Corona-Pandemie Klinik in Merseburg: Überlastetes Personal und jüngere Patienten

Intensivmediziner schlagen seit Wochen Alarm – die Belegung der Betten sei an der Grenze, bei weiter steigenden Corona-Fallzahlen sei das Patientenaufkommen bald nicht mehr zu bewältigen. Wie es Ärzten und Pflegepersonal in eher kleinen Kliniken geht, zeigt ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt.

Intensivstation
Die Situation ist auf vielen Intensivstationen schwierig. Eines der größten Probleme: Es sind mehr jüngere Patienten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der mittlerweile dritten Welle der Pandemie sind viele Ärzte und Pflegekräfte auf den Intensivstationen an ihrer Belastungsgrenze – physisch und psychisch. Auch für das Personal des Carl-von-Basedow-Klinikums in Merseburg gibt es im Augenblick kaum Atempausen und der Ausblick auf die kommenden Wochen bereitet Sorgen.

Auf der Intensivstation (ITS) ist der Corona-Druck gerade am größten. Vor kurzem musste sich die Klinik in Merseburg bei der Rettungsleitstelle abmelden – kein Platz für neue Notfälle, alle 16 Intensiv-Betten waren belegt.

"Es ist halt anstrengender. Und mit diesen ganzen Isolationsmaßnahmen", sagt Krankenschwester Josephine. "Die psychische Belastung ist definitiv auch höher", ergänzt ihre Kollegin Marie. Manchmal würden sich die Patienten selbst von der Beatmung trennen. Gerade bei der nicht-invasiven Beatmung würde dann jede Sekunde zählen. "Durch das An-und Ausziehen vergeht natürlich kostbare Zeit! Manchmal hat man das Gefühl, dass man vielleicht nicht schnell genug in dem Patientenzimmer war", sagt Marie und dreht sich dabei zur Seite.

Geplante Operationen werden verschoben

Auch in Merseburg mussten planbare Operationen aufgeschoben werden. Die Klinik im Saaalekreis hat sich mit anderen Kliniken aus dem Raum Halle zu einem Verbund zusammen getan, um gemeinsam mit den kooperierenden Krankenhäusern zumindest die Operationen zu schaffen, die nicht warten können. Ein Modell, das sich bisher bewährt hat. Doch die Situation ist auf vielen Intensivstationen schwierig – in vielen Bundesländern, nicht nur in Sachsen-Anhalt.

Eines der größten Probleme: "Es sind mehr jüngere Patienten. Erschreckenderweise geht es auch bis in die Jahrgänge unter 30", sagt der Chefarzt der Covid-Stationen, Sven-Uwe Hake. "Sie sind im Alter meiner Kinder." Das gehöre inzwischen leider zum Alltag der Ärzte und Pfleger.

Zudem liegen jüngere Covid-Patienten mit schweren Verläufen länger auf den Intensivstationen. Es ist ein täglicher Kampf, Intensivbetten für die täglichen Notfälle frei zu haben, die nichts mit Corona zu tun haben und die ebenso täglich hereinkommen – so wie auch zu normalen Zeiten.

Immer jüngere Patienten und längere ITS-Aufenthalte

Außerdem sei der Anteil an Covid-19-Patienten, die auf die Intensivstation kommen, viel höher als in den vergangenen beiden Wellen. "Das stellt uns vor das Problem, dass das, worauf wir uns eigentlich vorbereitet haben: nämlich viele Plätze auf peripheren Normalstationen bereitzuhalten, gar nicht der Schlüssel zum Erfolg ist", erklärt der Leiter des Notfallzentrums, Hartmut Stefani. "Wir ringen jetzt eher darum, genügend Intensivkapazitäten bereitzuhalten."

Dafür sorge vor allem die britische Mutation des Coronavirus. Diese sei für 90 Prozent der Fälle im Merseburger Klinikum verantwortlich. "Das zeigt sich ja auch an der Krankheitsschwere, die wir hier haben, die zugenommen hat, und an der ITS-Pflichtigkeit", sagt Ärztin Jule Wenke Winkler von der Krankenhaushygiene. Die Patienten gingen zu mindestens einem Drittel über die ITS, bevor sie dann auf der Normalstation weiter ausheilen könnten.

Patienten leiden unter Isolation

Das alles sorgt dafür, dass das Personal im Krankenhaus erschöpft und ausgelaugt ist. Die Pflegerinnen und Pfleger sind dazu ebenfalls stark psychisch belastet – weil sie sehen, wie sehr die Patienten auch unter ihrer Isolation leiden.

"Man versucht sich natürlich die Zeit zu nehmen", sagt Krankenpflegerin Marie. Die Patienten bekämen keinen Besuch. Ihnen fehle jeglicher Kontakt zur Familie und zu Angehörigen. "Dann sind natürlich wir gerade als Pflegepersonal gefragt, und natürlich sollte man sich die Zeit nehmen." Auch wenn diese oft nicht bleibe. Es gehe um Dinge wie die Hand zu halten und Mut zu zusprechen. "Das ist mir persönlich auch sehr wichtig."

Doch auch der Ausblick auf die kommenden Wochen bereitet Sorgen: "Wenn es jetzt zu einem weiteren Anstieg der Covid-19-Intensivpatienten kommt, dann kommt es natürlich auch immer häufiger zu der Konkurrenz: Covid-19-Patienten, Herzinfarkt-Patient, Verkehrsunfallopfer, Schlaganfallpatient", sagt der Leiter des Notfallzentrums, Hartmut Stefani. Diese konkurrierten um das Intensivbett. Es gehe um die Entscheidung: Wer bekomme das Bett? "Und davor haben wir Angst!"

Quelle: MDR exakt/ mpö

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 21. April 2021 | 20:15 Uhr

5 Kommentare

AlexLeipzig vor 7 Wochen

Faultier, Halle ist eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Kritische hat schon vollkommen Recht, sehen Sie nach Leipzig, Dresden, Jena, Potsdam u.s.w. Ich schreibe hier mal lieber nicht den alten Kalauer-Spruch über Halle, dafür ist das Thema leider zu ernst...

Jan vor 7 Wochen

Das beste ist es, wenn erst gar keine oder nur wenige Patienten mit Corona in den Intensivstationen aufgenommen werden. Jeder einzelne kann durch sein verantwortungsvolles Handeln einen Beitrag dazu leisten, dass sich dieses Virus nicht so rasant verbreitet und somit die Anzahl derer erhöht, die Krankenhäusern behandelt werden müssen

faultier vor 7 Wochen

Und Warum hatt den Halle seid Anfang der Pandemie mit die höchsten Zahlen in Sachsen -Anhalt? Teilweise doppelt so hoch wie der Bördekreis Irgendetwas stimmt mit ihrer Aussage so wohl nicht.

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