Aktuelle Studie der Barmer Immer mehr junge Sachsen-Anhalter benötigen psychotherapeutische Hilfe

Schwere Belastungen, Angststörungen oder auch Depressionen: Erkrankungen, die unbedingt ernstgenommen und behandelt werden müssen. In Sachsen-Anhalt hat sich die Zahl der Kinder, die psychotherapeutische Hilfe benötigen, von 2009 bis 2019 verdreifacht. Durch Corona kann die Zahl der Betroffenen noch weiter steigen.

Eine junge Frau sitzt am Tisch mit Laptop und Büchern und hält sich mit beiden Händen den Kopf.
Auch durch Corona vermehrt sich das Inanspruchnehmen von Psychtherapieterminen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen, hat sich zwischen 2009 bis 2019 verdreifacht. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Arztreport der Krankenkasse Barmer hervor.

Während im Jahr 2009 noch 5.100 Kinder und Jugendliche eine psychotherapeutische Hilfe benötigt haben, waren es 2019 mit 16.000 Kindern und Jugendlichen mehr als drei Mal so viel.

Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen-Anhalt, sieht diesen Anstieg als dramatisch an, sagt er MDR SACHSEN-ANHALT. Ihn schockiere es, dass sich psychische Erkrankungen schon im Kinder- und Jugendalter so stark darstellen.

Häufigste Diagnosen

Im Arztreport der Barmer werden schwere Belastungen und Anpassungsstörungen sowie Depressionen und emotionale Störungen im Kindesalter als häufigste Ursache für Psychotherapien genannt.

FAKT IST!-Gast: Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer BARMER Sachsen-Anhalt
Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen-Anhalt, sieht diesen Anstieg als dramatisch an. Bildrechte: Viktoria Kühne

Die Behandlungen können zum Teil einige Jahre andauern, sind aus Sicht von Wiedemann aber notwendig. Er sagt MDR SACHSEN-ANHALT, würde dieses Krankheitsbild nicht behandelt werden, sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dieses verfestigt. Die psychische Erkrankung könne dann im Erwachsenenalter umso gravierender zutage treten, so Wiedemann weiter.

Sachsen-Anhalt: Bundesweit zweithöchster Anstieg

Bundesweit stieg die Anzahl der Psychotherapien bei jungen Menschen innerhalb von elf Jahren in allen Bundesländern stark an, so die Analyse in dem Report hervor.

Sachsen-Anhalt ist mit einem Anstieg um 214 Prozent zwischen 2009 und 2019 auf dem zweiten Platz. Mecklenburg-Vorpommern hat den höchsten Anstieg an Therapien mit einem Anstieg um 239 Prozent seit 2009.

Corona lässt psychische Erkrankungen ebenfalls steigen

Eine aktuelle Umfrage der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) zeigt zusätzlich zum Arztreport, dass in Zeiten von Corona Kinder und Jugendliche noch stärker belastet sind.

80 Prozent der teilnehmenden Kinder- und Jugendpsychotherapeuten bestätigen, dass im zweiten Lockdown die Anfragen von hilfesuchenden Familien in den Praxen deutlich gestiegen ist, heißt es in einer zusätzlichen Zusammenfassung der Barmer zum Arztreport.

14- bis 17-Jährige besonders betroffen

Besonders betroffen sind hier die Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen. In dieser Altersspanne sollten sich Jugendliche von ihren Eltern ablösen. Durch die Lockdown-Regelungen bleiben diese allerdings in der altersgemäß konflikthaften Situation mit den Eltern gebunden.

Die verschlechterten Möglichkeiten, sich zum Beispiel durch Praktika zu orientieren und die unsichere Lage auf dem Ausbildungsmarkt verstärken die Angst und Zukunftssorgen bis hin zu psychischen Erkrankungen, heißt es weiter in der Zusammenfassung der Barmer.

Hilfsangebote zur Vorsorge und Prävention

Die Barmer fördert und bietet selbst eine Reihe von Programmen und Angeboten zur Prävention und Vorsorge psychischer Erkrankungen an.

So unterstützt die Barmer das Mind Matters-Schulprogramm, ein Programm zur Verbesserung der psychischen Gesundheit an Schulen oder das Online-Portal FIDEO, ein Diskussionsforum für Jugendliche ab 14 Jahren.

Beim Kinder-und Jugendprogramm (KJP) der BARMER werden mehrere Extra-Vorsorgeuntersuchungen angeboten, bei der die teilnehmenden Kinder-und Jugendärztinnen und -ärzte gezielt auf psychische Auffälligkeiten junger Menschen achten.

Quelle: MDR/Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. April 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Uwe B vor 6 Tagen

Die Art und Weise, wie mit der Pandemie umgegangen wird, ist da sicher ein Problem. Viren lassen sich von Propaganda nicht beeindrucken. Politikern dagegen geht es um nichts anderes. So werden Entwicklungsstörungen produziert, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind. Ein Teil der Zunahme der Fallzahlen wird aber eine Folge zunehmender Sensibilität sein. Das wäre gut. Mit Jugendfeindlichkeit wurden noch nie Probleme gelöst.

Anni22 vor 7 Tagen

Es ist für niemanden gut, in ständiger Panik zu sein. Das fängt bei Corona an, geht übers Klima bis auch ganz einfach um die materielle Existenzgrundlage.

Anni22 vor 7 Tagen

Es ist für niemanden gut, in ständiger Panik zu sein. Das fängt bei Corona an, geht übers Klima bis auch ganz einfach um die materielle Existenzgrundlage.

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