Grube Teutschenthal Gestank im Saalekreis: "Er läuft dunkelrot an und hustet sich kaputt"

In der Grube Teutschenthal werden seit Jahren Industrieabfälle eingelagert. Seit vielen Monaten stinkt es in der Umgebung. Das macht die Anwohner nach eigenen Angaben krank, besonders die Kinder leiden – so auch der siebenjährige Schwimmer Valentin.

Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind auf einer Couch.
Valentin und seine Mutter. Sie gehen so gut es geht mit Valentins Atemwegserkrankung um. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Valentin ist sieben Jahre alt und war eigentlich immer gesund. Er geht jede Woche zum Schwimmtraining, bringt Medaillen mit nach Hause. Sein Ziel: Olympia. Doch jetzt macht sich seine Mutter große Sorgen, denn seit Oktober geht es Valentin oft nicht gut. "Es ist so, dass bei größeren Anstrengungen, besonders wenn er rennt, seine Bronchien zu machen und er plötzlich sehr schlecht Luft kriegt, dunkelrot anläuft und sich kaputt hustet", sagte Andrea Wilsdorf MDR SACHSEN-ANHALT.

Die Familie wohnt in Angersdorf und damit in Reichweite der Grube Teutschenthal. Die ist einsturzgefährdet und wird deshalb seit Jahren verfüllt – mit Müll. "Als das das erste Mal passiert ist, war ich sehr erschrocken von diesem erstickungsartigen Husten", erzählt Valentins Mutter. Ihr fiel zum Glück ein, wie sie ihm helfen kann.

"Bei solchen Bronchialkrämpfen sollte man kalte Luft atmen. Und da habe ich ihn in den Kühlschrank reinatmen lassen und da hat es sich beruhigt." Doch am nächsten Tag hatte ihr Sohn in der Schule wieder einen solchen Anfall, dann ging es zur Kinderärztin. Und die diagnostizierte die Atemwegserkrankung Pseudokrupp. Bei der Krankheit schwellen die Atemwege an und man hat das Gefühl zu ersticken.

Das riecht nach verbranntem Gummi.

Valentin, 7 Jahre

Der Geruch, der möglicherweise zu Valentins Krankheit geführt hat, plagt die Menschen in Teutschenthal und Umgebung schon seit Monaten. Viele berichten von tränenden Augen, Kopfschmerzen, Magen- und Atemproblemen. Er riecht massiv metallisch, dazu süßlich-faulig und man könnte den Gestank für Gülle halten. Valentin beschreibt ihn so: "Das riecht nach verbranntem Gummi".

Geruch "neutralisieren"

Ende November hat der Grubenbetreiber "Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG" (GTS)  nun eine Anlage in Betrieb genommen, die den Gestank neutralisieren soll. Mit deutlicher Wirkung – heißt es vom Betreiber. Die Anwohner sagen jedoch, dass die noch nicht eingetreten ist. Es würde noch immer stinken.

Am Donnerstag trafen sich nun der Petitions-, der Umwelt- und der Wirtschaftsausschuss vor Ort am Schacht. Auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann hat die Grube zum mittlerweile zweiten Mal besucht. Für die Anwohner wieder ein Anlass zu demonstrieren – denn sie fühlen sich seit Monaten verraten und verkauft, haben schon zwei Petitionen beim Landtag eingereicht.

Einlagerungsstopp von Fraktionen gefordert

Ein Ergebnis aus dem nicht-öffentlichen Teil der Gespräche haben die Teilnehmer nicht verraten. Nur so viel: "Wir sind positiv gestimmt. Alles, was erforderlich ist, wird veranlasst", hieß es von der Vorsitzenden des Petitionsausschusses. Sie sei vom Gestank vor Ort überrascht gewesen, so Christina Buchheim. "Es war heftig, das habe ich mir so nicht vorstellen können." Fraktionsübergreifend fordern nun unter anderem SPD und Grüne einen Einlagerungsstopp für die Grube Teutschenthal.

Grundschüler Valentin nutzen die Forderungen und Versprechen nichts. Er muss bis auf weiteres früh und abends ein Spray nehmen, die Anfälle kommen trotzdem. Immer, wenn er rennt und der Gestank herrscht, geht sein aggressiver Husten wieder los. Ist der Siebenjährige aber beim Schwimmtraining in der Halle, sei trotz aller Anstrengung alles in Ordnung.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2018 | 07:30 Uhr

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