Fahrradhersteller in Sangerhausen Mifa und Sachsenring Bike: Neue finanzielle Sorgen im Kreis Mansfeld-Südharz

Die Fahrradproduktion in Sangerhausen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Drei Nachwende-Insolvenzen haben die Mitarbeiterzahlen dezimiert und die Marke Mifa schwer geschädigt. Der neue Eigentümer Sachsenring Bike GmbH steckt in Schwierigkeiten – wie auch der Landkreis Mansfeld-Südharz selbst.

Verpackte Fahrräder
Wieder gibt es Wirbel um debn Fahrradbau in Sangerhausen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Die Zukunft des Fahrradbaus in Sangerhausen steht erneut auf der Kippe. Der Kreistag von Mansfeld-Südharz hat dem Mifa-Nachfolger Sachsenring Bike Manufaktur GmbH jetzt ein Ultimatum gestellt. Landrätin Angelika Klein (Die Linke) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Mittwoch, sollte das Unternehmen nicht bis zum 1. Dezember seine Mietrückstände begleichen und beim Brandschutz nachbessern, werde man den Gewerbemietvertrag kündigen. Das hat der Kreistag am Donnerstag im nichtöffentlichen Teil der Sitzung einstimmig beschlossen. Die offenbar finanziell angeschlagene Sachsenring Bike GmbH hat Mietschulden in Höhe von knapp 100.000 Euro beim Landkreis.

Doch bei dem Streit gibt es noch ein weiteres Problem: Denn seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs Ende Oktober gehört das Grundstück gar nicht mehr dem Landkreis, sondern zur Konkursmasse der früheren Mifa AG.

Kauf des Mifa-Geländes war unrechtmäßig

Zur Erinnerung: Um eine drohende Pleite der Mifa AG im Jahr 2014 abzuwenden, entschloss sich der Landkreis Mansfeld-Südharz zu einem ungewöhnlichen Schritt. Um die Arbeitsplätze zu retten, kaufte die Verwaltung das traditionsreiche Betriebsgelände in der Sangerhäuser Innenstadt für 5,7 Millionen Euro. Dann vermietete sie das Areal wieder an die Mifa zurück. Der Plan ging nicht auf. Das Geld versickerte und das Insolvenzverfahren wurde trotzdem eröffnet.

Weil die Insolvenz damals bereits absehbar war, hätte das Areal nach Ansicht von Insolvenzverwalter Lucas Flöther aber gar nicht verkauft werden dürfen. Nach dem Oberlandesgericht Naumburg bestätigte nun auch der Bundesgerichtshof dessen Einschätzung, dass der Verkauf rechtswidrig war.

Das damals gezahlte Geld wird der Landkreis dennoch nicht wieder bekommen, sagt Landrätin Angelika Klein. "Wir sind nicht mehr Herr des Verfahrens. Wir können die 5,7 Millionen Euro, die der Landkreis damals ausgegeben hat, nur in die Insolvenzmasse mit einbringen. Vielleicht bekommen wir dann irgendwann mal 57.000 Euro raus", sagt sie.

Rettung wird zum teuren Boomerang

Und es kommt noch schlimmer für den Landkreis Mansfeld-Südharz. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, muss der Landkreis nun nicht nur die Flächen an den Insolvenzverwalter zurückgeben, sondern auch zwischenzeitlich erhaltene Mieten zurückzahlen. Hinzu kommen Zinsen und Gerichtskosten. Insgesamt stehen nach MZ-Angaben dabei knapp 500.000 Euro im Raum.

Nach der Insolvenz der Mifa AG im Herbst 2014 stieg die Unternehmerfamilie von Nathusius beim Fahrradbauer ein. Die baute neu und das Grundstück im Zentrum lag weitgehend brach. Kurze Zeit später war der Fahrradhersteller aber wieder insolvent. Seit 2017 versucht sich der fränkische Unternehmer Stefan Zubcic mit der Sachsenring Bike Manufaktur an der Fahrradproduktion in Sangerhausen. Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben rund 180 Mitarbeitende. Das Unternehmen kehrte in die alten Mifa-Hallen zurück. Offenbar wenig erfolgreich, wie die Mietschulden beim Landkreis belegen.

Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Sachsenring Bike

Doch auch wenn der Mietvertrag – wie vom Kreistag beschlossen – gekündigt werden sollte, ist der Fortgang des Fahrradbaus in Sangerhausen offen. Denn an dieser Stelle kommt Flöther, der Insolvenzverwalter der alten Mifa AG, wieder ins Spiel. Der will das Grundstück, das ihm zugesprochen wurde, auch verwerten. Dazu äußern will er sich derzeit nicht. Doch es heißt, dass Flöther mit Stefan Zubcic, dem jetzigen Nutzer und Inhaber von Sachsenring Bike, bereits über einen neuen Pachtvertrag für das Areal verhandelt. Bestätigen wollen das beide aber nicht.  

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. November 2020 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Andreas vor 48 Wochen

Gut gemeinte Unterstützung oder Aktionismus kurz vor einer anstehenden Wahl?
Hätte man die öffentlichen Gelder, die über Jahre an MIFA & Sachsenring geflossen sind, gleich den betroffenen Mitarbeitern gegeben, hätte man diese über Jahre auf diese Weise bezahlen können. Aber dann nicht so schlecht wie es der besagte Arbeitgeber stets getan hat...

part vor 48 Wochen

Ein Bundesgerichtshof und ein OLG bestätigen, das der Versuch durch staatliche Mittel regionale Arbeitsplätze zu retten rechtswirdrig war. Eine seltsame Entscheidungsfindung oder Gesetze zu Konkursverfahren, die endlich einer Bearbeitung bedürfen durch die Legislative. Anscheinend ist das Leichenfleddern von Unternehmen höher zu bewerten als die Rettung von unzähligen einzelnen Existenzen. Dabei ist doch die staatliche Subventionierung von Unternehmen nicht nur aus China bekannt und führt unter westlichen Partnern regelmäßig zu Strafzöllen unereinander.

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