Größtes Flugzeug der Welt Ukraine bestätigt Zerstörung der Antonov An-225

Das größte Flugzeug der Welt, die Antonov An-225, war regelmäßig am Flughafen Leipzig/Halle zu Gast. Nun wurde es im Krieg Russlands gegen die Ukraine zerstört. Weitere Antonovs müssen auf dem Flughafen Leipzig/Halle am Boden bleiben.

Eine Antonov ist auf dem Leipziger Flughafen gelandet
Das größte Flugzeug der Welt wurde zerstört. Bildrechte: Leipzig-Halle Airport, Uwe Schoßig

Das größte Flugzeug der Welt, die Antonov An-225, wurde im Krieg zwischen Russland und der Ukraine offenbar zerstört. Das gab der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Der auch "Mriya" genannte Riesenflieger landete und startete in der Vergangenheit regelmäßig auf dem Flughafen Leipzig/Halle.

"Russland hat unsere 'Mriya' zerstört. Aber es wird niemals unseren Traum von einem starken, freien und demokratischen europäischen Staat zerstören können", schrieb Kuleba.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt einen beschädigten Flugzeughangar, der durch die Luftangriffe und schweren Kämpfe rund um den Flughafen Kiew-Hostomel beschädigt wurde.
Aktuelle Satellitenaufnahme des Antonov-Flughafens Gostomel bei Kiew zeigen die Zerstörungen nach den russischen Angriffen. Bildrechte: dpa

Bislang gibt es keine bestätigten Bilder oder Videos des Vorfalls. Lediglich eine Aufnahme eines brennenden Hangars, in dem die Maschine der Antonov Airlines normalerweise parkt.

Schon seit einigen Tagen gibt es immer wieder Meldungen über Kämpfe um den Flughafen Gostomel bei Kiew, auf dem die ukrainischen Antonovs stationiert sind. So hieß es vom ukrainischen Generalstab, in der Nacht zu Freitag habe die russische Armee versucht, 200 Mann ihrer Luftlandetruppen dort abzusetzen. Der ukrainischen Armee sei es jedoch gelungen, die Landung des Hauptkontingents abzuwehren. Inzwischen soll der Flughafen aber unter russischer Kontrolle stehen.

Auch wenn alles dafür spricht, dass das Flugzeug bei dem Angriff zerstört wurde, hält sich die Antonov Company mit einer endgültigen Bestätigung der Zerstörung noch zurück. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die meisten Mitarbeiter inzwischen evakuiert wurden und es derzeit keinen Zugang zu den Hangars gibt.

An-225 konnte nicht mehr ausgeflogen werden

Während Antonov Airlines den Daten des Onlinedienstes Flightradar 24 zufolge einen Großteil seiner Flotte vor dem Angriff Russlands ins Ausland retten konnte, stand die An-225 seit Anfang Februar wegen Wartungsarbeiten in Gostomel und konnte nicht mehr rechtzeitig ausgeflogen werden.

Angeblich soll bereits am Donnerstag auch das letzte Flugzeug vom Typ An-22 "Antei" beschädigt worden sein. Eine abschließende Bestätigung ist bislang aber noch nicht möglich. Die Maschine ist das größte in Serie gebaute Flugzeug mit Propellerantrieb und fliegt ebenfalls für die auf Großtransporte spezialisierte Antonov Airlines.

Das weltgrößte und möglicherweise am Flugplatz Hostomel bei Kiew zerstörte Flugzeug vom Typ AN-225, von dem nur ein einziges Exemplar fertig gebaut wurde, war insgesamt 32 Mal in Leipzig/Halle. Dabei wurde nach Angaben des Flughafensprechers verschiedenste Fracht transportiert, zuletzt im Dezember Corona-Tests. Jeder Besuch der Maschine hat zu einem Auflauf von Spottern gesorgt, die Starts und Landungen filmten oder fotografierten. Das sechsstrahlige Flugzeug hatte viele Fans.

Vom Flughafen Leipzig/Halle aus fliegen auch andere Antonov-Flugzeuge, die aus Kiew kommen, für die Nato. Grundlage dafür ist das Salis-Programm. Es regelt, dass auch privat betriebene Maschinen aus der nicht zur Nato gehörenden Ukraine für das Verteidigungsbündnis unterwegs sein können. Die Nato selbst hat zu wenige große Transportflugzeuge.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Fernbleiben russischer Frachtmaschinen für den mitteldeutschen Airport habe, lässt sich laut Flughafensprecher nicht beziffern. Passagierverkehr nach Russland gab es zuletzt wegen der Corona-Pandemie keinen ab Leipzig/Halle und auch keinen ab Dresden.

Bundesverteidigungsministerium zuversichtlich

In Leipzig/Halle kommen Antonovs zum Einsatz, die in den 1980er-Jahren für den Krieg der Sowjets in Afghanistan entwickelt worden waren. Der vorerst letzte große Einsatz dieser Maschinen liegt wenige Monate zurück, als die Nato Afghanistan verlassen hat.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte MDR SACHSEN-ANHALT vor wenigen Tagen mitgeteilt, man gehe davon aus, dass die Antonovs auch künftig fliegen werden. Genaueres wurde aus Gründen der Geheimhaltung aber nicht mitgeteilt. Sollte der Flughafen in Kiew zerstört werden, dürfte sich der Einsatz der Antonovs nach Einschätzung eines MDR-Reporters aber schwierig gestalten. Die Maschinen hätten dann keine Wartungsbasis mehr.

Mehr zum Thema: Antonov

MDR (Thomas Tasler, Lars Müller, Christoph Dziedo, Gero Hirschelmann, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 27. Februar 2022 | 19:00 Uhr

25 Kommentare

Realist62 vor 12 Wochen

AIRBUS könnte so eine Maschine nachbauen. Wenn die Ukraine einverstanden wäre. Aber leider gibt es da mit BOEING einen weiteren Konkursenten aus Amerika.

mattotaupa vor 12 Wochen

"Da fragt man sich, warum das teure Flugzeug nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurde." wer erst den artikel liest hätte erkannt, daß das flugzeug wegen wartungsarbeiten dort war. wenn sie ihr kfz beispielsweise zum ölwechsel in die werkstatt geben, dann können sie auch nicht einfach einsteigen und wegfahren bevor das neue öl drin ist. der kleine mann in moskau hat ja bis zuletzt gelogen und was von abzug gelabert. da muß ein wartungsmitarbeiter nicht unbedingt durchblicken. "Ohne Worte..." an sich selbst adressiert?

Anita L. vor 12 Wochen

Dazu aus dem Artikel: "Während Antonov Airlines den Daten des Onlinedienstes Flightradar 24 zufolge einen Großteil seiner Flotte vor dem Angriff Russlands ins Ausland evakuieren konnte, stand die An-225 seit Anfang Februar wegen Wartungsarbeiten in Gostomel und konnte nicht mehr rechtzeitig ausgeflogen werden."

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