Gefahr für Umwelt und Gesundheit Illegale Müllentsorgung in Sachsen-Anhalt nimmt zu

In Sachsen-Anhalt nehmen Fälle illegaler Müllablagerungen zu. In den vergangenen Jahren verzeichnen die Landkreise immer mehr Vorfälle – mehrere hundert waren es zuletzt pro Jahr und Landkreis. Warum Menschen ihren Müll illegal entsorgen.

Müll liegt am 19.04.2016 im Wald bei Torfhaus (Niedersachsen) im Harz.
Immer öfter findet sich illegal entsorgter Müll etwa im Wald. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Immer häufiger kann man in Sachsen-Anhalt illegale Müllablagerungen etwa an Feldwegen, in Waldstücken oder Bauruinen beobachten. Ein Beispiel ist auch die Müllentsorgung vor einer Grünschnittanlage in Magdeburg. Seit Jahren nehmen solche Fälle im Land zu. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Im Salzlandkreis hat sich die Zahl der registrierten Fälle von illegaler Müllentsorgung zwischen 2016 und 2020 beinahe verdreifacht. 714 Verstöße wurden im vergangenen Jahr festgestellt. Auch im Kreis Mansfeld-Südharz ist nach Angaben der Kreisverwaltung in den vergangenen Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Fälle von illegal abgelagerten Müll zu verzeichnen.

Ein Holzzaun, an dem Schilder hängen. Auf denen wird über eine Annemhestlle für Grünabfälle und Elektrogeräte informiert und das Müllabladen verboten.
Vor einer Annahmestelle für Grünschnitt der GISE mbH wird immer wieder zum Teil giftiger Müll abgeladen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Illegale Abfälle: "ein erhebliches Problem"

Die Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd, die den Burgenlandkreis abdeckt, verzeichnete ebenso in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Während 2015 etwa 230 illegale Abfallmeldungen bilanziert wurden, sind es 2020 mehr als 580 gewesen. Für das laufende Jahr wurden bisher etwa 200 Fälle gemeldet.

In einer Erklärung des Stadtrates in Dessau-Roßlau hieß es zuletzt: Es gebe wie in vielen anderen Städten "ein erhebliches Problem mit illegal und achtlos entsorgten Abfällen". Die Fallzahlen der Beseitigung von illegalen Abfallablagerungen steigerten sich nach Angaben des Stadtrates von 330 im Jahr 2014 auf 530 im Jahr 2019. Ohne gegenzusteuern, sei eine weitere Zunahme solchen Verhaltens zu erwarten.

Gründe für illegale Entsorgung: Bequemlichkeit und mehr Versandhandel

Doch wodurch wird diese Entwicklung befeuert? In den Augen der Landkreise und kreisfreien Städte mangele es keineswegs an ordnungsgemäßen Entsorgungswegen. Vielmehr trügen unter anderem kurzlebige Konsumprodukte, die Zunahme des Versandhandels, die Bequemlichkeit einiger Bürger und wohl auch fehlende soziale Kompetenz oder Kontrolle zu dieser Entwicklung bei, hieß es in der Erklärung des Dessauer Stadtrates. Auch die geringe Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, lasse die Hemmschwelle bei vielen sinken.

Ermittlungen meist erfolglos

In Halle wurde bei etwa 1.000 verbotswidrigen Abfallablagerungen im vergangenen Jahr in nur 17 Fällen ein Verfahren gegen die Verursacher eingeleitet. Von diesem ohnehin geringen Anteil konnte schließlich nur etwa ein Drittel aufgeklärt werden. Auch in Mansfeld-Südharz könne "nur ganz selten ein Verursacher gerichtsfest ermittelt werden". Gleiches gilt für das Jerichower Land.

Folge: Abfallgebühr steigt für alle

Bleiben die Ermittlungen wie in der Mehrzahl der Fälle erfolglos, so werden die entstehenden Kosten vom Steuerzahler beziehungsweise vom Abfallgebührenzahler übernommen. Die finanzielle Belastung der Allgemeinheit ist dabei nicht unerheblich. Lag der Entsorgungspreis laut eines Sprechers des Salzlandkreises bis Ende vorigen Jahres bei 95 Euro pro Tonne, sind es wenige Monate später schon 144 Euro.

Gefahr für die Umwelt

Die Entsorgungen sind nicht nur illegal und verunstalten die Landschaft – sie sind zum Teil eine erhebliche Umwelt- oder Gesundheitsgefahr. Ein Beispiel dafür ist das Freisetzen wassergefährdender Stoffe wie Altöle, Farben, Elektrogeräte. Hinzu kämen häufig krebserzeugender Stoffe durch Bauteile aus Asbest oder künstlichen Mineralfasern.

Bußgeldkatalog eingeführt

Der ausufernden Entwicklung in einigen Kreisen will das Land Sachsen-Anhalt mit einem vor wenigen Tagen eingeführten Bußgeldkatalog entgegensteuern und mit erhöhten Strafen potenzielle Verursacher abschrecken. Die neuen Vorgaben schafften einen einheitlichen und transparenten Rahmen, teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums mit. Bisher war die Höhe des Bußgeldes den Kommunen und Städten überlassen.

Laut neuer Verordnung soll ein weggeworfener Zigarettenstummel ein Bußgeld zwischen 20 bis 40 Euro nach sich ziehen. Zudem veranschlagt das Land für die illegale Entsorgung von Hausmüllsäcken bis zu 400 Euro. Illegal im Wald abgeladene Waschmaschinen können Strafen bis zu 700 Euro nach sich ziehen. Besonders teuer wird es bei asbesthaltigen Bauabfällen: Hier stehen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro aus.

Quelle: dpa, MDR/Maria Hendrischke

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Mai 2021 | 11:00 Uhr

3 Kommentare

AlexLeipzig vor 9 Wochen

Diese illegale Müllabsonderung ist doch ein weiteres Beispiel für den zunehmenden Egoismus mancher Zeitgenossen, einfach nur traurig, verantwortungslos und dumm.

wer auch immer vor 9 Wochen

Sperrmüll ist doch so einfach zu entsorgen, Karte ausfüllen oder Anruf tätigen, Termin registrieren, Müll bereit stellen.
Die Wertstoffhöfe bieten einen super Service, Abgabe fast aller Wertstoffe täglich möglich.
Meinen Müll, jede Kleinigkeit bringe ich dort hin und weis, es wird Umweltgerecht entsorgt.

Alle die ihren "Mist" in die Natur kippen sollte so hohen Strafen zahlen, das es sich rumspricht und Angst schürt.
Anders ist diesen Mitmenschen nicht bei zu kommen.
Die Kosten für die Kontrolle dieser Missetat tragen dann die Umweltsünder!

Anni22 vor 9 Wochen

Ja da müsste man mal konsequent Strafen verteilen, auch in der Stadt, wenn der Müll einfach auf die Straße fliegt. Aber wer soll das machen? Heute lebt man bei Ordnungsamt und Polizei gefährlich. Und als Bürger muss man sich das wirklich reiflich überlegen, ob man einen anderen Menschen auffordert einen Papierkorb zu benutzen....

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