Klima- und Bodenforschung Teebeutel verbuddeln für die Wissenschaft

In Sachsen-Anhalt vergraben seit einiger Zeit Menschen Teebeutel in ihren Gärten – und später wieder aus. Was nach einem sehr außergewöhnlichen Hobby klingt, ist in Wirklichkeit Teil einer Studie zur Bodenzusammensetzung.

In Deutschland werden seit dem Frühjahr Teebeutel eingebuddelt, anstatt sie in den Kompost zu werfen. Für eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung vergraben tausende Hobbyforscher den Tee in ihren Gärten und schauen, wie er sich zersetzt.

Auch in Sachsen-Anhalt sind einige dabei. Zum Beispiel Patrick Herzog und sein Sohn Fiete aus Halle. "Wir wollen einfach mal schauen, wie unser Boden ist und ihn mit anderen Standpunkten vergleichen", erzählt Herzog.

Ein Mann und ein Junge sitzen in einem Buddelkasten und graben Teebeutel ein.
Patrick Herzog und sein Sohn Fiete beteiligen sich am Forschungsprojekt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insgesamt drei Monate müssen die Teebeutel in der Erde schlummern. Je schneller sie zersetzt werden, desto mehr Leben ist in der Erde. Die Tee-Forscher sollen ihre Daten in eine Online-Datenbank eintragen und erstellen so eine Landkarte der Bodenzusammensetzung in Deutschland.

Amateurforscher als unabdingbare Unterstützer

An der Forschungsstation des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Bad Lauchstädt im Saalekreis landen die Teebeutel ebenfalls unter der Erde – hier aber im großen Stil. Dort kümmert sich Luise Ohmann um das Projekt und hat die Aktion mit ins Leben gerufen. Sie erklärt, warum der Einsatz der Amateurforscher, der Citizen Scientists, so wichtig ist: "Wir wollen einen großen Datensatz in ganz Deutschland gewinnen. Die Citizen Scientists machen das an ganz unterschiedlichen Orten und das würden wir überhaupt nicht schaffen. Wir könnten nicht in einer so kurzen Zeit an so vielen Stellen den Boden untersuchen." Das sei nur mit den Hobbyforschern möglich. Die Daten sollen auf Dauer helfen, Boden- und Klimamodelle zu verbessern.

Eine Frau sitzt in einem Gewächshaus.
Luise Ohmann kümmert sich um das Forschungsprojekt in Bad Lauchstädt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wichtig ist den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Tee ist nicht gleich Tee. In den Untersuchungs-Kits, die das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ausgeteilt hat, befinden sich Grüner Tee und Rooibos Tee. "Mit Rooibos und Grünem Tee kann man quasi die zwei Phasen der Zersetzung nachvollziehen", erklärt Ohmann. Rooibos Tee werde deutlich langsamer abgebaut als der Grüne.

Aus den Ergebnissen lassen sich Zersetzungsprozess und Stabilisierungsfaktoren ablesen. Also, wieviel vom Teematerial ist noch da, wieviel des zersetzten Tees ist in Humus gewandelt und im Boden eingelagert. Die Forscher und Forscherinnen erhoffen sich so Aufschluss darüber, welche Boden- und Witterungsfaktoren den Zersetzungsprozess und die Bodenfunktionen wie stark beeinflussen.

Drei Monate, acht Zentimeter tief und Geduld

Und damit das auch tatsächlich passieren kann, muss genau und exakt gearbeitet werden. Die Teebeutel müssen acht Zentimeter tief in den Boden eingegraben werden. Immer zwei an dieselbe Stelle, einmal Grüner und einmal Rooibos Tee. Wo man sie eingräbt, ist dabei ziemlich egal.

Patrick Herzog und sein Sohn versuchen genau das: "Man möchte natürlich nichts verkehrt machen, weil die Ergebnisse vergleichbar sein sollen. Natürlich ist da immer ein bisschen Varianz dabei. Genau die acht Zentimeter werden nicht immer getroffen." Aber die ein, zwei Millimeter seien verzeihbar. Wenn das geschafft ist, ist Geduld gefragt bis die Teebeutel nach drei Monaten wieder ausgegraben und die Ergebnisse sichtbar sind.

Ein Mann und ein Junge graben in einem Garten Teebeutel ein.
Patrick Herzog und sein Sohn müssen genau arbeiten und wollen keine Fehler machen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Pauline Vestring, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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