Landgericht Halle Besonders schwerer Betrug: Prozessauftakt gegen Ex-Chef von Mifa

Am Landgericht Halle hat der Prozess gegen den ehemaligen Vorstandschef des Fahrradbauers Mifa Sangerhausen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Manager besonders schweren Betrug in zehn Fällen vor.

Sieben Jahre nach der Insolvenz des traditionsreichen Fahrradbauers Mifa aus Sangerhausen, muss sich der damalige Vorstand nun vor dem Landgericht Halle verantworten. Wie das Gericht mitteilte, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann besonders schweren Betrug vor.

Der Ex-Manager soll willentlich und wissentlich veranlasst haben, dass Angaben zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Firma über Jahre hinweg falsch oder verschleiert dargestellt worden sind. Der Angeklagte hatte 1996 mit einem Teilhaber den Fahrradbauer übernommen. 2004 war das Unternehmen an die Frankfurter Börse gegangen. Er war bis zum Frühjahr 2014, als Ungereimtheiten der damals börsennotierten Firma aufgedeckt wurden, alleiniger Vorstand.

Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Der frühere Vorstand des Fahrradbauers Mifa Sangerhausen sitzt in einem Saal des Landgerichtes.
Zum Prozessauftakt hat der Ex-Manager von Mifa geschwiegen. Bildrechte: dpa

Dadurch seien Kapitalanleger getäuscht und somit finanziell auch geschädigt worden. Durch das Handeln des Angeklagten sei ein Schaden insgesamt von rund vier Millionen Euro entstanden, sagte Staatsanwalt Tobias Günther zum Prozessauftakt. Der 65-jährige Angeklagte selbst habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert.

Kurz nach Beginn des Prozesses wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung vorübergehend ausgeschlossen. Begründet wurde dies mit der persönlichen Situation des Angeklagten. Mit einem schnellen Prozessende ist derweil nicht zu rechnen – das Landgericht hat zunächst bis Ende August Verhandlungstermine anberaumt.

Zeuge bestätigt Differenzen in Bilanz

Ein Wirtschafts- und Steuerprüfer sagte als erster Zeuge in dem Prozess aus. Der Finanzexperte war nach eigenen Angaben im März 2014 vom damaligen Mifa-Aufsichtsrat als Vorstandschef eingesetzt worden. Er habe die Lage der Firma überprüft. In der Bilanz 2013 seien größere Differenzen aufgetaucht.

Statt eines vorhergesagten Verlusts von einer Million Euro seien es 14 Millionen Euro gewesen, sagt er. Er habe versucht, im Gespräch mit dem Land, Banken, mit einer Unternehmensberatung, die Firma am Laufen zu halten. Hoffnungen waren mit dem Einstieg von Investoren aus Indien verbunden. Dieses Geschäft kam aber nie zustande.

Rettungsversuch scheiterte

Um das Unternehmen doch noch vor einer Pleite zu retten, hatte der Landkreis Mansfeld-Südharz daraufhin das Konzerngelände gekauft und an Mifa wieder günstig vermietet. So sollten die Ausgaben des Landkreises wieder eingenommen werden, während Mifa kurzfristig solvent blieb.

Doch der Plan ging nicht auf, Mifa musste Insolvenz anmelden. Nach der Insolvenzanmeldung musste der Landkreis das Gelände dann in die Insolvenzmasse geben – ohne die Ausgaben von rund sechs Millionen Euro zurückzubekommen.

Durch weitere Pleiten der Nachfolgeunternehmen war das Grundstück, die Produktionshallen und die Werksmaschinen in den Folgejahren in unterschiedliche Hände gelangt. Der letzte Besitzer, die Sachsenring Bike GmbH, hatte Mitte November 2020 Insolvenz angemeldet. Damit erlebte das Fahrradwerk die dritte Insolvenz in nur sechs Jahren.

Neue Investoren setzen auf E-Bikes

Erst Anfang des Jahres konnte sich der Insolvenzverwalter mit einer Investorengruppe auf den neuerlichen Verkauf des angeschlagenen Unternehmens einigen. Die neuen Besitzer des traditionsreichen Fahrradwerks bauen zwar weiter Zweiräder in Sanghausen, allerdings mit stark reduzierter Belegschaft: Nur 75 der vor der letzten Insolvenz noch 120 Mitarbeiter durften bleiben. Sie sollen in den nächsten Jahren ausschließlich E-Bikes produzieren.

Die Fahrradproduktion hat in Sangerhausen eine mehr als 110 Jahre lange Tradition. Das Unternehmen galt über viele Jahre als einer der absatzstärksten Fahrradhersteller in Deutschland. In der Region im Südharz war Mifa seit Generationen einer der größten Arbeitgeber.

MDR/Thomas Tasler, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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