Nach Ostern Wie sich Hausärzte auf Corona-Impfungen vorbereiten

Die Hausärztinnen und Hausärzte sollen nach den Ostertagen mit Corona-Impfungen beginnen. Die Vorbereitungen dafür laufen in Sachsen-Anhalt auf Hochtouren. Dabei arbeiten die Ärztinnen und Ärzte eng mit den Apotheken zusammen. Ein Beispiel aus Magdeburg zeigt, dass eine Ärztin endlich mit anpacken will, um Patientinnen und Patienten zu schützen.

Grauhaarige Frau mit Brille vor Medizinschränken
Nach einem Jahr Pandemie kann Hausärztin Cordula Schöler endlich ihre Patienten und Patientinnen impfen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Die Magdeburger Hausärztin Dr. Cordula Schöler gehört in der Corona-Pandemie zu den Menschen, die nicht meckern, sondern anpacken und helfen. Obwohl sie in ihrer Praxis gut zu tun hat, schlüpft sie immer wieder in ihren Schutzanzug, um die Bewohner von Seniorenheimen auf Corona zu testen. Auch mit dem mobilen Impfteam der Landeshauptstadt war sie schon unterwegs. 

Über Ostern wird sich die Ärztin nun auf die ersten Corona-Impfungen in ihrer eigenen Praxis vorbereiten. "Ich mache jetzt seit gut einem Jahr Abstriche", sagt sie. "Leider musste ich meinen Patienten immer wieder sagen, dass sie Corona-positiv sind. Das war kein gutes Gefühl. Nun aber kann ich sie anrufen und mit ihnen einen Impftermin vereinbaren. Darüber bin ich wirklich froh."

Hausarzt-Impfungen ab Mittwoch

Die erste Spritze gegen Corona wird Cordula Schöler am kommenden Mittwoch aufziehen. An diesem Tag beginnt bundesweit das Impfen in den Hausarztpraxen. Cordula Schöler hat die ersten Impfdosen plus das benötigte Zubehör (Spritzen, Kanülen, NaCI-Lösung) über die Adler-Apotheke geordert, die sich im selben Haus wie ihre Praxis befindet. 

Gert Fiedler, der in der Apotheke arbeitet, hat noch vor Ostern alle Impfstoff-Bestellungen von Hausärzten an ein Logistikunternehmen übermittelt, das die Impfstoffe aus einem Zentrallager des Bundes abholen wird. Der Bund ist es auch, der die Belieferung der Praxen mit Impfstoff koordiniert. 

Ein Mann mit Brille vor Apotheken-Vitrine
Gert Fiedler kümmert sich um die Belieferung von Hausärzten. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Spätestens am Dienstagnachmittag, so Fiedler, werden die ersten Chargen des Impfstoffs BioNTech/Pfizer an die Apotheken ausgeliefert. "Der Impfstoff muss zuerst aus dem Tiefschlaf geholt werden, also aufgetaut werden, denn er lagert bei minus 70 Grad." Sobald die Impfdosen gewissermaßen Betriebstemperatur erreicht haben, werden sie in die Apotheken transportiert. Dort können sie maximal fünf Tage bei zwei bis acht Grad im Kühlschrank lagern. Doch so lange will Fiedler nicht warten. 

Vorteil: Hausärzte kennen Ihre Patienten

"Wir werden die Impfstoffe noch am Dienstag mit zwei Autos zu den Praxen bringen, die bei uns vorbestellt haben", so Fiedler. Beim Impfstart am Mittwoch wird auch Cordula Schöler mitmachen. Sie hat bereits vor Ostern die ersten Patienten angerufen, nach Feierabend, von Zuhause aus, und mit ihnen einen Impftermin vereinbart. "Die Patienten waren ganz gerührt und haben gesagt, vielen Dank, dass sie uns nicht vergessen haben."

Die Patienten waren ganz gerührt und haben gesagt, vielen Dank, dass sie uns nicht vergessen haben.

