"Institut für Staatspolitik" Protest gegen Neue Rechte in Schnellroda

Gegen eine Veranstaltung der Neuen Rechten in Schnellroda hat sich am Wochenende Protest formiert. Auf gleich drei Kundgebungen wurde dagegen demonstriert. Gäste der umstrittenen Bewegung waren auch Wissenschaftler aus anderen Bundesländern.

Zwei Männer an Fenstern eines Lokals mit einer Kamera.
Die Identitären fotografierten die Demonstranten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vierzig Rechtsextreme stehen vor dem Gasthof "zum Schäfchen" in Schnellroda. Bei ihnen sind zwanzig Einwohner, sie stehen an Tischen, trinken Bier, pöbeln und grinsen. Wenige Meter weiter flattern Transparente. Siebzig junge Leute stehen auf der Kundgebung gegen die Sommerakademie des "Instituts für Staatspolitik" (IfS). Das IfS gibt sich gern als intellektuelle Instanz der Neuen Rechten. Es versammelt Politiker und Wissenschaftler, die der Bundesrepublik den Rücken gekehrt haben. Bei Veranstaltungen des Instituts schulen sie Mitglieder der Neuen Rechten und rechtsextreme Aktivisten.

Der Mitbegründer des IfS ist Götz Kubitschek, einer der umtriebigsten Vertreter der Neuen Rechten in Deutschlands. Er besitzt in Schnellroda ein Rittergut, in dem das Institut sowie der Antaios Verlag und das Magazin "Sezession" ihren Sitz haben.

Polizei trennt Identitäre und Demonstranten

Aus den Fenstern des Gasthofs lehnen sich die Identitären-Aktivisten, unter ihnen Mario Müller, der früher für die NPD-Jugend arbeitete. Sie haben ein riesiges Objektiv in Stellung gebracht, um die Gegendemonstranten abzufotografieren. Einige Mitglieder der Identitären Bewegung aus Österreich versuchen mehrfach, Journalisten an ihrer Arbeit zu hindern.

Einige Identitäre kommen aus dem Gasthof, sie wollen zum Sportplatz. Sie laufen im Pulk los, ihr Ziel ist eine Kundgebung der Linken am Ortsausgang Richtung Albersroda. Die Rechtsextremen filmen, liefern sich Wortgefechte mit den Demonstranten. Als die Gruppe plötzlich auf die Kundgebung zugeht, greift die Polizei ein und drängt die Identitären zurück.

Vorträge von Professoren und Juristen

Männer vor einem Lokal.
Zu den Rednern zählte neben Thor von Waldstein (r.) auch der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Teilnehmer und Referenten der Sommer-Akademie haben die Kennzeichen ihrer Autos abgeklebt – niemand soll wissen, wer alles angereist ist. Vor dem Gasthof steht im beigen Trenchcoat der 74-jährige Professor Steffen Dietzsch. Er lehrte Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Dietzsch ist auch Leiter des Kondylis-Instituts für Kulturforschung der Fern-Universität Hagen.

Nach ihm tritt Thor von Waldstein aus der Tür, ein rechtsextremer Anwalt mit Spezialisierung auf Schifffahrtsrecht. Für die Identitäre Bewegung ist er besonders interessant. Die Rechtsextremen wollten vor kurzem auf dem Mittelmeer die Rettung Schiffsbrüchiger mit einem eigenen Schiff behindern.

Die Versammlungsbehörde hatte mit einem ruhigen Verlauf der Veranstaltungen gerechnet. Kurz nach 17 Uhr wird die Kundgebung gegen die rechtsextreme Veranstaltung beendet. die Teilnehmer laufen an Kubitscheks Rittergut vorbei, zurück zu ihren Autos. Die meisten sind von außerhalb angereist. Ein Anwohner sagt, die vielen Rechtsextremen machten ihm große Angst.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte MDR SACHSEN-ANHALT berichtet, dass Götz Kubitschek Leiter des Instituts für Staatspolitik (IfS) ist. Das entspricht nicht den Tatsachen. Er ist Mitbegründer des IfS. Außerdem hatten wir berichtet, dass es sich um ein Sommercamp der Identitären Bewegung handelt. Richtig ist aber: Sommerakademie des Instituts für Staatspolitik.

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Quelle: MDR/ms

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