihr gehört habe sind Allgemeinplätze, die jeder der zur Wahl steht genauso sagen würde. Oder wer will schon keinen Fortschritt und keine Bindung der Menschen an ihr Land?

Gerald vor 6 Wochen

Als Minister nicht mehr gut genug gewesen aber für Landrat soll es reichen? Muß man das verstehen? Die CDU scheint ein echtes Personalproblem im Landkreis Mansfeld-Südharz zu haben?

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