Klimakrise Wie sich Landwirte in Bad Dürrenberg gegen Hitze und Trockenheit wappnen

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Sachsen-Anhalt ist das trockenste Bundesland Deutschlands. Doch in Regionen wie dem Saalekreis hat es in den vergangenen Jahren noch seltener geregnet als ohnehin schon. Landwirtschaftliche Betriebe wie die AG Bad Dürrenberg stehen deshalb vor großen Herausforderungen – und experimentieren mit moderner Technik.

bunter Regenschirm im Getreidefeld bei aufziehendem Gewitter
Vielerorts in Sachsen-Anhalt leiden Landwirte unter zu wenig Niederschlag. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wenn Christian Geßner in diesen Tagen auf den Feldern der Agrargenossenschaft (AG) Bad Dürrenberg unterwegs ist, macht er sich das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit Hoffnung auf eine ertragreiche Ernte. "Wir haben ordentlich Niederschläge bekommen und hatten halbwegs akzeptable Temperaturen. Für uns bedeutet das ein Aufatmen, denn es wäre in diesem Jahr sonst wirklich schwierig geworden", sagt er.

Hinter der AG Bad Dürrenberg, in deren Vorstand Geßner sitzt, und anderen landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen-Anhalt liegen schwierige Zeiten. "Die letzten drei Jahre waren allesamt extrem trocken und heiß", sagt Geßner. "Das hat uns vor viele Herausforderungen gestellt, weil wir in der Landwirtschaft auf den Regen angewiesen sind." Auf 30 bis 40 Prozent schätzt Geßner die hitze- und trockenheitsbedingten Ernteausfälle bei der AG Bad Dürrenberg in den Jahren 2018, 2019 und 2020.

Geßner und seine Kolleginnen und Kollegen bauen auf insgesamt rund 4.700 Hektar im Saalekreis, im Burgenlandkreis und im benachbarten Sachsen unterschiedlichste Nutzpflanzen an: von Weizen, Gerste und Raps über Dinkel, Hafer, Kartoffeln, Zuckerrüben und Soja bis hin zu Sonnenblumen, Erbsen und Bohnen. "Wenn es, wie in den letzten Jahren, im Frühjahr gar nicht regnet, sind alle Kulturen gleichermaßen hart davon getroffen", sagt Geßner.

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Regen? Fehlanzeige

Schon in durchschnittlichen Jahren ist der Saalekreis, in dem viele der Anbauflächen der AG Bad Dürrenberg liegen, eine der niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Die beiden trockensten Orte Sachsen-Anhalts liegen im Saalekreis: Sowohl in Rothenburg als auch in Bad Lauchstädt fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Zeitraum zwischen 1981 und 2010 pro Jahr durchschnittlich nur 473 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Weil diese Durchschnittswerte in Perioden über 30 Jahre erfasst werden, liegen keine aktuelleren Zahlen vor. Zum Vergleich: Auf dem Brocken waren es fast 1.900 Liter, im bayerischen Balderschwang sogar mehr als 2.400 Liter.

Doch in den vergangenen Jahren regnete es in der ohnehin trockenen Region noch einmal deutlich weniger als im langjährigen Mittel. "2017 hatten wir mancherorts nur 300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, das bedeutet ein enormes Defizit", sagt Landwirt Geßner. Bei der AG Bad Dürrenberg versuchen sie deshalb, sich auf die zunehmende Trockenheit und die veränderten klimatischen Bedingungen einzustellen. "Wir haben die Bodenbearbeitung umgestellt und viel in wassereffizientere Bewirtschaftung investiert", erklärt er.

Moderne Technik gegen Trockenheit

Seit 2020 erproben Geßner und sein Team etwa moderne Tröpfchenberegnungsanlagen. Dabei werden Schläuche auf der Erde ausgelegt, aus denen das Wasser direkt an die Pflanze tropft. Weil das Wasser dabei kaum verdunstet und nicht vom Wind abgetrieben wird, sind diese Systeme besonders effektiv. In heißen Ländern wie Israel seien sie schon Standard, sagt Geßner. Hierzulande galten sie lange Zeit als zu teuer und zu aufwändig. Das liegt daran, dass die Schläuche erst ausgelegt werden können, wenn die Pflanzen bereits in der Erde sind – und sie vor der Ernte wieder entfernt werden müssen.

Inzwischen sei man aber an einem Punkt angelangt, wo sich dieser Aufwand auch in Deutschland lohnen könnte, so Geßner. Die ersten Erfahrungen waren jedenfalls positiv: Auf den 20 Hektar Kartoffelfeldern, auf denen die AG Bad Dürrenberg das System testete, verfünffachte sich der Ertrag. Weil es genug geregnet hat, wurden die Tröpfchenberegnungsanlagen in diesem Jahr nicht auf die Felder gebracht. Wenn es wieder trockener wird, will Geßner sie weiter testen.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Schon heute nutzt die AG Bad Dürrenberg moderne Düsenwagen zur Beregnung. Aus diesen 70 Meter breiten Ungetümen tröpfelt das Wasser aus niedriger Höhe auf die Felder. Im Vergleich zu herkömmlichen Bewässerungskanonen verdunsten dabei bis zu 30 Prozent weniger Wasser.

Ein Allheilmittel seien die Beregnungsanlagen jedoch nicht, sagt Geßner. Weil sie mit viel Arbeitsaufwand und hohen Unterhaltskosten verbunden sind, müsse man immer abwägen, wann und bei welchen Pflanzen sich eine Beregnung überhaupt wirtschaftlich lohne – zumal die vom Land genehmigten Wasserentnahmemengen für die Landwirte nicht unendlich sind.

Keine finanzielle Förderung vom Land für Investitionen in Beregnungsanlagen

Die AG Bad Dürrenberg setzt deshalb auch auf spezielle Verfahren zur Bodenbearbeitung und eine "Sonnenlotion", wie Geßner sie nennt. Dahinter steckt eine Mischung aus Mangan und Zink, die zum Beispiel auf Kartoffelpflanzen gesprüht wird und diese widerstandsfähiger gegen Sonne und Trockenheit machen soll.

"Theoretisch sind Investitionen etwa in Beregnungsanlagen zwar förderfähig", sagt Geßner. Allerdings unterstütze das Land Sachsen-Anhalt nur landwirtschaftliche Betriebe bis zu einem Umsatz von zehn Millionen Euro im Jahr. Sein Unternehmen müsse daher alles selbst stemmen, so Geßner: "Hätten wir unser Büro zehn Kilometer weiter in Sachsen, würden wir Fördermittel bekommen."

Er wünscht sich daher, dass die neue Landesregierung die Umsatzgrenze abschafft – damit er und sein Team künftigen Hitzejahren etwas entspannter entgegenblicken können.

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Über den Autor Lucas Riemer arbeitet seit Juni 2021 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Der gebürtige Wittenberger hat Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau sowie Journalismus in Mainz studiert und anschließend mehrere Jahre als Redakteur in Hamburg gearbeitet, unter anderem für das Magazin GEOlino.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er vor allem über kleine und große Geschichten aus den Regionen des Landes.

MDR/Lucas Riemer

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