Schäden auf der A9 und A38 ADAC: Mehr Hitzeschäden auf Autobahnen durch warme Sommer

MDR SACHSEN-ANHALT-Autor Hannes Leonard steht im Profil vor einer Wand
Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Warme Sommer vergrößern die Gefahr von Hitzeschäden an den Straßen in Sachsen-Anhalt, sagt der ADAC. Forscher tüfteln an Strategien, um das Problem zu lösen. Die Autobahn GmbH hingegen sieht kein flächendeckendes Problem.

Neue Betondecke nach Bauarbeiten auf Autobahn
A9: Zwei aufgetragene Asphaltschichten auf circa 20 Metern Länge, die am Mittwoch um zwei weitere Asphaltschichten ergänzt werden. Darauf wird ab Donnerstag der Verkehr zweistreifig umgelegt, um anschließend auf den verbliebenen Fahrstreifen die Reparaturarbeiten fortzusetzen. Bildrechte: Autobahn GmbH

Die Hitze des vergangenen Wochenendes und Verschleiß haben zu Schäden an der Autobahn 9 sowie der Autobahn 38 beigetragen. Wegen der Reparaturarbeiten muss der Verkehr bis einschließlich Freitag zwischen Coswig und Vockerode in Richtung München auf nur einer Spur an der Baustelle vorbei geleitet werden, teilte die Autobahn GmbH mit.

Katharina Lucà vom ADAC sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Autofahrer müssten sich in den Sommermonaten verstärkt auf Fahrbahnschäden durch hohe Temperaturen einstellen.

Insbesondere bei Temperaturen von über 30 Grad müssen Auto- und Motorradfahrer mit Blow-ups auf Autobahnen rechnen.

Katharina Lucà ADAC

Was sind Blow-ups

Sogenannte Blow-ups sind Aufwölbungen oder Aufbrüche der Fahrbahndecke. Hohe Temperaturen machen den Straßenbelag geringfügig weicher. An Übergängen wie Brücken wird dieser dann gegen das härtere Material herangeschoben. Dabei entsteht ein Blow-up. Sie sind eine große Gefahr für Verkehrsteilnehmer, da sie plötzlich und an unvorhersehbaren Stellen auftreten können.

Durch große Hitze hat sich auf einer Autobahn der Fahrbahnbelag am Ende einer Baustelle um rund 30 Zentimeter angehoben.
Bei zu hohen Temperaturen bläht sich die Fahrbahn und platzt. Bildrechte: dpa

Alte Straßen und Schwerlastverkehr machen Probleme

Ein weiterer Grund für Hitzeschäden am Straßenbelag ist ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, vor allem im Schwerlastverkehr. Der durch die Hitze etwas aufgeweichte Belag wird durch die Reifen der schweren Lastwagen regelrecht weggedrückt, so entstehen vor allem auf der Lastwagenspur tiefe Spurrillen. Die Folge: Auf stark belasteten Straßen muss die Lastwagenspur teilweise schon nach zehn Jahren erneuert werden. Der eigentliche Zyklus liegt bei etwa 15 Jahren.

Betroffen von Hitzeschäden sind besonders alte, mehrfach reparierte Autobahnabschnitte und dort vor allem Fugen und Nahtstellen.

Katharina Lucà ADAC

So war es wohl auch an dem betroffenen Autobahnabschnitt im Landkreis Wittenberg. Zwischen Coswig und Vockerode sei der betroffene Autobahnabschnitt in die Jahre gekommen und werde viel von Lastwagen frequentiert, teilte die Autobahn GmbH MDR SACHSEN-ANHALT mit.

Autobahn GmbH erwartet keine flächendeckenden Probleme

Der ADAC rät dem Bund als Eigentümer der Autobahnen zu einer langfristigen Strategie und Investitionen. Gefährdet seien die Betonfahrbahnen besonders, wenn sie bereits beschädigt seien.

Die bundeseigene Autobahn GmbH erwartet im Gegensatz zum ADAC aber keine flächendeckenden Probleme in diesem Jahr. Es handele sich um Einzelfälle und nicht um generelle Probleme mit den Autobahnen in Sachsen-Anhalt, sagte der Sprecher der Autobahn GmbH Ost, Tino Möhring, MDR SACHSEN-ANHALT.

Es sei eher das Gegenteil der Fall, da bereits viele Stellen des Streckennetzes ausgebessert seien. Auf den gefährdeten Abschnitten würden sogenannte Entspannungsschnitte angelegt, die durch Asphalt ersetzt würden.

Bauerbeiten auf Autobahn
Beseitigung der Hitzeschäden auf der Autobahn 9 bei Coswig Bildrechte: Autobahn GmbH

Unterschiedliche Strategien in der Erprobung

Technisch wird an verschiedenen Methoden geforscht, um Hitzeschäden auf den Straßen zu vermeiden. Helfen könnte eine hellere Oberfläche der Straßenbeläge. Dabei werden helle Mineralstoffe beigemischt, die den Asphalt weniger schnell aufheizen. Bis zu fünf Grad Celsius Temperatur-Unterschied soll das bringen.

Noch in der Entwicklungsphase ist eine Methode, die sicherlich noch effizienter, aber wesentlich teurer ist. Dabei wird mit einer Art Fußbodenheizung der Asphalt im Winter auf ein bis zwei Grad erwärmt und im Sommer die Wärme aus dem Asphalt geholt und verstromt.

Im Zweifelsfall haftet der Staat für Schäden

Bei Hitze müssen die Autobahn- und Straßenbaumeistereien die Fahrbahnen verstärkt kontrollieren und gegebenenfalls Warnschilder aufstellen oder die Strecken ganz sperren, sagt Lucá vom ADAC.

Nur wenn sie das nachweislich nicht getan haben und jemand zu Schaden kommt, muss der Staat für Schäden aufkommen.

Katharina Lucà ADAC

Durch den Klimawandel verlagern sich die Probleme für Straßenbauer. Im Sommer nehmen die Schäden durch Hitze an den Fahrbahnbelägen zu. Dafür gibt es aber in milden Winter weniger Schäden. Schließlich verursachen Frostschäden oft tiefe Schlaglöcher. In der kalten Jahreszeit mit lang anhaltenden sogenannten Frosttauwechseln zwischen plus drei und minus drei Grad fließt Tauwasser in kleinste Risse im Asphalt. In der Nacht gefriert es wieder und dehnt den Schaden aus. Die Folge: Die Fahrbahndecke wird quasi aufgesprengt.

Bei hohen Temperaturen rät der ADAC Verkehrsteilnehmern zu besonderer Vorsicht. Sie sollten auf gefährdeten Strecken langsamer fahren und mehr Abstand zum Vordermann halten. Biker sollten betroffene Strecken meiden, für sie sei das Phänomen besonders gefährlich.

MDR (Hannes Leonard,Julia Heundorf), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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