Cordula Schöler, Hausärztin aus Magdeburg

In Großbritannien hat man gute Erfahrungen mit Corona-Impfungen in Hausarztpraxen gemacht. Die Ärzte kennen ihre Patienten, sie wissen, wer dringend Schutz benötigt. Ab Mittwoch soll dieses Prinzip auch in Deutschland angewandt werden. 

Was Patienten tun können

Cordula Schöler bittet ihre Patienten darum, zum Impftermin in "leichter Kleidung" zu kommen. "Tragen Sie bitte keine Jacken und Pullover übereinander, sondern etwas, was man zügig ausziehen kann." Die Patienten können also selbst etwas tun, damit es beim Impfen zügig vorangeht. "Zum Impftermin sollten die Patienten auch den Impfausweis und die Chipkarte mitbringen", sagt Schöler. "Wer will, kann auch schon den Anamnese-Bogen und die Einwilligungserklärung für die Impfung vorher ausfüllen." Und noch etwas ist der Hausärztin wichtig:  Niemand müsse Angst vor dem Pieks haben! "Mir liegt wirklich am Herzen zu sagen: Jede Impfung rettet Leben."

Wer sich impfen lassen will, sollte aber nicht in den Hausarztpraxen anrufen oder gar ohne Termin zur Sprechstunde erscheinen. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen werden die Hausärzte in einem ersten Schritt nur eine überschaubare Anzahl an Patienten impfen können. Zum anderen wollen die Hausärzte den Überblick behalten und zunächst all jene impfen, die den Schutz besonders dringend benötigen. 

"Man muss das ganz klar kommunizieren", sagt Schöler. "Wir rufen Sie an und vereinbaren einen Impftermin mit Ihnen." Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) werden die Hausarztpraxen in den ersten beiden Wochen (7. bis 18. April) ausschließlich den mRNA-Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer erhalten. In den darauffolgenden Wochen sollen weitere Impfstoffe hinzu kommen. Wegen der Impfstoffknappheit ist die Bestellmenge für Hausärzte zunächst auf 18 bis maximal 50 Impfdosen pro Woche begrenzt worden. Für Ende April rechnet die KBV aber bereits mit deutlich mehr Impfstoff. 

Die Hausärztin Cordula Schöler hat an ihre Patienten noch eine große Bitte: Wer bereits einen Impftermin in einem Impfzentrum gebucht hat, sollte den Termin unbedingt wahrnehmen und keinesfalls absagen. Wer sich an diese Empfehlung hält, vermeide Chaos und helfe Ärzten möglichst schnell möglichst viele Menschen vor Corona zu schützen.

Quelle: MDR/Stephan Schulz, Olga Patlan

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3 Kommentare

AlexLeipzig vor 33 Wochen

Ernst678, grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, daß man alles bedenkt, was das Impfen beschleunigt. Ich fürchte nur, daß es nicht genügend Impfstoff gibt, damit auch die Tierärzte mitimpfen können. Und wahrscheinlich gibt es da auch rechtliche Probleme, da Tierärzte nunmal nicht berechtigt sind, Menschen zu behandeln (was ja gute Gründe hat, der Hausarzt impft ja auch keine Katzen). Aber es gibt ja genügend Hausärzte! Ich hoffe, daß die Patienten sich auch an die Vorgaben der Hausärzte halten und nicht die Praxen "stürmen". Und daß die Patienten dann auch Verständnis haben, daß die Hausärzte ja auch noch den normalen Betrieb aufrecht erhalten müssen. Das stellt einen enormen Kraftakt dar und ist den Hausärzten sehr hoch anzurechnen!!!

Ernst678 vor 33 Wochen

Was das Impfen beschleunigen kann ist, dass auch Tierärzte mithelfen sollten, neulich wurde meine Katze gespritzt was prima funktioniert hat. Es ist unumgänglich damit wir die 4. und 5. Welle flach halten können oder gar verhindern.

ElBuffo vor 33 Wochen

Gute Idee. Ich sehe irgendwie trotzdem am Dienstag die Risikogruppe haufenweise die Praxen stürmen. Da wird wohl so mancher Hausarzt kaum zu seiner eigentlichen Arbeit kommen.

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