Toter Zweijähriger in Querfurt Tims Mutter aus Haft entlassen

Im Prozess um den getöteten zwei Jahre alten Tim aus Querfurt ist der Haftbefehl gegen die Mutter aufgehoben worden. Das hat das Gericht am Donnerstag entschieden. Ihr ehemaliger Lebensgefährte bleibt im Gefängnis.

Blumen, Kuscheltiere und Kerzen vor der Wohnung, in der der zweijährige Junge gestorben ist
Der Tod des kleinen Jungen sorgte bundesweit für Entsetzen. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Die Mutter des getöteten Tim aus Querfurt ist wieder auf freiem Fuß. Das Landgericht Halle hat am Donnerstag entschieden, den Haftbefehl gegen die 36-Jährige wieder aufzuheben. Die Richter gehen demnach nicht mehr von der ursprünglich angeklagten fahrlässigen Tötung aus sondern von fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen. Das sei das Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahme.

Ehemaliger Lebensgefährte der Mutter bleibt in Haft

Der mitangeklagte 31 Jahre alte, ehemalige Lebensgefährte der Mutter bleibt in Haft. Bei ihm hat das Gericht eine erneute Begutachtung angeordnet. Er hatte bei der Verhandlung am Donnerstag umfangreiche Details seines Drogenkonsums geschildert und von den Folgen berichtet. Bei der Gutachterin hatte er zuvor nur wenig dazu ausgesagt. Jetzt soll erneut überprüft werden, ob die Drogenabhängigkeit bei einer möglichen Verurteilung strafmildernd wirkt.

Der zwei Jahre alte Tim war am 11. Juli 2020 von der Mutter tot in seinem Kinderbett gefunden worden. Die Frau hatte selber die Rettungskräfte gerufen, die schnell Spuren von Gewalt feststellten. Die Obduktion zwei Tage später hatte ergeben, dass der Junge erschlagen wurde.

Angeklagter soll Taten gefilmt haben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann schweren sexuellen Missbrauch, gefährliche Körperverletzung und Mord vor. Er soll den sexuellen Missbrauch des Kindes gefilmt haben. Zum Prozessauftakt hatten die beiden Angeklagten geschwiegen, später aber doch ausgesagt.

Links: In Gedenken an ein Kleinkind aus Querfurt liegen Blumen und Kerzen vor dem Wohnhaus. Rechts: Mehrere Einschusslöcher auf einer Holztür der Synagoge in Halle. 42 min
Bildrechte: dpa, Collage

Der Tod eines Kindes in Querfurt und der Polizei-Einsatz zum Halle-Anschlag standen diese Woche unter Beobachtung. Untersucht wurde, ob Behördenfehler die Taten zuließen. Die Ergebnisse gibt es in dieser Podcast-Folge.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 17.07.2020 17:11Uhr 42:04 min

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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MDR/Mathias Kessel, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. April 2021 | 14:00 Uhr

3 Kommentare

Harka2 vor 9 Wochen

Es wird ein Urteil im Namen des Volkes geben. Das ist sicher auch hier gut so, aber es wird kein Urteil im Namen des Opfers und des Volkszorns geben. Letztlich ist auch das gut so, nur sollte sich der gewählte Volksvertreter mal fragen, ob er bei seinen Gesetzesvorlagen nicht hin und wieder die Frage nach der Sühne für eine Straftat nicht höher bewerten sollte. Der Richter kann nur im Namen des Gesetzes urteilen, aber er hat die Gesetze nicht geschrieben, an die er sich halten muss, dass waren die gewählten Volksvertreter.

Thommi Tulpe vor 9 Wochen

Es scheint oft so, dass es wichtiger ist, wenn jemand seine Ersatzfreiheitsstrafe (z. B. wegen "Schwarzfahrens" in öffentlichen Verkehrsmitteln) "absitzt", als das jemand in U-Haft verbleibt, gegen den wegen seiner (eventuellen) Verantwortung für den Tod eines Menschen ermittelt wird. Vielleicht sollte man auch mal damit beginnen, an jeder Haltestelle öffentlicher Verkehrsmittel Blumen niederzulegen, an welcher ein "Schwarzfahrer" "erwischt" und der Polizei übergeben wurde!?

SGDHarzer66 vor 9 Wochen

"Tolles Signal" der Kuscheljustiz. Das macht den sinnlosen Tod dieses kleinen Menschen noch einmal erschütternder.

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