Handel Sangerhausen will "Fairtrade Town" werden

Die Stadt Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz will fairen Handel stärker in das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten rücken und bewirbt sich um den Titel "Fairtrade Town". Am Montag fand dazu eine Auftaktveranstaltung statt. Sangerhausen muss bestimmte Kriterien erfüllen, um "Fairtrade Town" zu werden. Vier Städte in Sachsen-Anhalt tragen diesen Titel schon.

Platz in einer Stadt
Die Stadt Sangerhausen bewirbt sich um den Titel "Fairtrade Town". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz bewirbt sich um den Titel "Fairtrade Town". Die Stadt will das Thema fairer Handel stärker ins Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten rücken. Am Montagabend gab es eine Auftaktveranstaltung zum Projekt "Fairtrade Town", an der etwa 15 Menschen teilgenommen haben.

Das sind "Fairtrade Towns" Bei dem kommunalen Gemeinschaftsprojekt machen sich Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft gemeinsam für fairen Handel stark. Die Kampagne bündelt Aktionen zu dem Thema und stößt neue Projekte an.

Um den Titel "Fairtrade Town" können sich Städte, Bezirke, Kommunen, Kreise und Bundesländer bewerben. Die Teilnahme am Projekt ist kostenlos. Um den Titel zu erhalten, müssen fünf Kriterien erfüllt sein. Die Kriterien sind weiter unten aufgeführt.

Fairtrade muss keine Frage des Preises sein

Fairer Handel bedeutet, dass die Hersteller und Herstellerinnen der verkauften Produkte bei guten Arbeitsbedingungen auch gut bezahlt werden. Im konventionellen Handel, beispielsweise auf Kakao- oder Kaffeeplantagen, seien die Arbeitszeiten extrem lang und die Löhne sehr gering, wodurch oft die ganze Familie mitarbeiten müsse, sagt Anke Scholz vom "Eine Welt Netzwerk Sachsen-Anhalt".

In Sangerhausen wirbt Scholz für bewussten Konsum. Das Argument, dass man sich faire Produkte erstmal leisten können muss, lässt sie nicht gelten. "Klar, kann ich mir überlegen, ob ich bereit bin 20 Cent mehr für Fairtrade-Schokolade auszugeben. Oder ich esse nicht jeden Tag eine Tafel Schokolade, sondern nur jeden zweiten und dann kann ich mir auch Fairtrade-Schokolade leisten", sagt Anke Scholz.

Das sind die fünf Kriterien für eine "Fairtrade Town"

  1. Die Kommune verabschiedet einen Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels. Bei allen Sitzungen werden fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel ausgeschenkt.
  2. Die Gemeinde bildet eine Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten auf dem Weg zur "Fairtrade Town" und darüber hinaus koordiniert. Diese Gruppe besteht aus mindestens drei Personen.
  3. Im lokalen Einzelhandel und in der Gastronomie werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten. Die Zahl der Betriebe orientiert sich an der Einwohnerzahl.
  4. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine oder Kirchengemeinden setzen Informations- und Bildungsaktivitäten zu fairen Handel um und bieten fair gehandelte Produkte an.
  5. Die Steuerungsgruppe macht Öffentlichkeitsarbeit über die Aktivitäten zum Thema Fairtrade in der Kommune. Lokale Medien berichten über die Ereignisse.

In Sangerhausen müssen beispielsweise in sieben Geschäften und in vier Gastronomiebetrieben faire Produkte angeboten werden, damit die Stadt die Titel "Fairtrade Town" erhält.

Sangerhausen will Bewusstsein schaffen

Kristian Cierpka-Reisch von der Stadt Sangerhausen ist optimistisch, dass Fairtrade auch in seiner Stadt funktioniert: "Wir haben nicht den Anspruch, dass jede einzelne Kaufentscheidung dadurch geändert werden muss." Der Erfolg liege darin, ein Bewusstsein für fairen Handel zu schaffen, sagt Reisch. In vier Wochen trifft sich die Projektgruppe wieder.

Vier Städte in Sachsen-Anhalt tragen schon den Titel "Fairtrade Town". Das sind: Magdeburg, Halle, Wernigerode und Wittenberg. Neben Sangerhausen ist auch Dessau-Roßlau auf dem Weg zu "Fairtrade Town".

MDR/Fabian Brenner, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. September 2021 | 15:10 Uhr

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