Gewaltsamer Tod eines Zweijährigen Fall Tim aus Querfurt: Mörder muss lebenslang ins Gefängnis

Im Prozess um den getöteten zweijährigen Tim aus Querfurt ist am Freitagnachmittag das Urteil gesprochen worden. Der angeklagte Ex-Lebenspartner von Tims Mutter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die 37-Jährige erhielt eine sechsmonatige Freiheitsstrafe.

Ein 30 Jahre alter Mann wird von Justizbeamten in den Saal des Landgerichts Halle/Saale geführt.
Der Angeklagte wird in den Gerichtssal in Halle geführt. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Im Fall des grausam gequälten und getöteten Tim aus Querfurt hat das Landgericht Halle am Freitag ein Urteil gesprochen. Der Ex-Lebenspartner von Tims Mutter muss lebenslang ins Gefängnis. Damit folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 31-Jährige wurde des Mordes in Tateinheit mit schwerem sexuellem Missbrauch für schuldig befunden. Das Gericht stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest.

Was bedeuten "lebenslange Haft" und "besondere Schwere der Schuld"?

Die lebenslange Haft ist die höchste Strafe in Deutschland. Sie wird normalerweise bei Mordfällen verhängt. Frühestens nach 15 Jahren kann eine lebenslange Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Eine automatische Entlassung des Häftlings aus dem Gefängnis erfolgt nicht: Der Mörder muss eine Aussetzung der Reststrafe beantragen.

Die Strafvollzugskammern der Landgerichte legen dann fest, wie lange ein Täter in Haft bleiben muss, wenn die Richter im Urteil "die besondere Schwere der Schuld" festgestellt haben. Denn nur in Ausnahmefällen – etwa bei hohem Alter oder schwerer Krankheit – ist nach 15 Jahren Haft eine Freilassung möglich. 

Üblicherweise müssen die Mörder aber noch mehrere Jahre einsitzen. Diese Haftstrafen dauern in vielen Fällen insgesamt mehr als 20 Jahre. Die besondere Schuldschwere kann vorliegen, wenn die Tat besonders verwerflich war, der Täter sehr brutal und grausam vorgegangen ist oder dem Opfer große Qualen zufügt hat. 

Die Mutter von Tim wurde zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Ihr war unter anderem fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen vorgeworfen worden. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des Mannes kündigte bereits an, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

Angeklagter hatte Misshandlung von Tim gestanden

Der 31-jährige Angeklagte nahm das Urteil äußerlich regungslos auf. Während des Prozesses hatte er gestanden, den Jungen misshandelt zu haben, weil er den Frust über dessen Mutter an ihm auslassen wollte. Der Junge sei für ihn wie ein Ventil gewesen. Er hatte jedoch stets beteuert, nicht für Tims tödliche Verletzungen verantwortlich zu sein.

Das sah das Gericht anders. Bezogen auf die Todesnacht sagte Richter Stengel in der Urteilsbegründung: "Es mag sein, dass er noch gelebt hat, als sie gingen. Aber er hat die Nacht nicht überlebt."

Mutter fand Tim am 11. Juli 2020 tot in seinem Kinderbett

Der Mutter warf der Richter vor, als ausgebildete Physiotherapeutin nichts von den Verletzungen ihres Sohnes mitbekommen zu haben. Er legt ihr dringend ans Herz, ihren Drogenkonsum zu beenden. "Wenn das kein Warnschuss ist, mit den Drogen aufzuhören, was dann?" Moralisch sei der Mutter ebenso vorzuwerfen, während ihrer Schwangerschaft mit Tim weiter Drogen genommen zu haben. Die beiden Angeklagten hatten während des Prozesses angegeben, regelmäßig Cannabis, Crystal Meth und Alkohol konsumiert zu haben.

Der zwei Jahre alte Tim war am 11. Juli 2020 von der Mutter tot in seinem Kinderbett gefunden worden. Die Frau hatte selbst die Rettungskräfte gerufen, die schnell Spuren von Gewalt feststellten. Die Obduktion zwei Tage später ergab, dass der Junge erschlagen worden war. Auch Spuren mehrfacher Misshandlungen wurden festgestellt.

Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Prozess hatte im Dezember 2020 begonnen. Im Laufe der Verhandlung wurde der Vorwurf der Mittäterschaft gegen die Mutter aufgehoben. Sie wurde Mitte April 2021 aus der Haft entlassen. Beide Angeklagten hatten angegeben, sich wegen ihres häufigen Drogenkonsums nicht an alle Begebenheiten erinnern zu können.

Die Plädoyers der Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten am Vormittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Der Richter begründete die Entscheidung mit möglichen Verletzungen schutzwürdiger Interessen von Prozessbeteiligten.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Mai 2021 | 13:30 Uhr

1 Kommentar

Harka2 vor 22 Wochen

Ein gutes Urteil. Anders hätte das für den Täter gar nicht ausgehen dürfen. Die Mutter ist verdammt gut weggekommen.

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