Saalekreis Teutschenthal: Neue Zweifel an Qualifikation von Kita-Personal

Ein Mann mit Brille und blauem Sacko lächelt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Die Kindertagesstätten der Gemeinde Teutschenthal im Saalekreis haben zuletzt immer wieder Schlagzeilen gemacht. Die Kündigung einer Erzieherin wegen angeblichen Alkoholmissbrauchs war vor Gericht nicht haltbar. An einer anderen Kita hat die umstrittene "Deutsche Vermögensberatung" eine Verkaufsveranstaltung abgehalten. Jetzt gibt es Vorwürfe wegen Bevorzugung bei Stellenbesetzungen und fehlender Fachkompetenz.

leere Schaukel auf Spielplatz
An den Kindertagesstätten von Teutschenthal gibt es häufige Personalwechsel – was Fragen aufwirft. Bildrechte: imago images/Lichtgut

Als im Sommer 2020 eine neue Leiterin für eine Kita gesucht wurde, gab es auf eine Ausschreibung mehrere Bewerbungen. Drei Vorstellungsgespräche wurden geführt – zwei mit externen Bewerberinnen, eines mit einer Bewerberin, die bereits in einer Teutschenthaler Kita arbeitete. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT konnte sie sich im Bewerbungs-Verfahren durchsetzen.

Eingestellt wurde sie hingegen nicht. Es soll ein Gespräch mit Teutschenthals stellvertretender Bürgermeisterin Teresa Kübler gegeben haben, bei dem der Personalrat nicht dabei war. Danach kam es nicht zu einer Vertragsunterzeichnung. Mittlerweile leitet die Bewerberin aber eine andere Teutschenthaler Kita.

Eltern und Kollegen bezweifeln Kompetenz der neuen Kita-Leitung

Ein Kleinkind steht an einer Glasscheibe in einer Kindertagesstätte und schaut anderen Kindern beim spielen zu.
Die Kita-Kinder in Teutschenthal sehen bei Leitern und Erziehern häufig neue Gesichter. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die betroffene Kita blieb ohne Leitung, wird seither kommissarisch geführt von einer Leiterin, die, so klagen Erziehende und Eltern, bis heute offenbar keinen Leiter-Kompetenz-Kurs erfolgreich absolviert haben soll. Nachfragen zum Themenkomplex ließ Bürgermeister Tilo Eigendorf (UBV) unbeantwortet. Eine Erzieherin wundert sich: "Die zweitgrößte Einrichtung der Gemeinde wird also von einer Kinderschutz-Fachkraft geführt, die bis dahin leitungstechnisch nie in Erscheinung getreten ist." Von Gemeinde-Mitarbeitenden und Erzieherinnen heißt es, diese kommissarische Leiterin dieser Einrichtung sei gut mit Teresa Kübler befreundet und sehen hier einen Zusammenhang. "Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage", protestiert Bürgermeister Eigendorf über seinen Anwalt.

Vizebürgermeisterin überrascht mit Aussagen in der Zeitung

Geradezu kurios wirkt das Zitat Teresa Küblers, das die Mitteldeutsche Zeitung (€) im Zusammenhang mit dem Arbeitsgerichtsprozess einer Erzieherin im Zuge nicht bestätigter Alkohol-Vorwürfe abgedruckt hat. Grundsätzlich sei jeder an Recht und Gesetz gebunden und besonders in den Kitas habe das Personal eine große Verantwortung gegenüber Kindern und Eltern, heißt es da. Weiter zitiert die Zeitung Kübler, die Gemeinde als Träger achte bei der Kinderbetreuung auf Qualität, kooperiere deshalb als Förder-Kita mit der Hochschule Merseburg, setze auf heilpädagogische Inhalte und bilde selbst aus.

Grundsätzlich ist jeder an Recht und Gesetz gebunden, und besonders in Kitas hat das Personal eine große Verantwortung gegenüber den Kindern und Eltern.

Teresa Kübler, stellvertretende Bürgermeisterin Teutschentals In der "Mitteldeutschen Zeitung" vom 10. Februar 2022

Unter Erzieherinnen herrschten nach Lektüre des Artikels Wut. Man habe weder eine Förder-Kita, noch heilpädagogische Inhalte, schließlich unterhalte Teutschenthal keine integrativen Kitas, sagen sie. Auch von einer Kooperation mit der Hochschule Merseburg wisse man nichts. "Der Clou ist, dass sich eine Kollegin auf Wunsch der Gemeinde heilpädagogisch ausbilden ließ. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung hat die Gemeinde sie aber nie entsprechend zum Einsatz gebracht, mittlerweile hat sie die Kita verlassen", erinnert sich eine Erzieherin.

Auch im Gemeinderat weiß man nichts von derartigen Plänen, Konzepten und Kooperationen. Christian Franke indes, Pressesprecher der Hochschule Merseburg, bestätigt auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT: "Eine Kooperation zwischen der Gemeinde Teutschenthal und der Hochschule Merseburg ist in Vorbereitung. Allerdings ist der Kooperationsvertrag noch nicht geschlossen. Ziel der angedachten Kooperation ist es, die Gemeinde bei der Umsetzung der deutschlandweit geforderten Schutz-Konzepte für Kindertageseinrichtungen zu unterstützen. Die Umsetzung ist für alle Kitas im Saalekreis verbindlich."

