Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Chemie-IndustrieTrotz Verzicht auf russisches Öl: Leuna produziert weiter

Stand: 29. März 2022, 16:44 Uhr

Die Chemieindustrie ist einer der größten Wirtschaftszweige Sachsen-Anhalts – mit dem größten Standort in Leuna. Große Sorgen gab es im März, als die französische Total-Raffinerie ihren Verzicht auf russisches Öl angekündigt hat, das in Leuna verarbeitet wird. Nun stellt die Infrastrukturgesellschaft Infraleuna klar: Eine Produktionseinstellung ist nicht geplant.

Nach dem angekündigten Verzicht auf russisches Erdöl für die Total-Raffinerie in Leuna laufen die Anlagen am Chemiestandort weiter. Infraleuna-Geschäftsführer Christof Günther erklärte, es gebe derzeit keine Planungen durch Unternehmen, die Produktion angesichts des Ukraine-Kriegs einzustellen. "Das ist uns das Wichtigste", so Günther von der Infrastrukturgesellschaft.

Die Total-Raffinerie verarbeitet bisher zwölf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr aus Russland, um daraus Kraftstoffe und Grundstoffe für die Chemieindustrie herzustellen. Nach eigenen Angaben werden etwa 1.300 Tankstellen im Einzugsbereich der Raffinerie mit Benzin und Diesel im Umfang von drei Millionen Tonnen versorgt. Die Raffinerie ist eines von rund 100 miteinander verflochtenen Unternehmen am Standort, die etwa 12.000 Menschen beschäftigen.

Hintergrund: Total verzichtet auf russisches ÖlDer französische Mineralölkonzern Total hatte nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine angekündigt, ab Ende 2022 kein russisches Erdöl mehr kaufen zu wollen. Es würden keine Verträge verlängert oder neu geschlossen, hieß es. Ein erster Vertrag, der Leuna betrifft, laufe bereits Ende März aus. Der Standort wird bislang über die "Druschba"-Pipeline direkt versorgt. Alternativ will Total Rohstoffe von internationalen Märkten beziehen.

Dem Infraleuna-Geschäftsführer zufolge laufen am gesamten Standort aktuell Investitionsprojekte. Sie sollen Leuna zukunftsfit machen für neue Technologien und alternative Rohstoffe. Eines der Großprojekte ist demnach eine Bioraffinerie, die auf Holz-Basis arbeiten wird. Außerdem habe der Komplex den grünen Wasserstoff als Energiequelle ins Auge gefasst, Forschung und Bau einer Anlage liefen bereits. Zwischen 2014 und 2022/23 würden rund 2,2 Milliarden Euro am Standort Leuna investiert, hieß es. Der Industriestandort Leuna ist rund 1.300 Hektar groß.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Standort Leuna zerstört. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Geschichte des Chemiestandorts LeunaIhren Anfang nahm die Chemieproduktion in Leuna im Jahr 1916. Damals wurde im Auftrag der BASF in Leuna der Grundstein für eine Ammoniakfabrik gelegt. Später wurde hier synthetisches Benzin aus Kohle hergestellt, das die Kriegsmaschinerie Adolf Hitlers unabhängig von teurem Erdöl machen sollte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Leuna zerstört, danach wiederaufgebaut. Zu DDR-Zeiten war der "VEB Leuna-Werke Walter Ulbricht" das größte Chemiekombinat mit rund 33.000 Beschäftigten. Nach 1990 wurde Leuna in Einzelteilen von der Treuhand verkauft.

Quelle: dpa

1944 Wie die Bombenangriffe auf Leuna den Zweiten Weltkrieg mitentschieden haben

Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bildrechte: dpa
Dieses Thema im Programm:
MDR FERNSEHEN | Unsere Städte | 04. Februar 2020 | 22:05 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Mehr zum Thema

dpa, MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. März 2022 | 19:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen