Hohe Benzinpreise Sprit-Zuschlag für Taxis in und um Halle

Egal, wie viele Kilometer die Fahrt dauert: Wer in Halle oder im Saalekreis ein Taxi in Anspruch nimmt, zahlt ab sofort drauf. In der Region wurde eine sogenannte Kraftstoffpauschale eingeführt, um die wegen der aktuellen Spritpreise erhöhten Ausgaben der Unternehmen zu kompensieren.

Taxistand vor dem Hauptbahnhof in Halle
Ein Euro mehr pro Fahrt: Die hohen Spritpreise schlagen nun auch bei Taxifahrten zu Buche. Bildrechte: IMAGO / Strussfoto

Der Preis von Taxifahrten in der Stadt Halle sowie im Saalekreis richtet sich nun auch nach den Spritpreisen. In den entsprechenden Verordnungen wurde eine sogenannte Kraftstoffpauschale verankert. Wie ein Sprecher der Stadt Halle MDR SACHSEN-ANHALT erklärte, soll damit die Belastung durch steigende Kraftstoffpreise abgemildert werden. Auch weitere Posten, wie Mindestlohn und sonstige Fahrzeughaltungskosten würden einen rentablen Taxi-Betrieb erschweren, hieß es.

Hintergrund sind die inzwischen stark angestiegenen Kosten, die die Taxi-Branche belasten und kaum noch einen rentablen Betrieb ermöglichen. Die Kraftstoffkosten sind in den vergangenen Wochen rasant gestiegen.

Drago Bock, Sprecher der Stadt Halle

In den Verordnungen steht, dass ein Zuschlag von 1,00 Euro pro Fahrt fällig wird, sofern der Preis für den Liter Benzin oder Diesel in der Region bei über 1,80 Euro liegt. Derzeit liegen die Preise bei etwa 2,00 Euro pro Liter Diesel und 2,10 Euro pro Liter Super. Reisende sollen durch Hinweise am und im Taxi auf den Zuschlag hingewiesen beziehungsweise bei Buchung eines Taxis darüber informiert werden. Die Taxiverordnungen des Saalekreises und der Stadt Halle umfassen jeweils beide Gebiete als sogenannte Pflichtfahrgebiete, für die auch die festen Kilometerpreise gelten.

Wie teuer ist Taxifahren in Sachsen-Anhalt?

Ein Taxi zwischen anderen Autos.
Die Preise für Taxifahrten schwanken nach Ort, Strecke und Tageszeit. Bildrechte: Colourbox.de

Die Preise für Taxifahrten sind je nach Region und den jeweiligen Verordnungen und Entgelt-Regelungen unterschiedlich. In der Regel fällt mit zunehmender Strecke der Preis pro Kilometer. Halle und der Saalekreis verlangen nachts, feiertags sowie am Wochenende höhere Kilometerpreise. Magdeburg erhebt hingegen grundsätzlich höhere Kilometerpreise. Einheitlich ist hingegen für Magdeburg, Halle und den Saalekreis beispielsweise die Grundgebühr von 3,90 Euro pro Fahrt.

  • Beispiel 1: Taxifahrt vom Bahnhof Halle zum Bahnhof Merseburg am Sonntag und inklusive Kraftstoffpauschale (17 Kilometer): 40,80 Euro.
  • Beispiel 2: Taxifahrt vom Bahnhof Magdeburg-Sudenburg zum Schifftshebewerk Rothensee am Sonntag (17 Kilometer): 44,40 Euro.

Taxi-Bundesverband sieht Vorteile vor allem für Stadtfahrten

Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi, begrüßte die Entscheidung. Er hofft, dass Halle für Städte in ganz Deutschland eine Vorbildfunktion hat. Oppermann erklärte, die Pauschale sei ein wichtiger Mechanismus und würde besonders bei kurzen Fahrten einen erheblichen Unterschied machen. Allerdings helfe sie in erster Linie den städtischen Taxifahrern. Zwar gelte die Tarifordnung für alle, auf dem Land gebe es aber Sondervereinbarungen mit den Krankenkassen. Dort finanzieren sich die Taxiunternehmen fast ausschließlich über Krankenfahrten.

Im Nachbarland Sachsen unterstützen die Krankenkassen bis Ende Mai Taxi- und Mietwagenunternehmen mit einem Zuschlag für Krankenfahrten.

MDR (Annekathrin Queck, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. April 2022 | 07:30 Uhr

5 Kommentare

Norbert B. vor 24 Wochen

Ersetzen sie Taxifahrer durch Taxiunternehmer und ich gebe ihnen recht.
Der Fahrer hat nichts von dem Euro, eher im Gegenteil (ich sage nur "Trinkgeld"), selbst wenn er mit seinem Chef einen Bonus zusätzlich zum Mindestloh ab einer gewissen Umsatzhöhe ausgehandelt hat. Denn nach Meinung der Taxiunternehmer ist der zusätzliche Euro eine zusätzliche Gebühr und kein Bestandteil des Taxitarifs!

Norbert B. vor 24 Wochen

Teil 2:
Hier wälzen die Unternehmer mit Hilfe der Stadt Halle ihre Probleme (zumindest einen Teil davon) mal wieder auf das letzte Glied in der Kette ab: Den Fahrer. Denn der soll diese fragwürdige Praxis der Preisgestaltung gegenüber seinen Fahrgästen erklären und durchsetzen. In vielen Fällen wird sich sein Trinkgeld (für die Fahrer ein nicht unerheblicher Bestandteil ihres Lohnes) um diesen Euro pro Fahrt reduzieren. Und wie soll ich ermitteln ob ich den Preis erheben darf? Laut Verordnung wenn der Preis in der Region "dauerhaft" über 1,80€ liegt. Wie groß ist die Region? Stadt Halle oder gesamtes Pflichtfahrgebiet? Welche Preise gelten? Die der letzten 12 oder der letzten 24 Stunden, die der Markentankstellen oder der Freien (kann schon mal 10 Cent pro Liter betragen), Tages- oder Nachtpreise (können auch schon mal +/- 10-12 Cent pro Liter sein)? Die "verständnisvolle Oma" am Tag wird den Euro sicher akzeptieren, die "enthemmtere" Kundschaft in der Nacht wohl eher nicht...

Norbert B. vor 24 Wochen

Teil 1:
Als Betroffener, der diesen "Spriteuro" seinen Fahrgästen erklären soll, hoffe ich für alle Kollegen in Deutschland daß dieser hallesche Sonderweg NICHT Schule macht! Wenn die unbestritten gestiegenen Kosten nicht mehr über den Fahrpreis gedeckt werden können, so muß dieser angepaßt werden. Aber eben durch eine Tarifänderung! Und diese muß auch im Taxameter einprogrammiert werden, damit der angepaßte Fahrpreis für den Kunden am Ende der Fahrt auch am Taxameter zu sehen ist! Es kann ja wohl nicht sein, daß ich als Fahrer jetzt mit meinen Kunden erst mal ausdiskutieren soll wieviel sie denn zum angezeigten Fahrpreis noch zusätzlich zu entrichten haben um die gestiegenen Kosten abzufangen! Und was passiert, wenn sich ein Fahrgast weigert mehr zu zahlen als auf dem Taxameter zu sehen ist? Soll ich dann jedesmal die Polizei rufen um die Personalien des Fahrgastes feststellen zu lassen damit der Unternehmer den Euro zivilrechtlich eintreiben kann?

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