Studie aus Halle Wie Windräder Anwohner weniger stressen

Reizbarkeit oder Probleme beim Einschlafen: Windräder können sich negativ auf die Psyche der Menschen auswirken, die in deren Nähe wohnen. Psychologen aus Halle haben nun untersucht, wie sich der Einfluss mindern lässt.

Horst Straße hat es besonders hart getroffen. Seit dem Jahr 2000 stehen in der Nähe seines Wohnortes Freist im Landkreis Mansfeld-Südharz Windräder, doch seit einigen Jahren hat er ein Windrad von 250 Metern Höhe auch vor seinem Garten. Es steht zwar einen Kilometer entfernt, aber laut den Messungen des ehemaligen Physiklehrers macht es so viel Krach wie ein Kühlschrank. "Über 45 Dezibel und für uns als Mischgebiet sind eigentlich für die Nacht 45 Dezibel die Grenze", sagt er. Und bei dieser Geräuschkulisse müsse er schlafen.

Eine aktuelle Studie der Universität Halle unterstreicht die Probleme, die durch die Geräusche von Windrädern entstehen können. "Dazu gehören beispielweise Probleme beim Einschlafen, ein allgemein unruhiger Schlaf, negative Stimmung und eine stärkere Reizbarkeit", sagt der Umweltpsychologe Johannes Pohl, der an der Studie mitgearbeitet hat. Er lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und hat mit Kollegen die Anwohner eines Windparks in Norddeutschland über Jahre untersucht. Dazu analysierten sie auch Tonaufnahmen der Windräder und stellten fest, dass deren Geräusche bei Frost und einer hohen Luftfeuchtigkeit als lauter wahrgenommen werden.

"Unregelmäßiges Wummern oder Rauschen"

Wichtigstes Ergebnis: Je besser die Menschen in die Planung, den Bau und auch in die Zeit nach der Errichtung von Windrädern einbezogen werden, desto weniger litten sie unter Stress-Symptomen. Deshalb raten die Forscher, die Bedenken der Anwohner gegen Windräder ernst zu nehmen. "Wir können in unserer Studie zeigen, wenn man das tut, dann vermindern sich auch die Beschwerden im Lauf der Zeit, wenn man wirklich auf die Sorgen eingeht und auch Erklärungen liefert", so Pohl.

Außerdem stellte das Team fest, dass es kaum einen Unterschied macht, ob jemand etwas näher oder weiter weg vom Windpark wohnt. Belästigt fühlten sich die Menschen vor allem, wenn die Lautstärke sich ändere. Pohl spricht von einem "unregelmäßigen Pulsieren" der Lautstärke. Das würden manche Menschen als "unregelmäßiges Wummern oder Rauschen" wahrnehmen. Ein stetiges Rauschen dagegen könne der Mensch besser ausblenden.

Für Horst Straße aus Freist ist dieses Wissen kein Trost. Der ehemalige Freister Ortsbürgermeister versuchte zwar mit anderen Anwohnern, den Bau des Giganten von 250 Metern Höhe zu verhindern, doch das nutzte nichts. Allerdings wäre er gern mehr in die Planungen mit einbezogen worden, wie es die Forscher nun vorschlagen: "Es wäre mehr als begrüßenswert, wenn man die Menschen vorher mitnimmt", sagt er.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Februar 2018 | 12:00 Uhr

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