Wirtschaft Warnstreik bei Aryzta in Eisleben: Beschäftigte fordern höhere Löhne

Einen Stundenlohn von 10,81 Euro erhalten laut Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten viele Beschäftigte im Aryzta-Werk in Eisleben. Für Dienstag ist ein Warnstreik ausgerufen – mit dem Ziel, die Löhne zu erhöhen.

Der Produktionsstandort der Back-Firma Aryzta in Eisleben.
Der Produktionsstandort des Backwarenproduzenten Aryzta in Eisleben. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Den ostdeutschen Werken von Europas größtem Tiefkühlbackwarenproduzenten Aryzta stehen ungemütliche Tage ins Haus. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte, ruft sie am Dienstag zu einem Warnstreik im Werk in Eisleben auf. Schon seit Montagmorgen streiken etwa 100 Beschäftige am Standort Nordhausen in Thüringen.

Hintergrund ist laut NGG, dass viele Beschäftigte für ihre Schicht-Arbeit einen Stundenlohn von 10,81 Euro erhalten. Die Gewerkschaft fordert, die untere Lohngruppe auf mindestens 13 Euro anzuheben und die anderen Lohngruppen entsprechend nach oben anzupassen.

NGG-Forderung: Minimum 13 Euro Stundenlohn

Jörg Most, Geschäftsführer der NGG Leipzig-Halle-Dessau, verweist in einer Mitteilung darauf, dass in den westdeutschen Standorten von Aryzta deutlich höhere Löhne gezahlt würden. Das müsse auch an den Standorten in den neuen Bundesländern möglich sein, denn dort werde keine andere Arbeit geleistet.

Most sagte laut Mitteilung: "Niedriglohn Ost muss endlich ein Auslaufmodell sein. 13 Euro Stundenlohn sind mindestens nötig, um aus dem Niedriglohn herauszukommen und später in der Rente nicht auf Sozialleistungen angewiesen zu sein."

Streik 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 02.08.2021 19:00Uhr 01:56 min

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Orientieren am Flächentarifvertrag "Brotindustrie Ost"

Für andere Backwarenproduzenten in den ostdeutschen Bundesländern gebe es den Flächentarifvertrag "Brotindustrie Ost". Dieser sehe in der untersten Lohngruppe derzeit einen Stundenlohn von 13,40 Euro vor. Dieser Betrag solle auch in Eisleben und Nordhausen erreicht werden.

In der vorerst letzten Tarifverhandlung für die ostdeutschen Standorte Eisleben und Nordhausen am 19. Juli konnte kein Ergebnis erzielt werden. Der Streik im Werk Eisleben sollte laut NGG am Dienstag um 4:30 Uhr beginnen und soll bis etwa 14 Uhr dauern.

Quelle: MDR/Gero Hirschelmann, Martin Moll

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. August 2021 | 07:00 Uhr

5 Kommentare

Matthi vor 11 Wochen

Arbeitet um jeden Preis, das ist immernoch die Meinung vieler Ostdeutscher. Dazu kommt noch das die Agentur für Arbeit, ARGE genug Arbeitslose und zu vermittelnde Arbeitnehmer/in in jede Arbeit drängt egal wie bescheiden bezahlt wird und die Politik schaut weg.

Matthi vor 11 Wochen

Der Lohn liegt minimal über Mindestlohn den jeder bekommt egal ob er einen Beruf gelernt hat oder nicht. Da muss sich doch kein Unternehmen wundern wenn sie keine Fachkräfte bekommen. Mich würde mal interessieren ob in der Chefetage auch 10,81€ Stundenlohn gezahlt wird. Da anscheinend Gewerkschaften und Unternehmen es nicht schaffen innerhalb eines Konzerns in Deutschland sich auf gleiche Löhne zu einigen sollte der Gesetzgeber sich damit befassen, es sei denn die Ostdeutschen Bundesländer sollen weiter Billiglohnland bleiben mit Fachkräftemangel.

Rotti vor 11 Wochen

Löhne sind immer Sache der Vertragspartner.
Wenn es aber Ungleichheiten zwischen vergleichbaren Stellen an anderen Standorten und einen Tarifvertrag gibt, dann ist wohl was ganz falsch gelaufen!
Da sollte sich die Gewerkschaft mal an die eigene Nase fassen lassen!

Und so ein Unternehmer muss dann nicht klagen, wenn er keine vernünftigen Fachkräfte bekommt.
10 Euro pro Stunde sind 1600 im Monat. Wer Familie hat, kann davon kaum leben.
Und, ich bin strikt dagegen, sogenanntes Aufstocken zu subventionieren! Damit ist Lohndumping Tür und Tor geöffnet.
Ich kenne Familien in Italien, da arbeiten die Leute in zwei Jobs. Zum Beispiel vormittags Lehrer, nachmittags Anwalt. Warum nicht auch hier?

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