Warnsysteme Hunderte Sirenen in Sachsen-Anhalt sollen reaktiviert werden

Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands wird darüber diskutiert, wie die Bevölkerung in solchen Fällen besser und früher gewarnt werden kann. Viele setzen dabei auf die gute alte Sirene. Doch in Sachsen-Anhalt müssen Hunderte Anlagen umgerüstet werden.

Sirene
Viele Städte in Sachsen-Anhalt haben ihre Sirenen teilweise oder ganz abgebaut. Auf dem Land gibt es hingegen noch mehr Anlagen. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands erschüttert auch die Menschen in Sachsen-Anhalt. Viele sorgen sich, dass sie in solchen oder ähnlichen Situationen nicht rechtzeitig gewarnt werden. Schließlich gab es beim bundesweiten Warntag im vergangenen Herbst einige Pannen: Probewarnungen erschienen zu spät oder gar nicht auf dem Smartphone, vielerorts blieben zudem die Sirenen stumm.

Neben den vielen neuen, digitalen Kommunikationsmitteln wie Warnapps bleibt die analoge Sirene ein wichtiges Instrument zur Warnung der Bevölkerung. Man habe gelernt, dass eine vollkommen digitalisierte Welt keine funktionierende Welt sei, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der Landespressekonferenz am Dienstag.

Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, im Anschluss an eine Sondierungsrunde mit der FDP Sachsen-Anhalt.
Sachsen Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) will Hunderte Sirene reaktivieren (Archivbild). Bildrechte: dpa

Alle Digitalisierung nützt nichts, wenn die Funkmasten keinen Strom haben.

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident

Aschersleben nutzt Sirene bei Lebensgefahr

Auch René Knoblauch, Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Aschersleben im Salzlandkreis, schätzt die Vorteile der Sirene: Sie alarmiert zum einen die Einsatzkräfte, auch wenn diese ihre digitalen Meldeempfänger gerade nicht bei sich haben oder hören. Zum anderen warne sie die Bevölkerung. "Hier in Aschersleben geht nur die Sirene, wenn Menschenleben in Gefahr sind", sagt Knoblauch im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. In den Ortsteilen heule die Sirene aufgrund der schlechteren Netzqualität bei fast jedem Einsatz.

Mehr Sirenen auf dem Land als in der Stadt

In Sachsen-Anhalt gibt es knapp 2.000 Sirenenanlagen. Die Verteilung unterscheidet sich aber auf dem Land und in der Stadt. Im Landkreis Harz zum Beispiel stehen 110 Anlagen und im Altmarkkreis Salzwedel sind es 225. In Magdeburg hingegen findet man sie nur im Außenbereich der Stadt und Halle verzichtet komplett auf Sirenen. "Ich denke, das hat mit den ländlichen Strukturen zu tun", sagt Bernward Küper vom Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt. In der Stadt hingegen habe man in der Vergangenheit viele Sirenen abgebaut und auf Digitalisierung gesetzt.

Land will Sirenen reaktivieren

Nun wünschen sich viele die Sirene zurück. Der Bund plant 88 Millionen Euro für die Umrüstung alter und die Anschaffung neuer Sirenen. Etwa 2,4 Millionen davon werde Sachsen-Anhalt bekommen, sagte Landes-Innenminister Michael Richter (CDU) am Dienstag. Zudem wolle das Land selbst vier Millionen Euro zur Verfügung stellen. Mit dem Geld sollen 750 neue Sirenen angeschafft und gut 500 umgerüstet werden.

Zuständigkeiten ungeklärt

Allerdings seien die Zuständigkeiten bei der Warnung der Bevölkerung nicht ausreichend geklärt, kritisiert der Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben (SPD). Im Verteidigungsfall warnt demnach der Bund, im Katastrophenfall sind die Länder zuständig. "Wir brauchen eine klare Regelung, wer für die Warnung der Bevölkerung zuständig ist", fordert Erben.

Das sei in Sachsen-Anhalt und auch in vielen anderen Bundesländern nicht klar geregelt. Zudem müssten die unterschiedlichen Warnapps sowie auch die Sirenen und andere Warnsysteme besser miteinander vernetzt werden.

Quelle: MDR/Tom Gräbe, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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