Erzieherin soll Kinder geschüttelt haben

Kita Sozialarbeit in Magdeburg
Das Jugendamt in Merseburg bestätigte, dass Vorwürfe gegen eine Erzieherin bekannt seien. Bildrechte: MDR/Daniel George

Umstände, die ein fragwürdiges Licht auf das Qualitäts-Verständnis von Teresa Kübler werfen, gibt es noch mehr: So wurde eine Erzieherin eingestellt, die dann Kinder geschüttelt und mit einem Schuh beworfen haben soll. Es gab Dienstaufsichtsbeschwerden, die die Gemeinde Teutschenthal unter Verweis auf den Datenschutz nicht bestätigt, wohl aber das Jugendamt des Saalekreises in Merseburg. Von dort heißt es, die Vorwürfe seien bekannt und würden bearbeitet, das Verfahren sei nicht abgeschlossen. Bisherige Folge: zahlreiche Versetzungen der Erzieherin quer durch verschiedene Betreuungseinrichtungen der Gemeinde. Ob die Verfehlungen Grund für die vielen Versetzungen seien, fragt MDR SACHSEN-ANHALT Bürgermeister Tilo Eigendorf. Dieser antwortet nicht.

Auch die Einstellung und Arbeits-Haltung der Leiterin einer anderen Kita wirft Fragen auf. Durch eine Versetzung innerhalb der Gemeinde leitete sie kommissarisch seit Sommer eine weitere Kita – jeweils zu 50 Prozent. Seit Januar leitet sie nur noch eine. Eine Ausschreibung der Leiter-Stelle hat allerdings noch nicht stattgefunden. Mit einem "Ja" beantwortet Eigendorf die MDR-Anfrage, ob noch eine stattfinden soll – lässt den Zeitpunkt allerdings offen. Eltern und Erziehende kritisieren fehlende Sorgfalt im Umgang mit der Corona-Pandemie. "Dazu ist uns nichts bekannt", heißt es aus dem Bürgermeisteramt.

Bemerkenswerte Fluktuation bei Kita-Personal

Eltern und Erzieherinnen in der Gemeinde zeigen sich von all diesen Vorgängen "verunsichert". Im Gemeindeforum Teutschenthal bei Facebook ist zu lesen, Erzieherinnen würden "wechseln wie die Unterhosen". Kinder hätten keine Bezugspersonen mehr. In der Tat: Der Abgang der Erzieherinnen raus aus Teutschenthal ist gewaltig. Vor Gericht gab Teresa Kübler an, zum Zeitpunkt der Alkohol-Vorwürfe arbeiteten 15 Erzieherinnen in der Einrichtung. Nach einem halben Jahr sind nur noch zwei davon übrig.

MDR (Marc Weyrich, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Februar 2022 | 06:30 Uhr

11 Kommentare

Couchkartoffel vor 25 Wochen

Sie waren wohl bei der Verhandlung dabei? Oder wo steht oder stand, dass Aussagen zurückgenommen wurden? Hatten Sie Einblick in die Personalakte der Erzieherin oder woher besitzen Sie Ihr umfangreiches Wissen? Stichwort Datenschutz. Oder sind Sie gar ein Mitarbeiter der Verwaltung?
Hätte die Gemeinde ordentlich ermittelt und sich nicht auf Hörensagen verlassen, hätte man entweder gerichtssichere Beweise oder aber eben von der fristlosen Kündigung absehen müssen.
Ich finde Ihr herabwürdigendes Verhalten gegenüber dem Reporter ebenfalls fehl am Platz.

Couchkartoffel vor 25 Wochen

Herr Z., ich staune, dass Sie aus Personaldokumenten angebl. Wissen besitzen. Hörensagen, selbst gesehen, waren Sie mit vor Gericht? Da mache ich mir meine Gedanken zum Persönlichkeitsrecht.Wenn vor einer Kündigung beweissicher angebl. Missstände ermittelt u. dokumentiert wären, wäre es gar nicht zum Prozeß gekommen oder die Kündigung wäre rechtens gewesen. Ich bin fiktiv Ihr Kollege u. kann Sie nicht leiden. Sie sollen weg. Ich denke mir was richtig schlimmste aus u stecke es dem Chef. Es folgt Kündigung, Sie klagen,gewinnen. Warum? Keine Beweise.
Selbstverständlich wird für kurze Zeit eine komm. Besetzung nötig. Wenn allerdings die komm. Leitung zur Dauerlösung wird , macht das schon ein Bild. Würde sich in einer Ausschreibung kein geeigneter Kandidat finden, wäre ich freilich Ihrer Meinung!
Ich weiß auch gar nicht, warum Sie persönlich gegen den Reporter werden müssen. Ich denke, Sie dürften nicht wissen, ob ihm Langweilig ist. Völlig schräge Anmerkungen um jmd herabzuwürdigen .

Frank Z. vor 25 Wochen

Langeweile Herr Weyrich? Offensichtlich werden hier ja alle Sachverhalte komplett verdreht. Dass eine Leitungsstelle aufgrund der Vorfälle kommissarisch besetzt wird und nicht erst ein langwieriges Stellenbesetzungsverfahren durchgeführt wird, ist nur logisch und notwendig um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Und nur weil eine Erzieherin vom Gericht aufgrund von Mangel an Beweisen freigesprochen wird, heißt es nicht, dass sie unschuldig ist. Bei Gericht wurde meiner Kenntnis nach von der Gemeinde Teutschenthal mitgeteilt, dass die Erzieherin selbst die Kindeswohlgefährdung angezeigt hat, vor der Kündigung auch nochmals bestätigt hat und erst nach der fristlosen Kündigung ihr Geständnis widerrufen hat. Klingt für mich nicht nach Unschuld. Wenn das betroffene Kind dann nicht mal sprechen kann, wird es schwer einen gerichtsfesten Beweis zu bringen. Komischerweise kommen diese Dinge in den Berichten von Herrn Weyrich nicht vor.

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