Gendersternchen mit Schriftzug Innen und Duden
Der Landkreis Saalekreis will zukünftig auf geschlechtergerechte Sprache verzichten. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Dienstanweisung an Mitarbeitende Saalekreis gegen gendergerechte Sprache

30. Juni 2023, 12:00 Uhr

In Schreiben der Behörden des Saalekreises wird zukünftig auf das Gendern verzichtet. Die Verständlichkeit von Texten sei wichtiger als eine diskriminierungsfreie Sprache, heißt es zur Begründung.

Der Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts will keine geschlechtergerechte Sprache verwenden. Eine entsprechende Dienstanweisung hat Landrat Hartmut Handschak (parteilos) erlassen. Das hat das Landratsamt auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Zuerst hat die Mitteldeutsche Zeitung darüber berichtet.

Saalekreis beruft sich auf Bundesgerichtshof

Der Kreis verweist auf die Pflicht der öffentlichen Verwaltung zur Barrierefreiheit. Diese umfasse auch die Barrierefreiheit der Kommunikation. Bei der barrierefreien Kommunikation gehe es um leicht verständliche Sprache, um auch Menschen mit sprachlichen und/oder kognitiven Einschränkungen erreichen zu können.

In einem Urteil aus dem Jahr 2018 des Bundesgerichtshofs wird festgehalten, dass die grammatisch männlichen Personenbezeichnungen jedes natürliche Geschlecht umfassen kann. Somit besteht laut Saalekreis keine gesetzliche Pflicht zur gendergerechten Sprache.

Was bedeutet gendergerechte oder -sensible Formulierung?

Geschlechter-sensible Formulierung bedeutet laut Universität Köln, Sprache so zu verwenden und einzusetzen, dass alle Geschlechter oder Identitäten gleichermaßen sichtbar und wertschätzend angesprochen werden.

"Wer ist Ihr Lieblings-Schauspieler?" Die meisten, die diesen Satz lesen, denken hier aufgrund der maskulinen Form nur männliche Schauspieler, Schauspieler anderen Geschlechts werden nicht explizit genannt und bleiben dadurch unsichtbar. Dieser Effekt wird durch vielfältige Untersuchungen bestätigt.

Gendergerechte Sprache und gendergerechte Formulierung bedeuten, in der Sprache nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Personen des dritten Geschlechts (Diversa) sichtbar und hörbar zu machen.

Keine Bestrafung für Gendern

An die neue Regel sind laut einer Sprecherin des Kreises alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung des Saalekreises gebunden. Das betrifft rund 1.000 Menschen.

Es werde allerdings keine disziplinarischen Maßnahmen geben, da es sich um eine Richtlinie handle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden bei Missachtung weiter sensibilisiert werden, diese Richtlinie in ihrer Kommunikation umzusetzen.

Wer legt fest, wie geschrieben wird?

Für die amtliche Rechtschreibung ist der 'Rat für Deutsche Rechtschreibung' zuständig. Ihm gehören Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen an. Das Gremium hat laut seinem Statut die Aufgabe "die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks (...) weiterzuentwickeln".

Der Rat hatte in seiner letzten, zwei Jahre alten Stellungnahme die Aufnahme von Gender-Stern, Unterstrich, Doppelpunkt "oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehr-geschlechtlicher Bezeichnungen im Wort-Innern in das amtliche Regelwerk" nicht empfohlen. Darauf verweisen manche Bundesländer, wenn es zum Thema Gendern an ihren Schulen kommt.

Ausgang war ein Antrag der CDU

Der Ursprung der neuen Richtlinie zur Kommunikation liegt wohl in einer Kreistagssitzung im März. Damals hatte die CDU einen Antrag eingebracht, mit dem der Kreisverwaltung in allen internen und externen Dokumenten die Verwendung von gender-sensiblen Formulierungen untersagen würde.

Der Antrag wurde diskutiert, letztendlich wurde die Entscheidung jedoch vertagt. Mit der Dienstanweisung könnte der Antrag nun hinfällig sein.

Ähnliche Regelung in Halle und den Landkreisen Mansfeld-Südharz und Burgenlandkreis

Aus ähnlichen Gründen wie im Saalekreis verzichtet der Landkreis Mansfeld-Südharz bereits seit September 2021 auf das Gendern mit speziellen Satzzeichen wie Gendersternchen oder dem großgeschriebenen I. Dies hatte Landrat André Schröder (CDU) in einem Schreiben an die Kreisverwaltung angeordnet.

Demzufolge soll die Gleichstellung der Geschlechter in Schreiben sprachlich berücksichtigt werden. Laut dem Schreiben soll dies im Landkreis Mansfeld-Südharz aus Verständlichkeits-Gründen vorrangig durch die ausgeschriebene männliche und weibliche Schreibweise erfolgen.

Ähnlich handhabt das die Stadtverwaltung von Halle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung können ein Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache zur Orientierung nutzen, teilte die Verwaltung MDR SACHSEN-ANHALT mit. Im Burgenlandkreis gibt es dagegen keine entsprechende Dienstanweisung. Allerdings lege man Wert auf eine leicht verständliche Kommunikation, hieß es auf Anfrage aus der Kreisverwaltung. Spezielle Sonderzeichen wie Gendersternchen und Unterstriche würden den Lesefluss stören und daher nicht verwendet.

Mehr zum Thema geschlechtergerechte Sprache

MDR (Hannes Leonard, Dirk Jacobs, Max Schörm), dpa | Erstmals veröffentlicht am 20.06.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Juni 2023 | 08:30 Uhr

207 Kommentare

ERWIN_1 am 24.06.2023

Nee der seit Jahrhunderten übliche Sprachgebrauch ist ein Spiegelbild der althergebrachten christlichen Frauenfeindlichkeit. Die sich aufgrund von Gewalttätigkeiten in unserer Kultur verfestigt hat. Also halten Sie sich doch bitte an Ihre eigene Empfehlung und lesen Sie nichts ins Gendern rein, was dort nicht zu finden ist.

ERWIN_1 am 24.06.2023

Richtig Ines! Was nilux auch ausblendet es geht hierbei nicht um die gesellschaftliche Akzeptanz einer Minderheit, sondern um die Hälfte der Bevölkerung.

dimehl am 23.06.2023

Stimmt, man sollte doch auch einmal das Positive sehen:
früher hieß es "Meine Herrn." Und fertig.
Heute sind auch Frauen mit dabei und diese werden sogar noch explizit mit erwähnt... ; -)

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