Energie Raffinerie in Leuna verzichtet ab Ende 2022 auf russisches Öl

Ab Jahresende soll in der Raffinerie Leuna im Saalekreis kein russisches Erdöl verarbeitet werden, teilt der Betreiber mit. Stattdessen wolle man Öl nutzen, was über die Ostseepipelines in das Netz eingespeist wird. Schwieriger ist dagegen der Verzicht auf russisches Erdgas. Dafür seien bislang keine Alternativen zu erkennen.

Raffinerie Leuna bei Nacht. Aus Schornsteinen steigt der Rauch in langen Schwaden in den Nachthimmel.
Ab Jahresende soll in der TOTAL Raffinerie in Leuna kein russisches Öl verarbeitet werden. Bildrechte: IMAGO

Der französische Energieriese Total – einer der Eigentümer der Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH in Leunawill bis zum Jahresende kein russisches Erdöl mehr kaufen. Es sollten keine neuen Verträge mehr geschlossen oder bestehende verlängert werden, teilte der Konzern mit. Zuvor hatte Total bereits bekannt gegeben, kein russisches Erdöl mehr auf dem Spotmarkt, also kurzfristig, zu kaufen.

Raffinerie Leuna ist per Pipeline mit Russland verbunden

Von dem Schritt wird auch die Raffinerie in Leuna betroffen sein, die direkt per Pipeline mit Lieferanten aus Russland verbunden ist. Man werde für diese eine Alternative schaffen, hieß es von Total.

Beispielsweise wolle man danach auf Öl setzen, das über die Ostseeterminals in die Pipelines eingespeist werde, sagte eine Konzernsprecherin. Das Öl stamme von den "internationalen Märkten". Nähere Angaben machte sie nicht.

Die Raffinerie im Saalekreis wird bislang über die "Druschba"-Pipeline mit russischem Öl versorgt und produziert unter anderem jährlich rund drei Millionen Tonnen Benzin. Der Kraftstoff wird an rund 1.300 Tankstellen geliefert. Die Raffinerie verfügt zudem über ein großes Tanklager für Vorräte.

Russisches Erdgas lässt sich schwerer ersetzen

Schwerer als Öl lässt sich dagegen Erdgas ersetzen. Die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland per Pipeline sei weit größer als beim Öl, sagt Christof Günther, energiepolitischer Sprecher des Verbandes der Chemischen Industrie Nordost.

Günther ist auch Geschäftsführer der Infrastrukturgesellschaft des Chemiestandortes Leuna (Infraleuna GmbH), des flächenmäßig größten seiner Art in Deutschland. Auf dem 1.300 Hektar großen Areal befinden sich zwei Gaskraftwerke, eine Erdölraffinerie, rund 100 Firmen mit mehr als 14.000 Beschäftigten.

Eine schnelle Ablösung der Erdgasmengen durch Flüssiggas hält Günther für nicht realistisch. Dies sei auf Grund fehlender "Anlandeterminals" (Anlagen zum Be- und Entladen von Tankern) und der Kapazitäten potenzieller Lieferanten derzeit nicht machbar. "Es gibt keine freien Mengen am Markt", sagte Günther: "Auch langfristig brauchen wir die Versorgung über die Pipelines, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

dpa, MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. März 2022 | 10:00 Uhr

40 Kommentare

ElBuffo vor 14 Wochen

Diese Preise dieser Verträge wurden nich in gegenseitigem Einvernehmen vereinbart? Da konnte unsere Seite den Russen riesengroße Rabatte aufs Auge drücken? Es wird eher so sein, dass beide Seiten von einem vereinbarten Preis profitieren, da keine Seite genau wusste, wie sich der Spotmarkt entwickelt. Ist doch nicht garantiert, dass der auf dem Spotmarkt über dem vereinbarten liegt. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, gab es Zeiten, da mussten die Lieferanten zahlen, damit ihnen jemand das Zeug abnimmt. Russland konnte da weiter den vereinbarten Preis bei vereinbarter Menge vereinnahmen.
P.S. Auch mit anderen Lieferanten gab und gibt es Verträge. Katar besteht z. B. auch auf langfristige Verträge, weil denen schon klar ist, dass die Preise und Abnahmemenge nicht unbedingt immer nur steigen. Ganz im Gegentum wird da bei weiter steigenden Preisen nicht nur die weltweite Nachfrage zurückgehen, sondern gerade die Länder mit Hartgeld werden umso schneller auf Alternativen umsteigen.

Lavendel vor 14 Wochen

@Klarheit
Mehr als Jammern können sie wohl nicht?
Der MDR Sachsen hat übrigens unter dem Titel "Lob und Kritik am Entlastungspaket der Bundesregierung" einen Artikel der sehr konkret die Entlastungsmaßnahmen der Regierung aufzeigt.

Ich finde schon, dass man darüber nachdenken sollte, wer Entlastungen nötig hat und wo Entlastungen keine Not lindern, weil die dort schlicht und ergreifend auch bei hohen Energiekosten nicht besteht. Schließlich geht es um Steuergelder.

Lavendel vor 14 Wochen

@hilflos
Wie zuverlässig Russland liefert, das wird man sehen.
Da immer mehr Deutsche und Europäer kein Verständnis dafür haben, dass man mit Russland Handel betreibt, ist es doch gut, wenn man sich alternative Lieferanten sichert und weniger Energie verbraucht.

Hand aufs Herz: Wer außer den Angehörigen einer bestimmten Partei wollen wohl den verbrecherischen Krieg Russlands gegen die Ukraine finanzieren, wenn es dazu Alternativen gibt?

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