Fund in Mücheln Bronzeschatz auf Ebay eingestellt – Raubgräber zu Geldstrafe verurteilt

Ein Mann aus Querfurt hat am Dienstag vor dem Amtsgericht Merseburg gestanden, eine 3.100 Jahre alte Bronzetasse illegal in Sachsen-Anhalt geborgen und dann versucht zu haben, diese im Internet zu verkaufen. Der 39-jährige Täter muss jetzt 6.000 Euro Strafe zahlen.

Bronzetasse
Um diese Bronzetasse geht es im Prozess des Raubgräbers in Merseburg. Bildrechte: Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd

Ein Mann aus Querfurt wurde wegen Unterschlagung eines 3.100 Jahre alten Bronzeschatzes am Dienstag vom Amtsgericht Merseburg zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt. Der 39-jährige Angeklagte gestand, den Fund in Mücheln geborgen zu haben. Bei der Geldstrafe bezog das Gericht eine Vorstrafe mit ein.

Bei dem unterschlagenen Artefakt handelt es sich um eine Bronzetasse, in der sich drei bronzene Anhänger sowie 94 kleine Beschläge und Gürtelschnallen aus Bronze befanden. Die Stücke wurden Mitte September 2018 auf einer Internetplattform zum Kauf angeboten. Ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger wurde darauf aufmerksam und benachrichtigte das Landesmuseum.

Bronzetasse
Diese 3.1000 Jahre alte Bronzetasse wurde mitsamt der wertvollen Beigaben illegalerweise auf Ebay eingestellt. Bildrechte: Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd

Die Frage nach dem Fundort

In einer ersten Vernehmung hatte der Angeklagte zunächst lediglich eingeräumt, die Stücke gefunden zu haben. Er sagte jedoch aus, dass er sie nicht in Sachsen-Anhalt, sondern in Bayern geborgen hätte, teilte ein Sprecher des Amtsgerichtes Merseburg mit. Während in Sachsen-Anhalt archäologisch wertvolle Funde dem Land gehören und somit entschädigungslos abgegeben werden müssen, können in Bayern die Stücke gehandelt werden. Der Gewinn wird dort zwischen Finder und Grundstückseigentümer geteilt.

Personen in Gerichtssaal
Vor Gericht galt zu klären, wo der Bronzeschatz gefunden wurde. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Hätte sich diese Aussage bewahrheitet, wäre der Vorwurf der Unterschlagung haltlos gewesen. Allerdings hatte der Angeklagte bis zur Verhandlung nicht verraten, wo er die Stücke in Bayern entdeckte.

Vor der Verhandlung gingen die Ermittler bereits davon aus, dass der Mann die Stücke im südlichen Saalekreis mit einem Metalldetektor geortet und ausgegraben habe. Um zu beweisen, dass der Schatz von hier stammt, wurde ein Bodengutachten erstellt.

Eine historische Bronzetasse

Die Bronzetasse wurde nach Angaben des Landesmuseums samt Inhalt als Opfer an die Götter im Boden vergraben. "Beschläge und Anhänger gehörten zu einem Pferdegeschirr, das Leder ist natürlich nicht mehr vorhanden", sagte Landesarchäologe Harald Meller. Bei der Tasse handele es sich um den Typ "Fuchsstadt".

Raubgräber – ähnlich wie bei der Himmelsscheibe von Nebra

Himmelsscheibe von Nebra
Auch bei der Himmelsscheibe von Nebra gab es Ärger mit Raubgräbern. Bildrechte: imago/Köhn

Die Fundortverlagerung von archäologischen Funden ist den Angaben nach bei sogenannten Sondengängern ein beliebtes Mittel, um straffrei zu bleiben. Außerdem führt man so auch die Konkurrenz der Raubgräber in die Irre. So war es auch im Prozess um die über 3.600 Jahre alte "Himmelsscheibe von Nebra" vor mehr als 15 Jahren. Der Schatz wurde 1999 von Raubgräbern mit Metallsuchgeräten entdeckt. Erst 2002 stellte die Schweizer Polizei die Bronzescheibe in einem Hotel sicher. Sie gehört heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und gilt als die älteste bisher bekannte konkrete Darstellung des Kosmos.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. September 2020 | 08:00 Uhr

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